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Konkurrenzgedenken

In Berlin kämpft man um Erinnerungsorte. In Tradition erkennen die Behörden nicht die Bedeutung an, sind geradezu erschrocken, wenn sie verkauft (und gentrifiziert) nichts mehr erzählen von ihrer Geschichte. Behörden verweigern sich auch der Erinnerung trotz mehr als hinreichenden Nachweisen und argumentieren fragwürdig geschichtsvergessen – gleichzeitig gehen Pressemitteilungen über die hervorragende Erinnerungsarbeit hinaus, die die eine oder andere Opfergruppe schlicht vergessen, oder sollte man doch das Wort ignorieren wählen? Es sind dann Privatpersonen, die hinterfragen (müssen). So entstanden in Tradition viele Erinnerungsorte, Erinnerungsstätten, Erinnerungswasauchimmer und wurden zu Institutionen. Staatlich gefördert und somit für den einen oder anderen zum Feind per se. Warum?

Es gibt keine Selbstverständlichkeit des Erinnerns in der Stadt oder im Land. Schaut man allerdings über die Hauptstadtgrenzen hinweg, so scheint es besser zu gehen. So wird hier teils individuell gedacht, unter großem Engagement von ehrenamtlichen Initiativen, werden mit großem Aufwand Schulen aktiv, Schreibende, Bürgervereine, Privatpersonen auf eigenen Grundstücken. Oft wenig beachtet mit Notizen in den Regionalgazetten, geben diese Menschen Hoffnung. Mir geben sie Hoffnung. Schaut man zurück in die Hauptstadt: Konkurrenzkampf. Wer schreit am lautesten? Wer positioniert sich am unübersehbarsten? Wer schlägt die Pflöcke laut und fest? Wer erinnert am meisten, Quantität vor Qualität. Stilles, zum Teil lange aktives, wird übersehen. Ein Spiegel der Gesellschaft(?). Vielleicht ist es eben das, was sich hier zeigt oder dessen Eindruck es (bei mir) hinterlässt: es geht selten um das Erinnern an sich. Es geht selten um die einzelnen Opfer, um ihre Geschichten um ihr Nichtvergessenwerden. Es geht vielmehr darum, wer die meiste Presse akquiriert: für sich. Wessen Name am häufigsten genannt wird. Wer mehr in den Vordergrund tritt. In der Schnelllebigkeit macht sich kaum ein Mensch die Mühe, hinter das Plärren zu schauen, oder gar daran vorbei, dahinter. So werden jene, die still die Geschichten sammeln, die still von ihnen erzählen nicht gesehen, auch jene nicht, die zwar Erinnerungskonzepte entwerfen, sie aber nicht mit reichlich Stellen versehen laut einfordern. Kooperationen? Fehlanzeige. Es geht um wir und ihr. Das alte Feindbild Staat nimmer auch jene in Geiselhaft, die bereits von eben jenem Staat gefördert werden.

Es bleibt mir ein schaler Beigeschmack, werden Namen nicht mehr genannt, werden jene, um die es doch eigentlich gehen in den Hintergrund, weit weggeschoben, rücken jene, die sich selbst als wichtig erachten in den Mittelpunkt. Natürlich, was soll sein, das Spiel wird mitgespielt in Zeitung, Internet und Fernsehen. Es ist bedrückend. Es macht vergessen, um was es doch eigentlich gehen sollte.

 

Mir ist bewusst, dass Berlin hier nicht allein steht, doch kann ich nur davon schreiben, was ich kenne. 

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