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Außenvorgänge

Manchmal fühle ich mich wie ein Außerirdischer, der das Treiben auf der Erde mit Interesse, vor allem aber mit Verwunderung betrachtet. Verstehen kann ich die wenigsten Dinge davon.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich unglaublich viel erlebt, habe viele Menschen kennengelernt. Davon das Beste, was die Menschheit hervorgebracht hat aber auch genügend von dem, was wir nicht brauchen. Was alles nur noch schlimmer macht, unerträglicher in diesem Leben.

Wo soll ich anfangen?

Ich durfte einen der wichtigsten Menschen dieser Stadt kennenlernen. Keinen Politiker, keinen Schauspieler oder sonst irgendjemanden. Sondern einen Mann, der es sich zum Ziel gemacht hat, das Leben hier schöner zu machen. Der seine Kunstsammlung weggibt und verkauft. Der sein Vermögen an die unterschiedlichsten Projekte gibt, damit sie leben können. Und das sind keine Hipsterprogramme. Es sind kleine und große Dinge vom Schulprojekt in einem sogenannten „Problembezirk“ bis zur Schenkung eines Kunstwerkes an ein Museum oder auch die Unterstützung der Spreereinigung. Dieser Mensch ist aber nicht (nur) deshalb wunderbar. Er ist einfach ein wunderbarer, ehrlicher Mensch mit ausgesprochen guten Umgangsformen. Es ist schlimm, dass mir das so sehr auffällt und ich es regelrecht in mich aufsauge, dieses Wohlfühlen, weil wir eine Sprache sprechen.

Doch dann gleichzeitig sind so viele da, denen es einzigst um ihr eigenes kleines Wasauchimmer geht. Die das Ziel nicht sehen, sondern stur ihren Pfad entlangstapfen, ohne nach links und rechts zu sehen, ohne Rücksicht und vor allem ohne Einsicht. Diese Menschen werden immer mehr. Es fängt im Kleinen an, dass sie erwarten, für alles eine Gegenleistung erbringen zu müssen – bzw. einfordern zu müssen. Sie sind verstört, wenn man Dinge einfach nur tut, um zu helfen. Vermutlich ähnlich verstört, wie ich es am Anfang war, wenn ich nach der Gegenleistung gefragt wurde. Sie kennen keine selbstlose Hilfe. Kennen nicht die Freude, die man bereiten kann, in dem man einfach nur hilft ohne etwas zu erwarten außer vielleicht ein schlichtes „Danke!“.
Sie investieren ihre Gelder in Projekte, die nach außen hin gute Presse bringen. Doch interessiert sind sie nicht. Wenn die Projekte keinen Profit bringen, werden sie zerstört. Auch, wenn sie vielleicht nur ein halbes Jahr länger hätten warten müssen. Der gesellschaftliche Gewinn dieser Projekte spielt keine Rolle. Es geht lediglich um ihr eigenes kleines Leben und das Muster, dass sie einhaltne müssen/ wollen. Abwandlungen, Abweichungen vom Weg darf es unter keinen Umständen geben. Sie beschimpfen Menschen der Unfähigkeit und haben ihre eigenen Unternehmen bereits in den Konkurs getrieben, sind vorbetraft wegen Betrugs und Steuerhinterziehung – wissen aber dennoch alles besser. Eine Selbstbetrachtung und -reflektion wird als Schwäche angesehen – und Schwäche darf ja nicht sein. Sie bauen sich so in ihre Türme ein, von denen sie auf alles schießen, was sie nicht kennen, dass sie die Schönheit der Welt nicht mehr sehen können. Erbärmlich.

So halte ich mich irgendwie an den erstgenannten Menschen. Solange es ihn gibt (und ähnliche gibt es kaum), solange ist auch meine Welt in Ordnung. Solange weiß ich, dass Reichtum nicht gleich Ignoranz sein muss. Solange weiß ich, dass Werte noch etwas zählen.

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