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Was bleibt sind die Friedhöfe

Urlaub. Endlich. Ein wenig herumfahren. Entdecken. Das geht auch in wenigen Tagen. Inzwischen im Burgenland angelangt, wo es mir scheint, als würde Piroschka gleich um die Ecke biegen. Ein kleines Paradies gefunden, um Ruhe zu finden. Umgeben von Weingütern, Feldern voller Mohn und Weizen und dem Flirren des Sommers.

Der erste Tag. Ein wenig herum fahren nur. Kurz runter zum Neusiedler See, den ehemaligen eisernen Vorhang entlang und glücklich sein, dass es all das nicht mehr braucht. Schilder machen auf Graugänsefamilien aufmerksam, die die Straße kreuzen könnten und neben einem landet ein Storch im Feld in geradezu majestätischer Ruhe. Schön ist es hier. Kleine Wege, Feldwege. Plötzlich ein Schild, etwas windschief: „Israelitischer Friedhof“. Wieder zurück den Weg. Die Mauer die unscheinbare. Das Tor ist verschlossen. Man müsse sich persönlich anmelden, um ihn zu betreten. Doch es geht auch so. Das Tor gibt die Sicht frei, die Mauer ist nicht zu hoch zum darüber schauen.

Der Friedhof gehört heute der Gemeinde Wien. Niemand wird hier mehr bestattet, schon lange nicht. Dabei hatte Frauenkirchen einst eine lebendige Gemeinde. Man muss etwas suchen, um herauszufinden, dass hier Juden, die in der Nachbargemeinde durch Husaren vertrieben wurden Unterschlupf fanden – und so auch den Ort zu Erblühen brachten.Hier dieses Dokument, erzählt über die lange Geschichte der Frauenkirch’ner Juden, die vertrieben wurden und von denen nur einer zurückkehrte. Der Friedhof wurde in den 90ern wieder hergerichtet. Die Gemeinde trägt jetzt die Verantwortung für die Pflege. Synagoge samt Mikwe sind verschwunden. Und mit ihnen auch das jüdische Leben. Was bleibt ist der Friedhof. Er zeugt hier, wie anderenorts vom Leben, dem ganz normalen Leben von Juden und Christen zusammen in den Dörfern, Städten und Gemeinden. Und so liest man als Berliner Tourist über die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frauenkirchen – etwas, dass ich sonst wohl nie getan hätte, hätte ich doch sonst nichts davon erfahren.

Ein Buch gibt es übrigens auch zur langen Geschichte der Gemeinde.

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