Zum Inhalt springen

Über Kunst im öffentlichen Raum

Momentan findet in Berlin eine Konferenz zum Thema Kunst im Öffentlichen Raum im Allgemeinen statt. Titel: „radius of art, Creative politicisation of the public sphere, Cultural potentials for social transformation“ das Programm kann man sich hier ansehen.

Ein Workshop interessierte mich im Besonderen also habe ich mich reingeschlichen. Thema hier war „Memory and commemorative culture: Artistic initiatives for public space“. Nun, ich gestehe, ich habe mir mehr versprochen. Unter Titel Workshop verstehe ich ein Miteinander und kein Runterreferieren der einzelnen Künstler über ihre Denkmäler, die sie einmal initiiert haben. Herausgestochen hat allerdings Oscar Luna aus Columbien, der von verschiedenen Projekten auch von ihm, aber auch anderer Kollegen berichtete, die ich sehr interessant fand, lebendiger und nicht so in Stein gemeißelt, wie es hier oft der Fall ist.
Frieder Schnock (u.a. Bayrisches Viertel) und Horst Hoheisel (u.a. Die Grauen Busse) referierten lediglich über ihre geschaffenen Denkmäler. Vielleicht war es auch nur für mich eher uninteressant, da es nichts neues war. Beide aber schienen noch immer verletzt zu sein, dass dieses unsäglichen Eisenmann-Denkmal (Denkmal für die ermordeten Juden Europas) gebaut wurde. Dass das kein Glanzstück von Denkmalarchitektur ist, ist ja nun nichts Neues. Es wurde aber genommen und damit steht es herum. Schnock erinnerte noch an ein Erinnerungsprojekt mit Bussen, die mit den Namen ehemaliger KZs als Zielort ausgestattet seien an die man sich wohl heute noch erinnere – ich persönlich musste sehr nachdenken, um eine schwache Erinnerung hervorzurufen. Aus dem Publikum kam lediglich eine Bemerkung eines Teilnehmers, dass er im Bayrischen Viertel lebe und die Schilder bei ihm nichts auslösen. Darauf ist man nicht eingegangen. Ich denke aber, es ist ganz einfach. Wenn man dort lebt und es immer vor Augen hat, trifft es nicht mehr. Ich habe aber Bekannte, die sehr wohl getroffen wurden, als sie die Gegend aufsuchten. Nun ja, auf jeden Fall finde ich dieses Denkmal eindrücklicher als die Klötze neben dem Brandenburger Tor.
Richtig ist, dass Die Grauen Busse ein ganz besonderes Stück Erinnerungsarbeit sind. Die nicht einfach nur initiiert und vergessen wurden. Sie erfordert die Beteiligung vieler Menschen, um sie an ihren Ort zu holen. In diesem Sinne sind sie wirklich etwas Besonderes in unserer Erinnerungskultur. Und vor allem erinnern sie an ein Kapitel, dass nur zu gern vergessen wird: die Euthanasie. Hoheisels Tante fiel dem selbst zum Opfer in den Tod geschickt durch ihren Bruder, Hoheisels Onkel.
Die vierte Referentin Patricia Pisani stellte ihr Denkmal zur Erinnerung an die Erschießung von Deserteuren in Ruhleben vor, ein dezentrales Denkmal mit vielen Verkehrspiegeln als Objekte an einem Waldweg. Sie nahm sich offensichtlich vor, jeden einzelnen dieser Spiegel zeigen zu wollen, was das Ganze etwas ermüdend machte.

Wie gesagt, ich war enttäuscht. In einem Uniseminar ist mehr los. Vielleicht lag es auch daran, dass alle müde waren? Mag sein. Die Verletzung aber, dass jemand anderes dieses prestigeträchtige Holocaustmahnmal bauen durfte, merkte man den beiden Herren Schnock und Hoheisel mehr als genug an.

Wer übrigens die Konferenz heute noch verfolgen will, hier gibt es einen Live-Stream.

3 Kommentare

  1. Die Idee mit den grauen Bussen gefällt mir sehr. Viel besser als irgendein starres, steifes, graues Geklötzel, das dann irgendwo herumliegt und von Teenies mit Pausenbroten und Fotoapparaten erklommen wird.
    Was ich auch schön an den Bussen finde ist, dass sie a) an keinen Ort gebunden sind und sie b) sehr viel Aktivität transportieren. Wenn ich in einen Bus steige, treffe ich selbst die Entscheidung, ob ich Bus fahre oder lieber U-Bahn und ich bin es, die aktiv einsteigen muss.
    In diesem Fall ist es eine Form der Erinnerung, die niemandem "aufgezwungen" wird, sondern gleichzeitig transportiert, dass man selbst aktiv werden muss und das nur erfolgreich ist, wenn man sich einlässt. Zudem entsteht dabei aus der Erinnerung heraus wieder etwas neues und nichts bleibt statisch.

  2. Genau das wurde von einer Moderatorin auch gesagt ;-). Und ich finde sie auch gut. Vielleicht ist es einfach so, weil sie eben nicht schwer trächtig durch einen Wettbewerb entstanden? Einer allerdings steht in Ravensburg glaube ich, das Original, einer fährt rum und Hoheisel meinte, wenn man einen fest haben will bringen sie den hin und machen einen neuen zum rumfahren. Ich denke, dass die Busse durch ihre Nichtoktruierung nicht diesen Verteidigungsreflex auslösen wie andere NS-Denkmäler.

  3. Ich suche Künstler, die Interesse daran haben, an einem (zunächst?) ehrenamtlichen Projekt Kunst und Öffentlicher Raum in Pankow mitzumachen. Bei Interesse bitte Kontaktaufnahme per Mail an ka@geotek.de

    Sorry für die schamlose Werbung 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 × 4 =