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Hier bin ich.

„Wir werden sie jagen […] Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“ so verkündete Alexander Gauland am gestrigen Abend. Seit dem denke ich darüber nach, habe Antworten aber auch Fragen.

Das Volk.

Was ist „unser Volk“ und wer hat es weggenommen und wem? Wessen Volk? Gehörte ein Volk jemandem? Nur eines: die Sache mit den „Volksgenossen“, die hatten wir schon. Sie hat nicht funktioniert, sie hat Millionen Menschen das Leben gekostet.

Die Jagd.

Da spricht nun also jemand im grünen Tweetjackett mit Hundekrawatte von Jagd. Ich komme aus einem Land, in dem sehr gern gejagt wurde. Rotwild, Schwarzwild, Menschen. Ich will nie wieder in einem solchen leben.

Denke ich über die Ungeheuerlichkeiten dieser gestrigen Aussagen nach, komme ich immer wieder nur zu einer Antwort: Jagen kann man nur, was sich jagen lässt. Nun, ich lasse mich nicht jagen. הנני. Hier bin ich. Ich höre. Ich sehe. Ich bin da. Ich habe keine Angst. Voll und ganz. Ich werde nicht schweigen. Ich werde mich nicht ändern der Bequemlichkeit wegen. Ich lasse mir mein Land nicht wegnehmen, nicht mein Leben.Ich werde nicht still sein. Ich werde nicht kuschen, wie es so viele tun. Nichts ist widerlicher als jene, die noch immer meinen, man könne mit ducken das Schlimmste vermeiden. Dieses Ducken, das uns in Diktaturen führte und Menschen später so oft sagen ließ, wir haben von nichts gewusst, wir sind es nicht gewesen, die anderen waren es.

Hier bin ich. Ich werde mit meinen Mitteln kämpfen. Ein anderes Leben hätte ich mir gewünscht, eines in Unbeschwertheit, in Sicherheit, in dieser Gesellschaft, die sich auf Freiheit und Gleichberechtigung gründet. Und so bleibt der Wunsch, das Ziel, in einem Land leben, in dem es egal ist, woher jemand kommt, in dem es egal ist, welche Religion jemand hat, in dem es egal ist, wen jemand liebt, in dem wir gleich sind. In dem so viele mehr Rechte erhalten sollten, als sie derzeit haben, statt diese noch mehr zu beschneiden. Rassismus hat keinen Platz in dem Land, in dem ich leben will, im meinem Land.

Jagen Sie die Gespenster, die sie verkünden. Jagen Sie sich selbst. Vor Ihnen aber habe ich keine Angst.

 

3 Kommentare

  1. jim jim

    Ich würde Dir so gerne etwas Tröstliches, etwas Beruhigendes schreiben – allein, ich bin genauso angewidert wie Du. Sonntag abend, angesichts des Ergebnisses, musste ich unwillkürlich an Hans Mayer denken. Natürlich hat er recht, es ist eine Phänomenologie, strukturell und es war und ist immer da, zumindest latent, gibt man dem eine Stimme, eine Führung, Legitimation, so bricht es auf und die Mittel dagegen sind beschränkt. Es stellt sich nämlich die Frage, auf welche gesellschaftlichen Parameter man einwirken müsste, welche man ändern müsste und ob diese überhaupt änderbar wären, nun ja, …

    Hier aber hab ich was für Dich: https://www.youtube.com/watch?v=pxZW_qu7mcA

    Alles Liebe und – machs gut.

  2. Standhaft sein. Dem Pöbel Paroli bieten. Unbequem bleiben. Der Preis der Demokratie. Umsonst ist sie leider nicht zu haben.

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