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Die Schnecken und das Meer

Der Abendwind bringt das Meer. Meer in Berlin. Die Luft wie nach einem Ostseeregen. Als ich das Meer jeden Tag sah, rochen die Abende so, die Abende, wenn die Sonne wieder hervorkam. Die Sonne, die kam, als die Tage fast entschwunden schienen. Der Streifen Licht über dem Bodden kurz bevor sie versank. Das Flackern durch den Baum hinterm Haus. Das warme Salz im Wind. Der Wind, der den Duft der Wildrosen weiter trug, der den Sanddorn rascheln ließ, das Rauschen der See.

So wie heute roch die Luft damals, regennass, glücklich. Ich fahre durch diese Luft durch den Wald, wie jeden Tag. Wenn ich die Augen schließe, höre ich das Meer. Die Nacktschnecken kreuzen meinen Weg… wie sie die Stufen zum Haus kreuzten, wie sie mich aufhielten für Stunden, wie ich sie betrachtete, neben ihnen saß und die Zeit vergaß, wie nur Kinder es können. Sie waren weiß und orange und schwarz und braun, sie hatten Flecken und manchmal auch nicht. Sie waren wunderschön und vielleicht gab es sie nur hier am Haus. Sie wohnten im Efeu unter den Bäumen. Die hohen Bäume, die das Haus verwunschen. In der Stille der Treppe unter den Bäumen bei den Schnecken, war ich glücklich. Zuhause in Berlin, da gab es sie nicht, nicht die Schnecken und nicht die Bäume und nicht den Wind.

Hier, heute, auf dem Weg im Wald sind die Schnecken braun. Sie machen sich lang und schauen sich um. Ob auch sie das Meer riechen? Ob auch sie es suchen?

Der Abendwind bringt Meer in die Stadt und die Schnecken kreuzen meinen Weg und ich setze mich neben sie, auf den Weg, schaue ihnen zu, wie ich es früher tat. Und frage mich, warum ich es so viele Jahre vergaß.

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