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Milda und Paul Voß

Vor einer Woche hatte ich einen ziemlich heftigen Unfall. Ich hatte Glück im Unglück, dennoch bin ich für die nächste Zeit weg vom Rad und muss laufen.

Ein Vorteil ist, dass ich die Fußwege sehe und so auch wieder einige Male gestolpert bin. Zu den gefundenen Steinen möchte ich hier, soweit möglich etwas schreiben:

Paul und Milda Voß in der Ritterstraße, Foto: Irgendwie Jüdisch

Milda und Paul Voß waren Widerstandskämpfer. Zu Paul Voß, der im Juni 42 in der Haft starb, findet man leider nur den Hinweis auf der Website der Koordinierungsstelle Stolpersteine in Berlin. Glücklicherweise gibt es aber noch das Bundesarchiv, das etwas mehr über ihn aussagt:

Paul V. (1885-1942), Mitglied der SPD 1903, der USPD 1917, als Soldat im Ersten Weltkrieg an der Ostfront, dort Mitglied des Lettischen Spartakusbundes 1918, von 1918-1929 mit Unterbrechungen in der Sowjetunion tätig, Verhaftung und Verurteilung 1934, Tod im Zuchthaus Sonnenburg

Milda Voß überlebte Haft und arbeitete nach dem Krieg im Reparationamt. Zu ihr findet man an allen drei Stellen Informationen. So heißt es im Bundesarchiv:

Milda V. (1894-1964), Mitglied der Lettischen Sozialdemokratie ab 1917, illegale Tätigkeit während der deutschen Besatzung, Mitglied des Lettischen Spartakusbundes 1918, Kurier der Kommunistischen Internationale für Westeuropa 1919-1921, Mitglied der KPD 1922, zwischen 1922 und 1933 abwechselnd in Deutschland und der Sowjetunion tätig, Verhaftung und Verurteilung in Deutschland 1937, nach 1945 Büroangestellte und Dolmetscherin

Wikipedia äußert sich ähnlich und ganz knapp die Stolpersteinseite selbst.

Was mich alles in allem wundert ist, dass der Schwerpunkt bei beiden auf Milda zu liegen scheint. War sie die aktivere? Oder war sie einfach nur präsenter, weil sie überlebte? Papiere und Korrespondenzen findet man von beiden im Bundesarchiv. Sie wurden allerdings noch nicht erschlossen.

2 Comments

  1. IWe IWe

    Eine schnelle und vollständige Genesung wünsche ich. Ich wußte gar nicht, daß es auch Stolpersteine für Menschen gibt, die deportiert wurden und überlebt haben. Die sind doch dann irgendwo beerdigt und haben ein Grab. Die Argumentation für die Stolpersteine lief doch darauf hinaus, daß dadurch an Menschen personalisiert erinnert wird, die sonst keinen Ort haben.

  2. Danke für die Wünsche.
    Nein, die Steine gibt es für alle Opfer – auch z.B. für Exilanten. Es geht nicht darum, einen Grabstein zu ersetzen, sondern zu erinnern. Auch, wenn die andere Variante gern weitertgetragen wird..

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