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„Best Blog“ – Blogstöckchen

 http://www.jmberlin.de/blog/2014/08/best-blog-blogstoeckchen/

Und auf einmal wird man vom JMB mit einem Tweet bedacht. Was war da los?

Museumsmenschen sind immer irgendwie miteinander verknüpft. Nicht anders als andere Berufsgruppen. Seit soziale Medien sogar in Museen Einzug gehalten haben, sogar noch mehr. Was das für Museen und ihre Besucher, denn das sind wir Museumsmitarbeiter ja auch immer wieder, heißen kann, wäre Stoff für einen neuen Beitrag.

So bin ich wohl zweierlei bei diesem Stöckchen. Die Museums- und jüdische Bloggerin. Danke an das JMB, dass sie bei diesem Stöckchen auch die Grenzen vom professionellen Museumsblog überschritten haben, ich werde es auch in andere Richtungen weiterreichen, da offensichtlich schon (fast?) alle Museumsblogs und -blogger durch sind. Jetzt aber endlich zu den Fragen:  

Warum bloggt ihr?

Ich habe die Antwort noch immer in meinem Profil. Ich war
schon immer, seit ich den Weg zu meinen Wurzeln ging, eine liberale Jüdin. Das war (und ist auch noch) nicht immer
selbstverständlich. Zwar ist es in Berlin inzwischen eher geduldet als
akzeptiert, dass es nicht nur eine Kantorin, sondern auch eine
Rabbinerin gibt, dennoch erscheint mir die Vielfalt innerhalb der
Gemeinde noch geringer als sie außerhalb glücklicherweise inzwischen
sein kann. Ich sah durch Chajms Blog aber, dass es Bewegung gab in Deutschland. Er inspirierte mich zum Schreiben. Tut es noch heute. Er hat in meinen Augen den Weg für die deutsch-jüdischen Blogger geebnet. Ich nenne ihn – und er weiß es (noch) nicht den Vater der jüdischen Blogger in Deutschland. Danke Chajm, auch für Deinen Rat an jeder Stelle.

Vor sechs Jahren, als ich mit dem Bloggen anfing, wurde ich hier in Berlin noch sehr misstrauisch
betrachtet. Wenn ich sagte, dass ich in die Synagoge Oranienburger
Straße ging, erntete ich gewöhnlich unfreundliche Blicke und war für das
(jüdische) Gegenüber oft nicht jüdisch genug. So entstand letztlich
auch der Titel für diesen Blog. Unsägliche Dinge gingen dort vor, man habe ja eine Kantorin. Skandal, Unerhörtheit, geht ja gar nicht. Meine Frage, warum nicht, ist übrigens nie beantwortet worden. Ein „das war schon immer so“ lasse ich nicht gelten.

Inzwischen hat sich diese Sicht von außen geändert.
Die Synagoge in der Oranienburger Straße ist weiter egalitär, ihr
G’ttesdienst ist inzwischen konservativ. Heute gehen Menschen dahin, die
mich damals noch verurteilten. Es ist heute nicht mehr „meine“
Synagoge. Ich freue mich aber, dass sie gewachsen ist und das Thema Frau
oder Mann als Rabbiner offensichtlich inzwischen in Berlin nicht mehr
prioritär ist.
Mit dem Blog wollte ich zeigen, dass es auch das
Andere gibt. Dass wir Liberalen/ Reformer nicht weniger jüdisch sind,
nicht weniger gläubig oder irgendwas. Vielleicht hinterfragen wir mehr.
Ich weiß es nicht. Ich kann mich nur in einem Umfeld wohlfühlen, in dem das auch erlaubt ist.

Gibt es einem Anlass, der zu erstem Blogpost geführt hat, eine Geschichte, die Ihr mit ihm verbindet?
Mein erster Blogpost, ich habe gerade nachgesehen, war kurz und sagt eigentlich nicht viel und irgendwie doch alles:

Sowas
mache ich nicht, ich muß mich doch nicht der Außenwelt mitteilen –
oder vielleicht doch? Nun, so viele Gedanken gehen umher, wollen
festgehalten werden. Nun soll es also beginnen – das Projekt des
Gedankenfangens. Ich bin gespannt, wohin es mich bringt.

Einen konkreten Anlass gab es nicht. Ich habe es einfach mal versucht. Dass ich je wahrgenommen werde, hatte ich nie vermutet.

