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#6 Seitenwechsel

Nach dem ich gestern Schreibpause machte, soll es heute mit dem Thema Seitenwechsel weitergehen. Die Frage ist, fühle ich mich wohler vor oder hinter der Kamera? Wie fühlt es sich an, wenn jemand über mich schreibt?

Die erste Frage ist leicht zu beantworten: hinter der Kamera. Ich mag es nicht, fotografiert zu werden. Die einzig vernünftigen Bilder von mir stammen von einem Fotografen und auch der brauchte lang, bis ich mich einigermaßen entspannen konnte, da vor der Linse. Ich mache auch keine Selfies und es ist noch gar nicht lang her, dass überhaupt kein Bild von mir in den sozialen Medien zu finden war. Das änderte sich erst mit dem Gedanken, dass man vielleicht mit einem Gesicht vor Augen doch anders liest, als mit dem Gefühl, ein paar Granatäpfel haben da geschrieben. Es war zu unpersönlich. Hinter den Granatäpfeln allerdings fühlte ich mich auch wohler. So also habe ich immer eine Kamera in der Hand, fotografiere andere und anderes und fühle mich so auch geschützt. Es irritiert mich zudem sehr zu sehen, wie viele Menschen stets sich abbilden und veröffentlichen. Vielleicht aber bleibt uns bald keine Wahl mehr. In Sachen Panoramafreiheit scheint man demnächst wohl keine Sehenswürdigkeiten mehr ablichten zu dürfen. Straßenfotografie darf man aber auch nicht mehr so recht machen. In einer Welt, in der mehr fotografiert wird als je zuvor, darf man immer weniger fotografieren. Es ist absurd.
Und zum schreiben? Nach den Vortrag auf der re:publica durfte ich mit einigen Journalisten sprechen. Sie alle haben seht gut wiedergegeben, was ich gesagt habe. Danke nochmal dafür. Es war meine große Angst: nicht verstehen, was ich sage – oder eben nur hören wollen, was man hören will. So wie ein Christliches Magazin, das nicht mit mir sprach, dafür aber ziemlich schnell Schlagzeilen verkündete. Viel wichtiger aber als dieses professionelle schreiben aber sind mir die Leser, schon immer. Sie schreiben selten über mich, oder ich bemerke es nicht, sie schreiben aber mit mir, wir schreiben z.T. Emails und das ist mir wichtig. Lernen im Leben geht nur über Reflektion. Habe ich mich missverständlich ausgedrückt, so muss ich das korrigieren. Vieles ist mir selbstverständlich, was es nach außen nicht ist. Da bedarf es des Nachthakens. Und gleichzeitig wundere ich mich noch immer, dass das hier überhaupt gelesen wird, dass es Reaktionen hervorruft, überhaupt für andere interessant ist. Es ist noch immer mein Buch, in das ich schreibe, meine Gedanken und Gefühle im Moment des Schreibens. Es ist schwerer geworden, wirklich alles zu schreiben und zu allen Themen, seit ich aus der Anonymität herausgetreten bin. Vielleicht bin ich noch zu harmoniebedürftig. Ich überlege jetzt länger, Dinge anzusprechen. Falsch verstanden zu werden irritiert mich trotz allem sehr. Meist bitte ich, noch einmal zu lesen. Was aber immer bleiben wird ist, dass ich nicht schweigen werde, wenn ich etwa ungerecht finde, wenn ich auf etwas aufmerksam machen will. Dazu braucht es keine große Aufmerksamkeit. Manchmal reicht es doch, wenn man es einfach nur gesagt hat.
Und ganz eigentlich möchte ich nur Eines sagen: Danke. Danke fürs Lesen, fürs Inspirieren und Reflektieren.
Dieser Beitrag wurde in der NaBloPoMo-Reihe geschrieben, jeden Tag im Juli ein Post bloggen. Mehr dazu gibt es hier zulesen. #5 habe ich als Schreibpause mal ausgelassen.

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