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Ein schöner Tag – zurück in Berlin

Der dritte Tag zurück in Berlin. Berlin, dass so unglaublich grau war bei der Rückkehr. Zurück ins Büro, das noch grauer erscheint. Fast denke ich, in einem Buch von Michael Ende gelandet zu sein. Soviel grau kann nicht sein.
Ich hatte Angst nach diesen Tagen Freiheit, wieder zurück zu müssen, zurück in die Stadt, in die Aggressionen, in die Kämpfe, in die permanente Egozentrik, in die Unfreundlichkeit, den Lärm, die Show, die doch auch gar nicht passt zu Berlin. Ich hatte Tage der Ruhe, der unfassbaren Stille da oben auf dem Berg. Ich zwang mich nicht zu schreiben über das, was zu Beginn des Urlaubs geschah. Ich fürchtete, dass es mir die Tage verderben würde. Ich durfte über meine Bücher, die ich doch alle lesen wollte bei Petra schreiben. Und als es endlich gelang, das immer ratternde Hirn zur Ruhe zu bringen, las ich. Ich las nicht alles, was ich mir vornahm. Aber ich tauchte in andere Leben, konnte die Gedanken treiben lassen und vergaß die Zeit. Wie lang ist es her, dass ich das konnte? Was wäre gewesen wenn ich den einen oder anderen Abzweig anders genommen hätte? 
Und dann der vergangene Sonntag. Ich wollte nichts sagen darüber, was dort in Hessen geschah. Was gewählt wurde. Es wird nicht das einzige Land dieses Landes sein. Es wird weiter so gehen. Ich bin mir dessen bewusst. Eigentlich gibt es nur ein Wort, das alles beschreibt, was ich beim Anblick der Zahlen fühlte: Angst. 
Und dann Berlin, in Grau und Grau. Regen. Kalt. Der Weg durch den Wald ist am Morgen, man hört das Gras im Frostkleid knistern und die Vögel, die die Kälte  ignorieren. Kaum aus dem Wald heraus, die Realität der Berliner Straßen. Ich fahre entgegen dem Strom. Heute nun ein Termin in der Stadt. Zeitverschwendung. Mein Schreibtisch übervoll. Ich muss. Heute also den Weg in die Stadt, mit dem Strom. Die Vierrädrigen seltsam entspannt. Sonne. Frühling. Diese kurze Zeit, in der die Aggression schwindet. Die Zeit, in der das Glück gewinnt. Glück über die Blumen, die ersten Blätter, die wärmende Sonne und das Vogelzwitschern – auch das Glück über die stille Stadt. Sie erholt sich. Sie ist still. Dort, wo sich sonst Touristenströme dicht an dicht drängeln, wo man sonst gebückt unter Selfiesticks seinen Weg finden muss ist nun: Leere. Heute aber dachte ich, die Straßen sind eigentlich tot. Niemand lebt dort mehr. Keine Pause in den Büros. Keine Menschen. Einfach nur Leere. Ich beobachte die Wenigen, die mir begegnen. Nun ist es also auch hier so, denke ich und fahre weiter. Sonne im Gesicht. Es wird langsam kühler. Zuhause in meinem Kiez, wie man neuerdings ja sagt, das Glück über die noch vorhandene Normalität. Im Supermarkt an der Ecke, die Großmutter mit ihren Enkeln, der späte Vater mit seinem Kind, noch ein Feierabendbier kaufend. Ich sehe Kindermützen vor mir, gekauft, selbst gemacht, gestrickt, gehäkelt, genäht. Draußen fährt ein Junge auf seinem Rad vorbei. Ich wünschte, ich hätte das Bild einfangen können. Er sah aus wie ein Zeitreisender.
Ich kam nach Hause. Dieses Licht in den Räumen, das nur Sonne geben kann. Ich fühlte die Ruhe des Bergdorfes in mir und dachte: Ein schöner Tag.

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