Zurück zum Content

Berliner Judentum

Nun, das gibt es eigentlich nicht. Aber wie soll ich das hier nennen? Ich bin zwar in der Gemeinde, aber „nutze“ sie seit gut drei Jahren nicht mehr. Ich weiß nicht wo und wie. Denkend, dass ich das alles nicht brauche, ertappte ich mich in der letzten Zeit doch dabei, die Herausforderung eines Pilpul im liberalen Sinne zu suchen. Immer mehr sehe ich die Berliner Gemeinde im Stillstand – bei allen Initiativen, die vorhanden sind. Damit habe ich kein religiöses Zuhause. Ich denke, es geht vielen so. 

In Worte konnte ich es nur sehr schwer fassen. Es geht nicht nur darum, einen Minyan zu finden, in dem ich nicht nur zähle (selbstverständlich), sondern mich auch wohl fühle. Nach einer Welle der Entwicklung, Neuorientierung, Öffnung in den ersten 2000er Jahren erscheint mir die Gemeinde jetzt zum Stillstand – sogar zur Rückentwicklung gekommen zu sein. Alles ist so fürchterlich streng, bierernst. Ich vermisse Humor – bei Mitgliedern und vor allem Rabbinern.
Bis ich das Montagsinterview mit dem ehemaligen Gemeinderabbiner Dr. Rothschild in der TAZ las. Er war schwierig für die Berliner starre Gemeinde, doch auch ihm ist die Öffnung, die kurzzeitige Entwicklung zu verdanken. Das Verlassen der starren Strukturen (in die man dann zurückverfiel und so noch starrer machte) haben wir ihm zu verdanken. Das Berlin kurz auflebte, Vielfalt entwickelte…das war eine kurz Phase. Jetzt sind wir wieder gefangen im Konservatismus. Ich habe die Wahl zwischen orthodox und konservativ, nur liberal meineshalben auch reform, lebendig und streitbar. Das vermisse ich.

Vielleicht wird sich doch etwas tun, wenn immer mehr Menschen nach Berlin kommen, sich auch nicht in den Angeboten der Gemeinde wiederfinden. Ich weiß es nicht. Solange lebe ich mein alltägliches privates. 

Ja, ich vermisse tatsächlich den britischen Humor eines Walter Rothschilds. Auch, wenn sich manch einer von seinen Bemerkungen beleidigt gefühlt haben mark, so hat er oft die Finger in die Wunden gelegt. Nicht um sie zu entzünden, sondern sie zu reinigen, auf das sie besser heilen können. Nur war das nicht gewollt. Früher hat man ja auch an den Aderlass geglaubt. Asser Rabbiner Assabi sel.A. hat mich niemand mehr herausgefordert, mein Hirn und mein Denken verlangt. Ich vermisse das.

3 Comments

  1. Lieben Dank für den Hinweis. Eigentlich wollte ich das auch verlinken. Leider auch nicht das Richtige für mich, aber in jedem Fall eine gute Alternative. Ich hatte schon mal berichtet. Ich hoffe sehr, dass sich nach und nach mehr solcher Initiativen entwickeln…

  2. Für mich scheint es in Berlin auch nicht das Richtige zu geben – muss vielleicht auch nicht sein. So groß die Stadt auch ist, ist die Gemeinde ja sehr klein (nicht für deutsche Verhältnisse, aber ansonsten). Man darf also wohl nicht zu viel erwarten…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwei × 3 =