Gebt Ihr Eure Texte vor der Veröffentlichung noch jemandem zu lesen?
Nein, im Gegenteil, ich schreibe meist aus einer Emotion heraus. Das merkt man, wie ich finde oft in meinen Texten – und sei es nur, dass
sie durch meine Aufgewühltheit vor Rechtschreibfehlern strotzen.
Allerdings habe ich hier jetzt doch mehr Zeit rein gesteckt, umsortiert und korrigiert.


Wie sieht das Zusammenspiel zwischen Eurem Blog und Euren Aktivitäten in den sozialen Netzwerken aus?
Irgendwann habe ich mit Twitter angefangen, Instagram, Eyeem, Flickr, Pinterest, tumblr…alles dabei. Wie so ein richtiger Netzmensch. Es ging um andere Themen, ausprobieren. Ich liebe Twitter, dort bin ich spontan, und erfahre mehr als es jeder Nachrichtenkanal bieten kann und bin in direkterem Kontakt. Sogar Freundschaften entstanden und entstehen dort.
Hier im Blog finden meine Gedanken Platz, hier wird im Schreiben geordnet, was mich bewegt. Hier ist mehr Ruhe, dafür liebe ich meinen Blog auch (wieder).

Habt Ihr einen festen Kreis an Leserinnen und Lesern und kennt diese?
Ja, gerade die deutschsprachigen jüdisches Blogger sind gut vernetzt, wie ich finde. Wir lesen uns gegenseitig, stehen einander zur Seite, wenn es sein muss und treffen uns auch manchmal in der Realität. Mit den Jahren gab es viele tolle jüdische Blogs, manche sind inzwischen eingeschlafen, was sehr schade ist. Das Lesen lohnt sich aber dennoch noch immer.


Gibt es ein Thema oder ein Anliegen, das Euch besonders am Herzen liegt und das Ihr mit Eurem Blog verfolgt?
Ursprünglich ging es schon nur um ein „jüdisches Leben in Berlin und anderswo“. Mit den Jahren hat es sich geändert. Ich habe gezweifelt, wollte die Seite einstellen, weil meine Themen inzwischen doch andere waren. Ich wechselte die Plattform, die Themen. Irgendwann kehrte ich dann doch wieder hierher zurück. All das „Nichtjüdische“ hier gehört ja schließlich auch zu mir, zu meinem Leben. Irgendwie Jüdisch.


Wo schreibt Ihr Eure Texte? Im Büro, zuhause, am Schreibtisch, auf dem Sofa, im Café …?
Wenn ich etwas schreiben will, kreisen meine Gedanken immer schon eine Weile um das Thema und formulieren sich im Kopf. Ich habe aber auch immer ein Notizbuch bei mir, in das ich Texte schreibe. Manches landet hier, anderes wieder nicht. Ich schreibe überall, so ich meinen Rechner dabei habe, im Bett, im Zug, am Schreibtisch, im Café, am Strand…


Wie vernetzt Ihr Euch mit anderen Bloggerinnen und Bloggern?
Es gibt einen inzwischen in die Jahre gekommenen Webring jüdischer Blogger. Ein Blick lohnt sich dennoch. Dort findet man auch all jene Blogs, die inzwischen ein Schläfchen machen. Die Blogrolls der Schreibkollegen bergen auch immer wieder tolle Überraschungen.

Was war das aufregendste Ereignis, das Ihr mit Eurem Blog verbindet?
Dass ich nach den Jahren auf dem Blog des Jüdischen Museums auftauche vielleicht? Das hat mich sehr gefreut.

Wirklich aufregend allerdings war erst vor kurzem ein sehr emotionaler Beitrag meinerseits, der dann von Dr. Kissler, den ich übrigens via Twitter kenne und sehr schätze, hier zitiert wurde. Plötzlich schossen die Leserzahlen hoch und ich brauchte etwas, herauszufinden, was da los war. Ich habe für diesen Beitrag überraschend viel positive Resonanz bekommen. Allerdings auch den ersten zutiefst antisemitischen Kommentar. Ich habe ihn nicht veröffentlicht und er wird, hoffentlich Folgen haben. Persönlich direkt angegriffen zu werden geht wesentlich tiefer, als es die täglichen Dinge tun. Man ist abgehärtet – leider.
Wichtiger aber sind mir die Reaktionen gewesen, dass man diese Sicht, wie ich sie schrieb, bisher nicht gesehen hatte in der aktuellen Diskussion. Das zeigte mir, dass ich doch etwas bewegen kann und irgendwie war es doch das, was ich einst mit dieser Seite bewegen wollte. Es gibt kein Schwarz und Weiß, es sind die Schattierungen dazwischen, die einfach zu selten gesehen werden. 


