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Buchbetrachtung: Tales from the Rabbi’s Desk von Walter Rothschild

Es ist nicht immer die Zeit oder Stimmung irgendwie jüdische Bücher zu lesen, so lag „Tales from the Rabbi’s desk“ von Walter Rothschild jetzt schon gut über ein Jahr auf meinem Tisch. Als ich es nun zur Hand nahm, ging alles sehr schnell.


Vor nun mehr unglaublichen sieben Jahren schrieb ich über Rotschilds wunderbares Buch „Auf das Leben“. In weniger aufwändiger Aufmachung erschien im Herbst letzten Jahres „Tales from the Rabbi’s desk“ – Volume one. Habe ich ersteres zwar auch nachdenklich in Erinnerung, aber dennoch voller Lebensfreude, so ist dieses hier sehr ernsthaft, nicht minder nachdenklich und eine absolute Leseempfehlung.

Die Geschichten beschreiben Erlebnisse, Gedanken, Erkenntnisse eines Rabbiners. Dinge, die er lernte, am Beginn seiner Karriere, seine Zweifel, Probleme und täglichen Herausforderungen. Wie geht man mit Menschen um, die durch die Hölle gingen? Was mich persönlich aber am wichtigsten erscheint, sind die Schilderungen der Menschen, mit denen er zusammenkommt und sie hier mit dem Leser teilt. Diese Geschichten, erzählt einem Rabbiner, sind andere als die, der Durchschnittseuropäer. Wir lesen von Zwangsarbeitern im Berliner Zoo, von Menschen, die keine Gärten genießen, nicht mehr wohlige Feuer hören können, von verlorenen Lieben, deren Namen man nicht kennt, von Menschen, die niemanden mehr haben, vom Hadern mit G’tt. Es sind Geschichten, die nicht in vor Schulklassen berichtet werden, in Filminterviews oder gar, so vorhanden, der eigenen Familie. The Rabbi bears it all and he learns from the storytellers.

One Spring day – the old story – all their friends and neighbours had been compelled, with them, to walk to the station, to load their luggage into a luggage van and then to climb into some railway coaches. The cases had to be carefully labelled. before the train set off, the luggage van at the end of the train was quietly uncoupled. The townspeople then shared out the belongings of their former neighbours, secure in the knowledge that they wouldn’t be needing the luggage any more, in any case, and that whatever was left in their shops and houses and flats and garden sheds and garages could also be shared out – at least, amongst those who were favoured. The town felt better, a curse had been lifted from them, they were at last free from a foreign contagion, and only a few people ever bothered to link the events of that day to those of another Spring day, only a few days later, when the centre of the town, the railway station, the sidings full of coaches and luggage vans, the shops and homes and flats and sheds and garages, were all pummeled into dust and ash and twisted metal. 

Wir lesen aber auch über die Schwierigkeiten wie aus aus Gruppen von Menschen, die ihren Glauben verloren und jenen, die zuwanderten und nie einen Glauben haben konnten, neue Gemeinden entstehen sollen. Wir lesen von unbändiger Lebensfreude, vom Wunsch, es G’tt heimzuzahlen, von orthodoxen Rabbinern, die den Reform Kollegen beim Minjan nicht mitzählen, von Strauchlern, Besserwissern, Zweiflern. Wie lesen vom (jüdischen) Leben. 
Ich hoffe, dass das Buch auf Deutsch verlegt werden kann und mehr Aufmerksamkeit bekommt. In diesem Sinne lassen wir Lutz zu Wort kommen: 

Someone told me once, Jews don’t need a Hell – we have this world already. And we don’t need Heaven either, because – because we have this world already. Lutz was content. He had seen both.

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