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Buchbetrachtung: Homeland von Wolfgang Strassl

Es war still hier auf dieser Seite. Still, da ich denke, man muss nicht zu allem etwas sagen, man muss nicht jede Neuigkeit kommentieren, man muss nicht immer dabei sein. So lag das Buch schon am vergangenen Freitag hier…es blieb liegen. Es war nicht die Zeit. Heute aber soll sie sein, die Zeit für Homeland von Wolfgang Strassl. 

Es ist kein Leichtes, ein Buch zu besprechen, dass schon durch seine bloße Existenz Konflikte verheißt. Ich habe oft darin geblättert, habe versucht, unvoreingenommen zu sehen, was dort abgebildet ist, wie es abgebildet ist…lande immer wieder bei den gleichen Fotografien, die für mich persönlich solche Wirkkraft haben, dass diese einzelnen Bilder schon reichen würden, kein ganzes Buch bräuchten.
Zum Buch. Wolfgang Strassls Thema hier sind Ost Jerusalemer Landschaften. Was einigermaßen romantisch klingen mag, so wie Jerusalem immer etwas magischen anzuhaften scheint, zeigt durchaus die unglaubliche Schönheit dieser kargen Landschaft, zeigt zum Glück nicht, das ewig gleiche Bild der Stadt mit goldener Kuppel, wobei auch dieser wieder das Buch eröffnet, als ob Jerusalem ohne sie nicht erklärbar sei, sondern das, wohin der gewöhnliche Tourist meist nicht hinkommt, nicht hinkommen will. Die Bilder zeigen die Brutalität von massenhaften Wohnungsneubau, was an ostdeutsche Trabantenstädte erinnern kann, zeigen Siedlungen legal und illegal, verlassene, zerstörte, aufgegebene Dörfer und immer wieder eines: die Mauer. Sie zeigen Absurditäten von Häusern, die abgetrennt von ihren Dörfern sind, versperrt durch gefängnisgleiche Tore, Straßen die an ihnen enden. Ein geteiltes Land, wie es scheint. 
Palästinensische Haus in Beit-Ijza am Rande der Mauer, umgeben von der Giv’on Hahadasha Siedlung eingesperrt durch einen Zaun und Sicherheits-Tor, das geschlossen werden kann, um es vom Rest des Dorfes zu trennen.
Es sind stille Bilder zumeist, die Kommentare nicht nötig haben. Sie wirken allein und nehmen uns mit auf eine Reise, die manchem nicht gefallen mag. Eine Dokumentation einer Welt, von der man wenig sieht. Die ihre Geschichte hat, ihre Tragik und ich würde wünschen, all das hätte nicht passieren dürfen. 
Das allerdings bringt mich zur Kritik am Buch. Die hat nichts mit den Fotografien zu tun. Im Anschluss an 119 Seiten, nach denen es, selbst im Unbedarftesten gearbeitet haben dürfte, in dem der Voreingenommenste vielleicht eine Regung in sich spürte wird versucht, auf drei Seiten einen historischen Abriss zu geben. Diese ist ausgesprochen einseitig, es werden Fakten nicht erwähnt, so z.B. der Einmarsch der Armeen Ägyptens, Libanons, Transjordaniens, Syriens und Iraks in den nur wenige Stunden zuvor nach UN-Resolution gegründeten Staat Israel. Ist man historisch weniger bewandert und glaubt den Text, so scheint es, dass Israel sich nicht an die UN-Empfehlung hielt, und Jerusalem kurzerhand erobert habe.
Ich weiß nicht, ob Herr Strassl den Text selbst schrieb, eine ausgewogene Prüfung und Ergänzung desselben hätte ihm wohlgetan. Man möge bei Interesse gern hier nachlesen
Fazit: 
Lassen wir die Texte im Anschluss weg und konzentrieren uns allein auf die fotografische Arbeit, auf die Gestaltung des Buches, so ist Fotograf und Verlag eine zur Betrachtung lohnenswerte Arbeit gelungen. Danke dafür.

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