Was war Euer Medium, bevor Ihr anfingt zu bloggen? Das persönliche Gespräch, das Tagebuch, der Leserbrief, die Demo, Artikel in Zeitungen und Zeitschriften?
Ich war immer sehr zurückhaltend. Das Internet ist für mich, wie für viele Menschen, ein Geschenk, da es eine Stimme geben kann. Auch, wenn man zu scheu zum Reden ist. Ich habe mich mit den Jahren, wie auch mein Blog geändert. Ich stehe noch immer nicht gern vorn, vor allen Leuten, nur bin ich inzwischen nicht mehr anonym. Auch das hat zwei Seiten. Allerdings lernte ich auch durch diesen Blog, dass ich nicht so allein stehe mit meinen Gedanken. Das gibt Mut und Selbstvertrauen.

Meint Ihr, dass es Euren Blog auch noch in 5 Jahren geben wird? Und wenn nicht, was sonst?
Hmm, vor einem Jahr hätte ich vielleicht gesagt, nein. Inzwischen aber, mit allem hoch und runter, denke ich doch ja. Der Titel bleibt. Es rücken inzwischen mehr Museumsthemen in den Mittelpunkt, da das Museum weiter mein Leben bestimmt und ich zeigen möchte, dass wir Museumsmenschen eben keine staubtrockenen Inventarisierer von noch staubigerem Archivgut sind, das sowieso niemand sehen will. Die Museumswelt ist agil und bunt und auch in Deutschland ausgesprochen lebendig. Gerade bei den kleinen Museen gibt es viel zu entdecken. Sie sind gezwungen, andere Wege zu gehen, da sie sich auch ohne großes Werbebudget Aufmerksamkeit suchen müssen. Ich finde diesen Prozess ausgesprochen spannend.
Auch das jüdische Leben ändert sich in Berlin mehr und mehr. Es bildet sich mehr Buntheit außerhalb der Gemeinde. Es bleibt spannend und bestimmt gibt es immer wieder etwas zu berichten.

Und weiter geht das Stöckchen. Nicht mehr nur an Museen und Archive, es sind ja offensichtlich eh schon alle durch. Falls schon woanders aufgetaucht, bitte ich die Dopplung zu entschuldigen. 


Meine Fragen an Euch, weil die von Mirjam und Mirjam schon perfekt sind: 

  1. Warum bloggt ihr?
  2. Gibt es einem Anlass, der zu erstem Blogpost geführt hat, eine Geschichte, die Ihr mit ihm verbindet?
  3. Gebt Ihr Eure Texte vor der Veröffentlichung noch jemandem zu lesen?
  4. Wie sieht das Zusammenspiel zwischen Eurem Blog und Euren Aktivitäten in den sozialen Netzwerken aus?
  5. Habt Ihr einen festen Kreis an Leserinnen und Lesern und kennt diese?
  6. Gibt es ein Thema oder ein Anliegen, das Euch besonders am Herzen liegt und das Ihr mit Eurem Blog verfolgt?
  7. Wo schreibt Ihr Eure Texte? Im Büro, zuhause, am Schreibtisch, auf dem Sofa, im Café …?
  8. Wie vernetzt Ihr Euch mit anderen Bloggerinnen und Bloggern?
  9. Was war das aufregendste Ereignis, das Ihr mit Eurem Blog verbindet?
  10. Was war Euer Medium, bevor Ihr anfingt zu bloggen? Das persönliche
    Gespräch, das Tagebuch, der Leserbrief, die Demo, Artikel in Zeitungen
    und Zeitschriften?
  11. Meint Ihr, dass es Euren Blog auch noch in 5 Jahren geben wird? Und wenn nicht, was sonst?

kultur und kunst – aus Leidenschaft // @wwecker

Und die schon beschwärmte noch aktive „jüdische Fraktion“:

Fragmente – aus dem Alltag einer bibliomanen Mutter in Israel // @hadassale
Giur, Israel, Volontariate und mehr
Letters from Rungholt 

1 kommentar

  1. Sternenkuckerin Sternenkuckerin

    Hallo!
    Ich bin von @hadassale / Fragmente hier herüber gehüpft, weil sie mir das Blogstöckchen weiter gereicht hat – und natürlich schaute ich dann auch hier vorbei, weil ich neugierig bin!
    Nun habe ich eine Frage: Wo finde ich denn Dein Profil?
    Du schreibst ganz oben auf die Frage „warum bloggst Du?“
    „Ich habe die Antwort noch immer in meinem Profil. “
    Meintest Du damit, dass Du noch eins hast, wo mehr drin steht?

    Spannend, ansonsten.
    Werde sicher öfter mal hier lesen kommen!

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