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Koscher ohne Zertifikat – eine kleine Revolution in Jerusalem

Fast mutet es schon wie eine kleine Revolution an. Restaurants in Jerusalem verzichten auf ihr Koscherzertifikat – aus verschiedenen Gründen, wie sich bald herausstellt. Dennoch, sie organisieren sich selbst, überwachen sich gegenseitig und machen sich so unabhängig vom allgegenwärtigen Rabbinat und ihren Maschgichim (Koscherüberwacher, platt gesagt).

Wie Globes berichtet ist es nur ein Teil eines Problems in einer Stadt, in der man am Schabbat keine geöffneten koscheren Restaurants finden wird. Und genau hier ist schon die Crux der Sache: Wenn es am Schabbat gekocht wurde, so wurde das Schabbatgesetz nicht eingehalten und damit ist es nicht koscher – so zumindest die Aussage des Rabbinats. Dass es allerdings in Tel Aviv Restaurants gibt, in denen man mit Gutscheinen zahlt, damit man das Verbot des Geldnutzens umgeht ist wieder eine andere Frage. Die Restaurants sind koscher, nur eben vom Tel Aviver Rabbinat abgesegnet. Zwei Juden drei Meinungen.
Man kann es auslegen, wie man will und die Rabbiner werden je nach Bedarf Regelungen finden. Liest man aber den Artikel, geht es gar nicht darum, sondern um die doch recht willkürlich anmutende Arbeitsweise der Koscherwächter in den Jerusalemer Restaurant.

Die Koscherwächter müssen dafür von den Restaurants selbst angestellt werden und sollen im Durchschnitt drei Mal zwei Stunden in den Restaurants arbeiten, was sie aber, glaubt man den Berichten nie tun. Sie kommen zum Geldkassieren, Belege für die Steuer der Restaurantbesitzer verweigern sie immer mit dem Hinweis, dass man ja so sein Zertifikat aufs Spiel setzt. Das Rabbinat zieht sich aus der Verantwortung, da sie ja nicht die Arbeitgeber seien, sondern allein die Restaurants und man sich dennoch an die Weisungsbefugten wenden möge, so man Beschwerden hätte. Diese sind wiederum durch das Justizministerium (!) berechtigt, ihre Arbeit zu tun. Man denke sich seinen Teil dazu.

Ein Italienisches Restaurant verlor sein Zertifikat, da der Besitzer sich weigerte, speziellen hochpreisigen Salat zu verwenden, der unter enormen Kosten- und Pestizitaufwand gezüchtet wird, um die Angst vor Würmern und Insekten im Salat zu vermeiden. Die Gesundheitsschädigung durch die Pestizide scheint seltsamerweise keine Rolle zu spielen.

Ich selbst denke an einen kleinen Film, in dem ein deutscher oder schweizer Maschgiach, ich weiß es nicht mehr, in einer Küche stand und jedes Salatblatt kontrollierte, er schmunzelte selbst dabei, als man ihn ungläubig fragte, ob das seine Arbeit sei. Ja, das ist sie.
So sollte die Arbeit des Maschgiach eigentlich sein, selbst kontrollieren oder aber beaufsichtigen, wenn es denn wirklich streng koscher zugeht. Doch beim Stundenlohn in Israel kann sich das kein Restaurant leisten, einen Vollzeitmaschgiach einzustellen.

Den Salat zu waschen, wie es vermutlich jede ordentlich jüdische Hausfrau gelernt hat, lässt das Rabbinat weiterhin nicht gelten. Man besteht auf dem teuren Salat. Dass Würmer und Käfer im Salat auch so nicht sonderlich gern gegessen werden, steht auf einem anderen Blatt.

Wie dem auch sei, letztlich sind es mehrere Punkte, die offensichtlich selbst in Jerusalem jetzt zuviel sind. Das Oberrabbinate berichtet zwar, dass sie alles transparenter machen wollen, auf ihre Maschgichim aufpassen scheinen sie weiter nicht zu wollen.

Ich kann mir gut vorstellen, wie das von außen betrachtet wirkt.
Wünschen wir also der kleinen Initiative Glück. Die offiziellen Stellen scheinen offensichtlich immer weniger vertrauenswürdig. Schade nur für jene, die danach leben und denen es immer schwerer gemacht wird – nicht nur in Frankfurt, auch in Israel.

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