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Eine Fahrt durch das Land

Wieder sitze ich im Zug, einmal durch Deutschland. Die Felder gleiten vorbei, grün, sonnenblumengetupft, gelb gemäht. Der Morgennebel legte sich. Einzelne Rehe beim reichen Picknick.

Es ist ein reiches schönes Land. Und doch wundert mich die Unzufriedenheit der Menschen. Ist es tatsächlich so schwer geworden dankbar zu sein, für das, was wir hier haben? Fast scheint es, als müsse man all das, weil es doch im Überfluss zu sein scheint, niederreden. Warum gelingt es so wenigen zu sagen, ja, wir haben viel, also lasst uns geben? Warum sehen die Menschen nur ihre eigene kleine Perspektive, unwillig, einmal den Turm zu erklimmen und von oben auf all das zu schauen?

Die Oberflächlichkeit scheint die Oberhand zu gewinnen. Die Sorge um den Nachbarn nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Die Menschen sterben einsam und Schwächere werden gedemütigt. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, wie man glücklich wird in der Selbsterhöhung, man ausgeglichen sei in der Verletzung anderer.

Es ist wohl der Preis eines langen Friedens, der Preis unvergleichlichem Wohlstands und der Preis der Erziehung, in der es nur um den Einzelnen geht. „Ich bin nur mir selbst verpflichtet.“ ist ein Satz, den ich öfter höre. Ein Satz, der nur einsam machen kann.

Was also spricht dagegen, Gelassenheit zu üben? Was spricht dagegen, vielleicht nicht den superhippen Job zu haben, dafür aber erfüllt zu sein? Was spricht dagegen, die Leistung anderer zu achten, als sie niederzutreten? Was spricht dagegen, nicht mehr nach dem Haar in der Suppe zu suchen?

So fahre ich durch dieses Land. Für kurze Momente mit dem Blick nach draußen, die Welt wie sie ist vergessend, Ruhe findend. Dann doch werden die Gedanken zurückgezogen. Zu all den sinnlosen Toten, dem Schmerz und dem Unglück, das sich doch gerade zu mehren scheint. Und ich weiß, die Menschen lernen nicht. Nicht aus den vergangenen Kriegen, nicht aus den jetzigen. Sie werden sich immer töten, sich hassen, sich vertreiben.

Wenn ich hinaus sehe auf die vorbeiziehende Welt, wäre ich gern einer dieser einsamen Bäume…irgendwo da draußen. Frei wachsend nach allen Seiten. Nicht eingeengt durch Mauern und andere Bäume, ungefährdet der Fällung. Einfach nur nicht denken müssen, nicht den Schmerz sehen, nur die Schönheit dieser Welt, die erst Schlagzeilen braucht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei ist doch gerade die Ruhe und der Reichtum das, was uns macht. Wir haben Chancen und Möglichkeiten, wie keine Generation vor uns. Doch wir nutzen sie nicht. Wir sehen nicht.

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