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Arroganz der Mehrheitsgesellschaften

Ja, der Titel mag hart gewählt sein, nur fehlt mir ein anderes Wort. Dieser Text entstand neulich, als (wieder) mal an Schabbatbeginn eine Sitzung einberufen wurde. Nun bin ich ja bekanntlich nicht sehr hart in diesen Dingen, doch irgendetwas löste es aus. Ein wenig Feingefühl erwarte ich doch. Niemand würde schließlich auf die Idee kommen, Karfreitag Sitzungen anzuberaumen, wo kämen wir denn. Da hin?So erinnere ich mich damals, als ich im Jüdischen Museum Berlin arbeitete, ganz am Anfang, als alles im Entstehen war, wurden wir zu einer Kommunikationsschulung verdonnert. Und wann? Klar, Jom Kippur, da wäre das Museum ja schließlich zu und wir hätten frei. Das blieb kein Einzelfall. Nach einigem Rumoren “durften” die Juden unter uns dann einen anderen Termin bekommen. Das gleiche Spiel an Ostern oder Weihnachten gab es nie.

Wenigstens die angestellten Mitarbeiter des Museums/ Bund bekommen nach Nachweis die Feiertage frei. Berliner Angestellte müssen Urlaub nehmen.Nach dem jüngsten Fall stellte ich mir nun Fragen, wie es anderen geht. Was ist so schwer, die Tage der “anderen” zu bedenken? Es gibt schon einige Zeit wunderbare multikulturelle Kalender, die sehr hilfreich sind. So einfach kann es sein. Und warum ist es eigentlich so selbstverständlich, dass Atheisten (sie so so sehr und laut ihre Verachtung oder Überlegenheit den Religionen gegenüber kundtun) christliche Feiertag zwar keineswegs feiern, aber frei bekommen. Ich finde es absurd. Persönlich arbeite ich immer an den christlichen Feiertagen. Zum einen habe ich Ruhe, zum anderen wollen/ müssen die Kollegen zu ihren Familien fahren.Wir also kann man das Ganze lösen? In meine. Augen ganz einfach: sämtliche religiösen Feiertage streichen, für alle. Dann jedem Bürger ein bestimmtes Kontingent an Tagen geben, dass er für die persönlichen Feiertage nutzen kann. Denen es wirklich wichtig ist, die werden die religiösen Tage nehmen. Die anderen vielleicht nicht. Oder lieber ihren Geburtstag und die der Lieben. Das würde auch vielleicht die Autobahnsituation entspannen.Es ist Pessach, ich hatte nicht frei. Ich hätte gnädigst Überstunden einreichen können. Da ich aber nicht mit Dickschädel am Tag nach dem Seder erwachte, war es nicht nötig. Ich ging ins Büro. Karfreitag muss ich frei machen, da ich einen Bürojob habe und nur mit Ausnähme arbeiten kann, der Nebenjob aber füllt die restlichen Ostertage. Touristen haben nämlich nur selbst frei, wollen aber, dass am Reiseort alles funktioniert. Und so soll es auch sein.

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