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Die Mesusa meiner Mutter

Gestern war irgendetwas anders, als ich meine Mutter besuchte. Am dunklen hohen Türrahmen ihrer Wohnung fehlte etwas: ihre Mesusa. Sie sah offensichtlich, dass ich kurz stutze. Sie ist nicht religiös. Die Mesusot allerdings waren ihr immer wichtig. 
Sie erklärte, sie hat sie entfernt, da im Haus eine Wohnung frei sei und man „merkwürdige Leute“ gesehen hatte, die sich die Wohnung ansahen. Und auch überhaupt waren dadurch zu viele Fremde im Haus. Sie will nun abwarten, wer die Wohnung bekommen wird. Auch den Nachbarn grusele es schon beim Gedanken an die potentiellen Nachbarn, die gesichtet wurden.  
Auch in der Wohnung selbst waren sie weg. In letzter Zeit mussten einige Handwerker empfangen werden – man wisse ja nie. 
Viele, die ich kenne, haben ihre Mesusa, wenn überhaupt, im inneren Rahmen der Eingangstür. Andererseits machte ich auch die Erfahrung, dass nur die Wenigsten überhaupt wissen, was das überhaupt ist. Oft reicht die Erklärung, dass es sowas wie ein Glückbringer für die Wohnung sei. 
Der Glücksbringer an der Wohnung meiner Mutter ist für den Moment weg. Ob sie wieder aus der Schublade kommt. Wir werden sehen. Dennoch, ein denkwürdiges Zeichen. 

5 Comments

  1. Lea Lea

    Ich kann mir unter "merkwürdige Leute" nichts vorstellen. Hat sie genaueres gesagt?

    • Optisch der rechten Szene zuzuordnen.

    • Lea Lea

      Na toll ;( Wenn man in einer Mietwohnung wohnt, hat man nunmal direkte Nachbarn, die man sich nicht aussuchen kann. Doch sollte man ja wenigstens in seinem eigenen Heim einigermassen sicher fühlen. Daher kann ich nur raten, Nachbarn persönlich kennenzulernen, so dass man eine starke Gemeinschaft bildet und im Falle eines Angriffs (schlimmstenfalls) wenigstens nicht allein ist bzw. nicht ständig Angst haben muss. Leichter gesagt als getan, ich weiß 😉

    • Es ist eine gute Hausgemeinschaft dort. Deshalb sorgen sich ja auch die anderen Nachbarn darum, was da jetzt wohl als nächstes kommt.

  2. Anonym Anonym

    Ich sehe das irgendwie als Fortsetzung zu "Ein paar Worte zum Thema Angst" und "Und das Land schweigt". Angst allüberall. Irgendwie noch mehr beängstigend.
    Dabei haben Sie, Juna, einen Vorteil: Sie können Ihre Angst irgendwie in Worte bannen. Ich die meine nicht. Sie ist ungreifbar, aber immer da.

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