Zum Inhalt springen

Übergrifflichkeiten

Dass heute Verhaltensregeln im Umgang miteinander immer weniger eine Rolle spielen, dass Menschen ernsthaft denken, es ist gut, dem anderen (ob man ihn nun kennt oder nicht) unverhohlen seine Meinung ins Gesicht zu pfeffern…ja, daran sollte ich mich gewöhnt haben.

Indess – ich kann es nicht.

Mag ich einen Menschen oder seine Ansichten nicht, ziehe ich mich zurück. Ich mag niemanden verletzten, beleidigen oder verunglimpfen. So bin ich nun mal, und so erwarte ich es auch von der Welt, in der ich lebe. Nur lebe ich eben in einer Blase, in der Achtung vor anderen Menschen eine Rolle spielt. Das ist nicht immer so.

Eigentlich wollte ich über diese Begebenheit gar nicht schreiben. Doch ich merke, dass ich auch drei Wochen danach nicht davon befreit bin, mich noch immer empöre. Deshalb jetzt doch schreiben. Schreiben hilft.

Dieser Blog ist nun einige Jahre alt. Auch, wenn ich nicht mehr soviel schreibe, so ist er doch mein Herz, meine Seele und er hat mir geholfen, durch schwierige Zeiten aber eben auch Glück zu kommen, zu fokussieren und zu teilen, was teilenswert war. Es ist ruhiger geworden, wie es nun mal in den Leben der Blogs so ist. Ich schreibe andere Dinge auf anderen Seiten – doch nie so wie hier.

Aus diesem Blog ist mehr entstanden, ein ich, eine Person – irgendwie. Juna ist real, sie ist das, was hier ist und das, was da draußen ist. So gibt es auch schon länger einen Twitteraccount, der entstand, weil ich manchmal nur ganz kurz etwas beitragen wollte, ohne hier lang zu schreiben.Über diesen Account wird inzwischen viel gezwitschert – zu allem, was mich interessiert. Dennoch beschreibt er in seiner kurzbeschreibung das, was ich bin:


Vor einer Weile nun, folgte ich im Zuge einer Konferenz einem Menschen auf Twitter, dessen Äußerungen ich ganz interessant fand. Er nannte Kultur in seinem Twitternamen, mache Ausstellungen…nichts also, was merkwürdig erschien. Ich war gespannt, ob auch außerhalb der Konferezenzeit Spannende Dinge kommen würden. Was aber kam, war eine Direktnachricht via Twitter:

Steh nicht auf Kunstfrauen, die Religionen verwenden, um sich
interessant zu machen. Eine religionsfreie Welt gefiele mir besser.

Dieser Mann hat mehr als offensichtlich nicht mal nachgesehen, was ich schreibe, was ich tu. Sonst würde er nicht zuletzt wissen, dass ich keine Kunstfrau, sondern Museumsfrau bin – ein meilenweiter Unterschied. Allerdings scheint man in letzter Zeit öfter zu denken, dass es in Museen nur um Kunst ginge…aber das ist ein anderes Thema.

Das Übergriffige, Verletzende ist nun aber, dass ich „Religionen verwende, um mich interessant zu machen“. Was geht in dem Hirn diese „Kulturmenschen“ vor? Mehr als offensichtlich hat er weder einen Blick in meinen Blog, noch sonst irgendwas riskiert, sondern es vorgezogen, jemanden, den er nicht kennt, nie gesehen oder gelesen hat, zu beurteilen. Ich frage mich, ob er das auch bei jemandem sagen würde, der jetzt friedlich Weihnachten feierte und darüber schreibt, oder seine Keksorgien zum besten gibt. Denn diese Menschen „nutzen Religionen“ ja auch, um sich „interessant zu machen“. Ich wünsche mir für ihn, dass die Welt tatsächlich religionsfrei wäre, dass wir keine zehn Gebote hätten, an die er sich dann auch nicht mehr halten müsse, dass es keine Jahreszeitenfeste gebe, jedweder Herkunft, dass sich die Menschen wegen anderen Dingen umbringen würden. Gründe finden sie immer. Neid und Mißgunst, Rechthaberei sind keine Erfindung von Religionen, sie sind menschlich. Sie sind die Ursachen, weshalb es kluge Menschen gab, die Regeln aufstellten, nach denen man leben sollte, um in einer Welt leben zu können, in der wir alle glücklich sein können. Und dennoch gibt es wieder Menschen, die diese Regeln missbrauchen, um sich Macht zu verschaffen.

Ich selbst komme aus einer Welt ohne Religion, ganz offiziell, staatlich verordnet. Doch der Staat war  Religion, für viele. Die aber, die wirklich an einen G’tt glaubten, waren die Insel in diesem Leben, die Ruhe, der offene Blick, die Ehrlichkeit….

Ich bin noch immer wütend, wütend, was ich immer bin, wenn ich gleich in Schubladen gesteckt werde, wütend, wenn sich Menschen nicht einmal die Mühe machen, nachzusehen, bevor sie einsortieren. Ich verstehe das nicht. Mir wird oft gesagt, dass ich immer soviel Verständnis hätte, weil ich Menschen nach ihrem selbst beurteile.
Nun, diesmal habe ich kein Verständnis.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf × drei =