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Einfach leben

Es ist kalt in diesem Land, auch auf dem Termometer. Ich bin dem Berliner Nebel entflohen und beobachte aus dem Zug den Kampf der Sonne gegen ihn. Ich höre förmlich das Knacken des Grases, wenn man es an diesem Eismorgen betritt. Alles so schön, so friedlich….und doch so anders in diesen Tagen. 

Auf dem Bahnhof Flüchtlinge in Gruppen, wartend auf ihre Zukunft. Gespräche auf dem Bahnsteig, ob man noch Zug fahren sollte. Post von den Lieben aus anderen Kontinenten, dass man sich herausziehen sollte aus dem Leben. Öffentlichkeiten, Menschengruppen meiden, alleinstehendes Gepäck…ich fühle mich an die Zeit nach dem 11. September erinnert. Und ich will es nicht. Ich will das nicht. Ich beobachte die Regierungen, die Überwachungen, Sperrungen, Ausnahmezustände verordnen, Grenzen schließen wollen, obgleich sie doch wissen sollten, dass es nichts bringen wird. Hilflosigkeit.

Und ich überlege, wie man denn leben sollte in dieser Welt. Ich erinnere mich an die Ängste in den USA, wenn ein Flugzeug da flog, wo es nicht fliegen sollte, erinnere mich an papierkorblose Bahnhöfe, Misstrauen gegen alles, was anders war. Und ich will das nicht. Ich will nicht in dieser Welt leben, die von Angst regiert wird. Und es ist einer der Momente, in dem ich nach Israel schaue, etwas, was wir alle machen sollten.

Ja, dort stehen überall Wachleute, Taschen werden durchsucht, betritt man eine Mall, Soldaten sind auf Schulausflügen dabei. Aber, was dieses Land, diese Bevölkerung einfach nur in Sachen Leben leistet, daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Daran, dass man das Leben genießen soll, in vollen Zügen. Es kann viel zu schnell vorbei sein. Wir können lernen, dass man sich die Lebensfreude nicht nehmen lassen darf, dass man sie vielleicht auch etwas übertreibt. Aber das Leben gibt es eben nur ein Mal. Wer will es in Angst verbringen, im Rückzug, ohne Freuden? Uns geht es so gut hier und wir sehen es so oft nicht. Wir haben alles, wovon man träumen kann. Aber was wir wohl am meisten haben ist: Angst.

Wir können auch nach Israel sehen, um zu lernen, wie Kinder am besten damit umgehen lernen, wie man es ihnen erklärt, wie man mögliche Traumata reduziert, wie man eine Kindheit haben kann. Und schließlich haben wir eine noch größere Aufgabe übernommen, als unser kleines Selbst: wir müssen den Flüchtlingen und ihren Familien helfen über den erlebten Schrecken von Terror, Gewalt und Flucht hinweg zu kommen und mit ihnen Freiheit zu leben – ohne Angst.

Dagegen muss etwas getan werden. Gerade jetzt, da die Bedrohung so real zu sein scheint dürfen wir uns nicht zurückziehen, dürfen wir unsere Freiheit nicht einschränken lassen und uns auch nicht einschränken. Wer will schon am Ende seines Lebens denken, dass er nicht gelebt habe?

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