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Buchbetrachtung: Das Lied des Pechvogels von Stephan Lackner

„Lieber Stephan Lackner, Dank Ihnen für Weihnachtsgruß und auch etwas verspätet für den Pechvogel. Letzterer hat mir gut gefallen, auch viele Frankfurter Erinnerungen geweckt, einige etwas konventionelle Ausdrücke störten am Anfang etwas – ‚sein Profil war wie eine Kamee‘ -, aber die Reise nach Berlin und der überraschende sehr schöne Schluß macht das Büchlein doch liebenswert.“

Mit diesen Worten Max Beckmanns leitet Manfred Bosch das Nachwort zu „Das Lied des Pechvogels“ von Stephan Lackner ein. Ein Nachwort, das auch ein Vorwort hätte sein können. Ein Satz, den auch ich ähnlich dachte, war ich ähnlich irritiert durch die Kamee.

Max Beckmann: Stephan Lackner

Stephan Lackner, eigentlich Ernest Gustave Morgenroth, war bekannter Sammler und Freund Max Beckmanns. Ein Mann, der das Glück hatte, bereits in jungen Jahren in Kontakt zu den Künsten zu kommen. Ein Mann, der das Glück hatte, selbst in vielen Genres schriftstellerisch zu Hause zu sein und ein Mann, der, wie ich finde, zu Unrecht nicht aufgezählt wird im Reigen derer, die ihr Land und ihre Sprache verlassen mussten.

1933 konnte Lackner noch sein Studium an der Universität Gießen mit seiner Promotion summa cum laude abschließen. Postwendend wurde ihm dieser Titel mit seiner Emigration aberkannt und erst 2006, sechs Jahre nach seinem Tod, wieder zuerkannt.

„Das Lied des Pechvogels“ ist, Manfred Boschs Ausführungen folgend, ursprünglich Teil eines größeren mehrbändigen Werkes, das nicht veröffentlicht werden konnte. Lackner nahm drei Kapitel heraus, arbeitete sie um und hatte so das wunderbare Lied des Pechvogels entstehen lassen.

Wunderbar die Sprache, die Bilder einer anderen Zeit auferstehen lassen. Wunderbar auch die kleine Geschichte des mittellosen Künstlers, der durch die begüterte Künstlerin entdeckt und womöglich aus dem Seelendunkel gerettet werden könnte.

Ein schönes kleines Bild, das sich vor meinem inneren Auge zu einem Film in Schwarzweiß fügte, Männer mit weißen Handschuhen und Schals, Frauen mit in Wellen gelegten Haaren, Chauffeure in Livre vor dunklen rußigen Bauten, schattige Gestalten huschen durchs Bild.

Es sind diese wertvollen kleinen Bücher, die Autoren dem Vergessen entreißen, die aufmerksam machen, wie eben diese 104 Seiten aus dem Südverlag, denen ich verdanke, einen Namen mehr zu den von mir doch so geliebten so genannten Exilautoren hinzufügen zu können.

Das kleine, schöne gebundene Buch ist ein Buch für den Sonntag nachmittag, für eine kleine Reise, für zwischendurch, um selbst auf die Reise zu gehen, eine Reise in schöne Worte und eine andere vergangene Welt.

Die Neuauflage von „Das Lied des Pechvogels“ von Stephan Lackner erschien in der Reihe bibliophil im Südverlag. Es ist für 12 Euro im Buchhandel erhältlich und sei ans Herz gelegt.

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