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Das sollte eine Buchbetrachtung werden – und dann kam Kopenhagen


Eigentlich wollte ich über dieses kleine, nicht mehr ganz so neue Büchlein schreiben, doch dann kam Kopenhagen. Gerade beendete ich die Geschichte, von Motty, der eines Morgens nicht im Körper den 18jährigen Talmudschülers, auch nicht als Kakerlake, sondern als ziemlich durchschnittlicher Bauarbeiter aufwacht…ich las davon, wie er ausgeschlossen wurde, weil sein Äußeres nicht mehr passte zu seiner Welt. Ich las weiter, jetzt erst recht. Dieses kleine Buch, was ich mir ganz ehrlich in einer Laune allein wegen des Covers kaufte (mein Hunde hatte einen ähnlichen Spielzeugknochen – ich sollte noch mal über jüdische Haustierausstattungen schreiben) hat mir so viel Freude bereitet. Seine Geschichten, von Zynismus aber auch von viel Gefühl und Nachdenklichkeit getragen, brachten viele Schmunzeleien und Lachen in meine Tage. 

Beim Lesen dachte ich schon, dass es manch einem gar nicht gefallen mag, was Auslander da schreibt. Aber es muss ja nicht jedem gefallen. Dann las ich einige Kritiken, die von Blasphemie sprachen, davon, dass man das Buch auf „eigenes Risiko“ lesen soll. Und ich wunderte mich sehr. Ich wunderte mich. Blasphemie…Leider war nicht zu entnehmen, welch Geistes Kind der Schreiber war – dennoch erschreckte es mich. Blasphemie, ein Wort, das wir immer häufiger hören und das die Macht hat, soviel zu zerstören. Leben zu zerstören. Wie wir es heute wieder erleben mussten. Nur etwas mehr als einen Monat nach Paris schießen zwei Personen auf Besucher einer Diskussion zu Meinungsfreiheit und – ja, Blasphemie. Ein Mensch musste mit seinem Leben damit bezahlen. 

Ich kann und werde nicht verstehen, warum Menschen deshalb andere Menschen töten. Humor ist und gegeben, damit wir ihn nutzen und er unserem Leben etwas Licht bringt. Humor muss man nicht immer verstehen. Jeder ist anders. Der eine mag es flach, der andere englisch, der nächste anzüglich – ich übrigens sehr gern zynisch. 
Was man nicht mag, muss man sich doch auch nicht zu Gemüte führen. Man kann das Buch zuschlagen, den Fernseher umschalten – man kann alles machen, um sich dem, dem man empfindsam gegenüber ist zu entziehen. Nur MORDEN? 
Auslanders „Vorsicht, bissiger Gott“ ist bisweilen nichts für sanfte Gemüter. So halte ich das Kapitel „Holocaust-Tipps für Kidz“ nicht komplett aus der Luft gegriffen, im Gegenteil, es spricht vom Leben, unserem Leben. Auch die „Sensationelle Offenbarungen aus dem verschollenen Buch Stan“ regen zum Nachdenken an und ja, „Guckt nicht so verquält, ihr seid doch auserwählt“.
All das heute dank der äußeren Umstände nicht mehr frei in den Gedanken lesen zu können, sondern stets daran denken zu müssen, dass dieses Buch ganz anderes auslösen würde, wäre es nicht über Juden (und von einem Juden) geschrieben macht mir Angst. Was geht eigentlich vor, dass sich einzelne berufen fühlen, sich als Beschützer von irgendetwas aufzuspielen, von dem sie nie gebeten worden. Was geht in den Menschen vor, sich derart in ihrer Wichtigkeit aufzuspielen und dafür andere Menschen zu ermorden und zu verletzten. Wenn einem etwas nicht passt, geht man. Das lernen schon kleine Kinder, man schlägt eben nicht mit der Schaufel das Gegenüber im Sandkasten, um es dann Jahre später zu erschießen. 
Und nicht nur in diesen Situationen, aber dann erst Recht wünschte ich, es stimmte, doch keiner weiß es: 

„Gott ist ein großes, glückliches Huhn“

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