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Die Lieben der Anderen

Deutschland erregt sich. In diesen Tagen ist es eine Liebe. Eine Liebe, die nicht ins Bild passen will, in das Bild derer, die kein Links und Rechts von ihrem eigenen Weg dulden können. Und dies können sie noch weniger, wenn ein Teil dieser Liebesgeschichte, nicht mit biodeutschem Stammbaum daher kommt.

Und ich wundere mich, ich wundere mich sehr. Was geht die Öffentlichkeit die Liebe zweier junger Menschen an? Was geht überhaupt irgendjemanden die Liebe anderer an? Natürlich greift man dann und wann daneben in der Partnerwahl. Mit Glück lernt man daraus. Mit weniger Glück wird es zu einem Muster aus Hoch und Runter. Man nennt das Leben.

Ich blicke auf mein Leben, auf die Menschen, die mich begleiteten und die ich begleiten durfte. Atheisten, Juden, Muslime, Christen, Buddhisten. Es war und ist egal. Es gab auch diese Momente, in denen das Gegenüber mir sagte, dass es das nicht tragen kann, niemanden der ihm so fremd ist, dass das zu kompliziert sei. Es war schmerzhaft, wenn die Schmetterlinge im Bauch so jäh abstürzen mussten, weil ich doch nicht fremd war bis zum Moment des Erzählens über meine Religion. Doch niemand, niemand hat sich eingemischt.

Es gab Diskussionen mit FreundInnen und RabbinerInnen über „gemischte Beziehungen“ und ihre Auswirkungen. Es gab Fragen nach Kindererziehungen, es gab FreundInnen, die sich so und andere so entschieden haben. Es ist ihr Leben, ihre Liebe.

Deutschland erregt sich über die Liebe einer jungen Christin und eines jungen Muslims. Ich fühle mich erinnert. An all die verbotenen Beziehungen in der Geschichte. Die verbotenen Beziehungen zwischen KatholikInnen und ProtestantInnen, die verbotenen Beziehungen von Biodeutschen (oder sollen wir gleich von Ariern sprechen?) zu irgendwem, der nicht diese Daten aufweist, die verbotenen Beziehungen von ChristInnen zu anderen Religionsangehörigen. Die Pflicht zur Konversion in welche Richtung auch immer, wollten die Liebenden zusammen sein. Das, was erst mit der Einführung der zivilen Trauung offiziell beendet sein sollte, es aber noch immer nicht ist. Ich erinnere mich auch an die Geschichten der „verbotenen Beziehungen“ von ZwangsarbeiterInnen zu Deutschen, die für die ZwangsarbeiterInnen mit dem Tod bestraft wurde, für die mit dem „richtigen Papieren“ mit KZ und offenem Ende. Ich erinnere mich an ihre Kinder. An das Tabu, den Hass, der sie ihr Leben lang begleitet. Nicht zuletzt erinnere ich mich an die sogenannten „Mischehen“ und den „Mischlingen jedweden Grades“. Und mir wird schlecht, lese ich die Urteile über eine Teenagerliebe. Urteile, die nur zum Ziel haben, diese Menschen zu zerstören. Die vielleicht jetzt schon nie wieder unbeschwert werden lieben können.

Es heißt immer, man habe gelernt aus der Geschichte. Nichts hat man gelernt. Man hat nicht gelernt, dass die Liebe zweier Menschen andere nichts anzugehen haben. Dass die Frage, wen sie lieben, ihre ganz eigene ist. Wenn diese Menschen Rat brauchen und suchen, werden sie ihre FreundInnen fragen. Es ist ihre Entscheidung allein! Es ist ihr Leben. Und kommen Sie mir nicht mit Sorge. Sorgen dürfen sich jene, denen sie sich anvertrauen. Die engste Familie, die FreundInnen… . Das sind die Menschen, die vielleicht wissen, ob es Anlass zu Sorge gäbe oder nicht einfach nur zur Freude, dass sich zwei Menschen gefunden haben, die einen Abschnitt ihres Lebens lang einander glücklich machen können. Und niemand, absolut niemand hat das Recht, sich einzumischen.

3 Kommentare

  1. Seit Jahren suche ich dieses Foto! Endlich habe ich es wiedergefunden. Bitte, wo ist es aufgenommen? Liebe Grüße.

    • Ja, ich liebe es auch sehr. Einfach nach dem Friedhof Roermond suchen, vielleicht noch Hände. So hab ich es gefunden. Das beste Symbol noch immer wie ich finde – auch, wenn die beiden zwar zusammen leben durfen (sogar)…nur am Friedhof war dann Schluss.

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