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Auch das noch

….jetzt muss ich auch noch meinen Senf dazugeben. Wozu? Das Beschneidungsurteil. Mein Empören war zunächst sehr groß. Jetzt habe ich einige Tage darüber geschlafen. Das Urteil ist nichts rechtsbindend, es betrifft Ärzte und wurde von einem Richter gefällt, der auch seinen aggressiven Hund vermutlich nicht kastrieren lassen wird. Also alles in allem, nichts Neues. Unbeschnittene Männer verziehen das Gesicht allein beim Gedanken daran, Frauen bekommen hingegen eher einen verklärten Blick. Niemand, den ich kenne und der den Vergleich hatte, zieht den Hautlappen, den sinnlosen vor.

Und wo wir schon dabei sind, Kinder zu bevormunden…die Taufe geht zwar nicht mit einem Schnitt einher, ist aber eine Bevormundung. Und wenn ich sehe, in welch jugendlichem Alter man ein Neumensch schon die Ohrläppchen gestochen bekommt, erwarte ich schleunigst ebenfalls ein Urteil, das das unterbindet. Das Kind ist auf ewig gekennzeichnet – nicht nur in der Hose, sondern nach außen offensichtlich. Ulrich Gutmair sagt heute in der TAZ so schön: „Das Kölner Urteil setzt auch einen Maßstab in der Frage, wie anders man sein darf. Werden wir erleben, dass sich ein deutsches Gericht zu den gesundheitsschädigenden Folgen der protestantischer Leistungsethik äußern wird, die zu Depression, Burnout und frühen Tod durch Herzleiden und Krebs führen kann? Hinterwäldler sind immer die anderen.“…treffend und wesentlich kontrollierter als ich. Irgendwie kann ich nur noch sarkastisch sein, bei dem, was sich abspielt, wie Menschen es plötzlich sehen und lese keine Kommentare oder Leserbriefe mehr dazu. Und letztlich…wir lassen unsere Kinder eh nicht durch Ärzte beschneiden, die das womöglich nie gemacht haben. Man sollte besser jemanden fragen, der sich damit auskennt. Und auch die Männer, die ich kenne, die sich erst im Erwachsenenalter haben beschneiden lassen, haben nur kurze Schmerzerinnerungen….und danach ein besseres Gefühl.
Die Gesellschaft erlaubt Verstümmelungen aller Art bei Erwachsenen, man kann sich sonstwas implantieren lassen, von Silikonbrüsten bist zum Eisenhorn. Nichts davon ist nachweislich der Gesundheit zuträglich…Beschneidung aber schon – zumindest für die Partner und Partnerinnen.

Wer erwartet hat, dass ich über die religiöse Bedeutung der Beschneidung referiere, das haben andere getan. Es ist für mich so selbstverständlich, wie eben die Taufe für die Christen dieses Landes. So fraglos, dass es eben nicht hinterfragt werden muss.

Und wieder ausgebuddelt, der Flix vor fast genau vier Jahren:

2 Comments

  1. Sehr schöner Artikel.

  2. Danke schön für den schönen Post 🙂
    Ich warte auch nur auf ein gegensätzliches Urteil, auch wenn das Kölner Urteil ja mittlerweile (leider) rechtskräftig ist.
    Netterweise habe ich mir bei meinem Versuch, die Grundlagen und wirkliche Auswirkung in D zu erklären anhören dürfen, dass man als Deutsche/r nur Mensch, sonst nichts ist. Egal welcher Religion ich angehöre. (Und das man als Jude ja sowieso nie und nimmer in D leben sollte.) -.-
    In diesem Sinn: A gut Woch!

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