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Alle Juden nach Israel (?)

Die Reaktionen auf den jüngsten Aufruf Benjamin Netanjahus, alle Juden mögen nach Israel auswandern, reichten von Empörung, bis zu Bitten zu bleiben.

Mich wundert das einigermaßen. Warum? Ganz einfach, diese Aufrufe Natanjahus kommen mit schöner Regelmäßigkeit. Als nicht israelischer Jude kann man das nett empfinden, an Fürsorge denken oder einfach auch nur entnervt bis gelangweilt sein. Ganz offensichtlich aber, und so wage ich zu unterstellen, ist die „Massenauswanderung“ der französischen Juden nicht nur in den letzten Monaten doch einigen Regierungsoberen zu denken gegeben. Ja, das kann passieren, ja, wir haben Israel als Hafen – zum Glück. Im Notfall wissen wir wohin. Wir wissen, dass wir nicht die Odyseen oder eben auch Ausweglosigkeiten unserer europäischen Ahnen auf uns nehmen müssten, sollte es tatsächlich wieder soweit kommen fliehen zu müssen. Aber ist das jetzt der Fall?
Einige meiner Freunde sind aus den verschiedensten Gründen ausgewandert. Niemand, weil er Angst hatte. Sie fanden dort ihre Liebe, besseres Wetter, waren überzeugt vom Staat oder fühlten sich ganz einfach vom ersten Tag an zu hause. Es war ihre Wahl. Und sollte es nicht so sein, jetzt im Moment? Dass ich nach Israel ziehe, weil es das Land meiner Träume ist, weil ich dort besser leben kann, als ich es sonst wo auf der Welt meine zu können?
Wenn wir nach Israel auswandern, wandern wir hoch, wandern Israelis aus, steigen sie auf der Leiter herunter. Nichts anderes heißt das Wörtchen Aliyah – und manch einer glaubt wirklich daran. So dann eben auch der Blick an uns, die wir nicht aufsteigen wollen, die wir in unseren Heimatländern zuhause sind. Ich unterstelle Netanjahu abgesehen vom Wahlkampf, auch diese Sicht.

Vielleicht ist man sich jetzt bewusst, wie fragil auch das hier Leben der europäischen Juden ist, wie schnell sie weg sein könnten, jetzt, da sie weg können. Vielleicht aber überlegt man auch in Zukunft, dass diese Aufrufe nicht nur von israelischer Seite kommen…sie kommen auch aus ganz anderen Mündern und fordern uns auf zu gehen. Sollen wir erst darauf hören, bis sich etwas regt?

Wie dem auch sei. Ich bleibe. Aber ich bleibe mit der Gewissheit, dass ich einen Ausweg habe, zur Not, wenn nichts mehr geht. Und das ist auch gut. Derweil bin ich das was ich bin, eine Deutsche die seltsam andere Feiertage und vielleicht auch eine andere Familiengeschichte hat als der Durchschnitt. Mehr aber auch nicht. Und Durchschnitt – wer ist schon Durchschnitt.

1 kommentar

  1. Quetch-on Quetch-on

    Ach ja, bibi ist einfach dafür bekannt, dass er nach Möglichkeit alles für seine persönliche Promotion benutzt… Ausserdem täte etwas aliyah aus Frankreich seinem Land sicher gut, also spielt er in solchen Situationen seinen Werbespot ab…

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