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Das geänderte Leben

Neben allem, was dieser Tage auf der Welt passiert, lebt sich das Leben weiter. Geplante Dinge sind nun Realität geworden und ich muss mich an sie gewöhnen, freue mich aber unendlich darauf.

Zum Einen habe ich mich entschlossen, meine Nebenjobs aufzugeben. Das Geld ist zwar knapp, doch nach nun mehr 13 Jahren ohne Wochenenden, mit durchschnittlichen 12 Stunden Tagen ohne Managergehalt kann ich nicht mehr. Das Leben ist vorbeigerauscht. Ich habe funktioniert und das Leben an sich doch zu oft vergessen müssen.

Nun also plötzlich Feierabend? Nun plötzlich Wochenenden? Nun plötzlich Urlaub länger als ein paar Tage? Ja, ich habe Glück. Anderen Kollegen – oder besser nun ehemaligen Kollegen, Freunden geht es nicht so gut. Auch mit weit über dreißig müssen sie für 8 €/ Stunde Jobs machen, um zu überleben. Trotz Hochschulbildung, trotz großartiger Qualifikationen. Es ist eben nicht alles Gold was glänzt und in Berlin schon gar nicht.

Was fange ich nun also mit der frei gewordenen Zeit an? Sie ist schon verplant. Doch nun eben hoffentlich nicht mehr im Vorbeirauschen, sondern mit Muße, mit Zeit und Interesse. Vor zwei Jahren habe ich aus Interesse wieder ein Studium begonnen. Futter für den Kopf, wie ich es nenne. Ich brauche das, ich kann nicht ohne. Viel zu wenig Zeit blieb dafür und viel zu viel Spannung. Eigentlich ist das der Hauptgrund, warum ich jetzt nur noch meinen Hauptjob mache. Das Studium ist zu spannend und ich will weiter machen. Ich kehre zurück zu meinen Kindheitsinteressen, alte Geschichte. Sie ist eben doch die lang verschüttete Leidenschaft. Sie wird nun im wahrsten Sinne ausgegraben und ich fühle mich aufblühen. An der Uni ist man offen genug, uns Studenten unsere Arbeitsthemen nicht vorzugeben, wir müssen und sollen sie uns selbst erdenken. Was für Menschen wie mich, die eigentlich nur gut in ihren Leidenschaften arbeiten können, wunderbar ist. Tief eintauchen in ein einziges Thema ist so möglich – gleich von Beginn an. Mein Thema für die nächste Prüfung kristallisiert sich allmählich. Ich werde es noch mit dem Dozenten absprechen, ob es so ginge und dann vielleicht das eine oder andere hierzu hier schreiben.

Ich habe mich außerdem an einer Lateinschule angemeldet, die auch Fernkurse macht und eine andere Didaktik verfolgt als das übliche Grammatikpauken. Nächste Woche sollten schon die Materialien eintreffen und ich freue mich darauf.

Ich habe den Eindruck, schon nach so wenigen Tagen ohne Überarbeitung kehrt das alte, neugierige Ich zurück. Das Ich, das lernen will, neugierig ist, abtauchen kann in alte Welten, das soviel mehr braucht als die tägliche Oberflächlichkeit und so seinen Ausgleich findet.

Und nein, ich werde nicht nur über Büchern sitzen, ich will auch wieder raus – mit dem Rad durch Brandenburg. Ich freue mich auf dieses neue Leben. Ich bin dankbar, dass ich es probieren darf und ich wünschte, mehr Menschen hätten solch eine Wahl oder wüssten die Möglichkeit der Wahl zu schätzen.

Es geht mir gut. 

2 Comments

  1. NOA NOA

    Ach das freut mich total fuer dich, Juna. Ich habe das NIE nachvollziehen koennen, weil ich das einfach nicht schaffe, so ohne Wochenenden. Puh.. ich wuerde verrueckt und wuerde zusammenbrechen. Aber ich bin ja auch viiiel aelter als du. Daran wird es wohl liegen. Obwohl ich mich an keine Zeit erinnern kann, in der ich staendig Wochenende arbeiten musste.
    also herzlichen Glueckwunsch zu der neuen Freiheit/Freizeit.
    Ich wollte dir noch was schicken, zum Lesen

    http://honestlyconcerned.info/2014/08/12/ein-persoenlicher-erfahrungbericht-von-einem-selbstversuch-in-berlin-neukoelln-beschimpft-bespuckt-bedroht-du-bist-tot/

    gruss aus Jerusalem

  2. Danke, liebe Noa. Nein, ich glaube, das kann sich so oder so niemand vorstellen. Und egal in welchem Alter, es ist nie gut und so viele Menschen müssen es machen, um sich über Wasser zu halten.

    Danke auch für den Link. Der geisterte schon durch die sozialen Medien 😉

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