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#18 Nebel

Du wachst auf, die Augen öffnen sich langsam. Nebel überm Feld, dieser Nebel am Sommermorgen, der sich schützend über die Wiesen legt. Der so viel verheißen kann. Der Kühle heißt und Versprechen auf den neuen Tag. Es ist dieser Nebel, der Hoffnung bringt auf einen glücklichen Tag. Auf Sommer, auf juchzende Kinder im Wasser, auf diese Stille…diese Sommerstille.

Du wachst auf und bist glücklich mit diesem Bild. Du hoffst, dass der Tag wirklich all das bringen wird, was er zu versprechen scheint. Hoffst, nach Tagen zwischen funktionieren und verzweifeln, endlich wieder leben zu dürfen. All die Bilder von den Seen, an denen Du schliefst, von den allzu frühen Morgen, an denen Du aufwachtest und die Wasser so still und so spiegelglatt waren und nur Du und die Vögel auf dem See das Bild teilten, sich durch den Morgennebel erhebend und all die Stille, die Ruhe aufsaugend, bevor das banale Leben wieder begann. Bevor Du um Dich herum Reißverschlüsse hörtest, erstes klapperndes Geschirr, das Klatschen der Badelatschen, die nun FlipFlops hießen. Diese Momente, die nur Minuten sein mussten. All das trägst Du in Dir. Es rettet Dich durch das Jahr. Und hier nun, mit halb geöffneten Augen ist es wieder da, mitten in der Stadt. Und es scheint so wunderschön.
Du denkst an all die Geschichten, die Dich mit dem Morgennebel verbinden, die Orte, das Gefühl des nassen Bodens unter Deinen nackten Füßen. Du lächelst. Die Geräusche geschäftiger Menschen dringen an Dein Ohr. Parkende Autos, das Piepen des rückwärts fahrenden Transporters. Du kommst wieder an im Stadtleben und schaust auf die Uhr. Es ist Nachmittag. Du hast geschlafen…der Nebel ist kein Morgennebel. Der Nebel ist menschengemacht….Schwaden von Qualm hoch steigend von den Grills im Park. Er ist wie ein Dach über den Bäumen, in den Bäumen. Er zieht hinüber, bleibt stehen. Bald schon wird sich wieder das Blaulicht in die Nacht mischen, Feuer löschen, Menschen ins Krankenhaus bringen und morgen früh, wenn der Morgennebel Wirklichkeit ist, werden andere Menschen die Spuren versuchen zu beseitigen. Sie räumen den Müll weg, den die Nebelmacher hinterließen.
Du stehst auf, machst Dir einen Kaffee und gehst zum Fenster. Du willst den Rauch nicht sehen, der kein Nebel ist, lieber den Himmel und die Möwen, Wirklichkeit. 
Dieser Beitrag wurde in der NaBloPoMo-Reihe geschrieben, jeden Tag im Juli ein Post bloggen. Mehr dazu gibt es hier zu lesen.

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