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Der letzte Tag von Chanukka

Es ist der letzte Tag von Chanukka, das wohl merkwürdig achterbahnigste Chanukka der letzten Jahre. Zum Glück feiere ich kein Weihnachten. So bleibt mir die Nervosität über mangelnde Besinnlichkeit, die fehlenden Plätzchenbackorgien und  den nicht vorhandenem Baumschmuck erspart. Denken wir gar nicht erst nicht an das Geschenkekaufen!

Der Tag heute, der siebte Tag von Chanukka, glitt vorbei. Draußen Dunkelregenberlin. Winter. Ich dachte mehr als nötig nach über die Herren, die mir grau und gesetzt erklärten, was ich denken solle. Stellte fest, dass ich in diesem Jahr keine Latkes hatte. Versuchte Ordnung in das Schreibtischchaos zu bringen, stellte letztlich das Telefon um,  setzte Kopfhörer auf und hoffte, der Tag möge schnell und still vorüber gehen. Und nun, nun bin ich traurig, dass der letzte Tag von Chanukka angebrochen ist.

Ich nahm mir vor, dem Chanukkawunder folgend, aufmerksam zu sein, die Wunder dieser vergangenen acht Tage auszumachen. Das wirkliche Wunder war wohl das der Mesale Tolu.

Es war aber auch die neue Kollegin, die wortlos am ersten oder zweiten Tag von Chanukka einen Pfannkuchen auf meinen Tisch legte. Wir haben nie darüber gesprochen, sie hat gewusst. Es waren die Menschen, die mit freundlichen Worten die Woche mit ihren dunklen Tagen aufhellten. Die es schafften, mich sprachlos zu machen vor Unglauben, Glück und Dankbarkeit, sie wissen schon, so hoffe ich. Es war auch das wunderbare Geschenk, vom jährlichen Geschichtlerwichteln, das mir eine Agfa Billy bescherte, eine 90 jährige Kamera, die ich bereits gereinigt und mit Film versah und nun auf genügend Licht warte. Alte Damen sind mitunter speziell. Johanna überraschte mich heute mit einer lieben Karte. Einfach so. Was für eine Überraschung!  Gestern dann erst eine verwirrende Gratulation der Pressepfarrerin zu irgendetwas. Dann mehr und mehr Twittererwähnungen mit Wünschen, Freude über eine goldene Nominierung dieser Seiten hier…dann es geschrieben lesen: Shortlist. Ich muss mich setzen. Und danke sagen. Wem auch immer. Nicht (nur) für Listen sondern einfach nur, dass Sie und Ihr da draußen irgendwo diese meine Schriftgedanken lest, dass Ihr Euch Eure Zeit nehmt, für das hier.

Eine Hoffnung ist dieses Goldene auch: endlich die wunderbare Frau ReadOn das erste Mal und die Frau Anachronistin bald wieder zu sehen.

 

Ach, wenn ich es jetzt so betrachte, so sehe ich, dass dieses Chanukka doch gar nicht so sehr dunkel war, wie es anfangs schien in diesem Jahr. Vielleicht sehen wir und ich so viele Wunder nicht. Wunder und Menschen, die uns umgeben. Die Wunder sind manchmal eben weniger dramatisch als Öl, das länger brennt. Und Licht gibt es nicht nur mit Kerzen.

Chanukka allerdings ist noch nicht vorüber. Schließlich ist der achte Tag erst ein paar Stunden alt und morgen, ganz vielleicht, passiert noch ein kleines Chanukkawunder, für mich.

2 Kommentare

  1. Ein schöner Blogbeitrag, der voller kleiner Wunder steckt. Ich wünsche Dir für den achten Chanukka-Tag noch ein weiteres hinzu!

    Alles Liebe aus Frankfurt,
    Daniel

  2. CJK CJK

    Im Licht stehen

    Nicht im Licht steh’n,
    nur durch Licht seh’n,
    und ich sehe klar,
    hellstrahlende Weiten,
    erleuchtende Seiten,
    aufrecht und wunderbar.

    Ich wollte leuchten, selber strahlen,
    Eindruck schinden, ein Bild von mir malen,
    weil ich glaubte wie ich bin, reicht es nicht.
    Und stellte mich deshalb ins gleißende Licht.

    Und mich blendeten Strahlen.
    Und ich sah einfach nichts.
    Um mich herum, die die prahlen
    Blind, so wie ich.

    Und ich wandte mich um,
    Wollt ‚ nicht stehen im Licht,
    und ich weiß jetzt warum,
    will nur sehen durch Licht.

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