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Schweigen der Mauersegler

Es ist Abend in Berlin. Der Sommer, er macht noch immer Pause. Der Tag bestand aus gedruckten Seiten. Ich will die Mauersegler sehen, sie hören, wie sie sich vom Tag verabschieden, wie sie ihren Dienst an die Fledermäuse übergeben. Ich liebe diese Stunden. Sie sind Sommer für mich – auch, wenn es kalt ist. 

Ich lausche hinaus. Ich höre lachen. Es ist nicht das schöne klare Kinderlachen, dass ich Tags gelegentlich höre, vor Glück beschwippst nach einem Bad im Schiff. Es ist das laute schon aggressive Lachen, das Schimpfen, das Lallen der ewig betrunkenen Horden. Ich schaue hinunter. Wieder irgendein „Event“. Ich sehe auf gestylte Menschen, tiefe Ausschnitte an Brust und Po. Beobachte die vermeintlich heimliche Übergabe von Irgendwas. Ein Mann versteckt sein Rad im Gebüsch und weiß wohl nicht, dass er es uringewaschen wieder bekommen wird. Die Pfützen an Haus und auf der Straße trocknen heute besonders langsam. Selbst die Ratten, die man jetzt auch tags hier sieht scheinen sich vor den gelben Seen zu ekeln. 
Sie scheinen mir immer lauter zu werden, diese Menschen. Selbstverständlich entleeren sie ihre Blasen hier, wo Tags die Kinder Skateboard fahren. Es sind glattgespülte Menschen, mit vermutlich glattgespülten Jobs, jene. Nichts sieht bei ihnen nach Entspannung aus: jedes Haar wurde an seinen Platz gelegt, ihre Kleidung immer Uniform. Es fällt mir schwer, sie je unterscheiden zu müssen. 
Ich schaue wieder nach oben, in den Himmeln. Versuche die Mauersegler zu hören – übertönt vom Plätschern der Erleichterung. Es ist Sommer, es ist Berlin. Ich schließe die Fenster. Lasse es draußen, das hässliche Berlin. Hier vom Bett sehe ich nur noch die Mauersegler, doch ich höre sie nicht mehr. Der Sommer ist nur noch halb. 

1 kommentar

  1. Ulriek Ulriek

    ja, leider ziehen sie bald wieder von dannen. Drum erfreue ich mich an ihnen solange ich es kann. Ein Sommer ohne sie wäre möglich, aber sinnlos, weil: kein richtiger Sommer. Und das mit dem Lachen geht mir ähnlich; gerade heute im Bus wieder gehört und den Eindruck gehabt, es klingt so aufgesetzt.

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