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Vorschau mit Nachspiel

Eigentlich bin ich ja nicht so der Freund der wöchentlichen eigenproduzierten Spielfilme unserer öffentlichen Sender. Vorschauen auf diese gibt es auch gewöhnlich nicht. Sie laufen und werden meist schnell vergessen. Es sei denn natürlich, man wird schon wochenlang mit der Werbung zum Film genervt. Nicht so in diesem Fall – aber ich wurde eingeladen. Und da ich auch nichts besseres zu tun hatte, der Film dann sogar in einer für mich verträglichen Zeit lief, habe ich mich auf den Weg gemacht.
Gezeigt wurde „Das Kindermädchen“ von Elisabeth Herrmann. Die Veranstaltung wurde von der Produktionsfirma Network Movie und dem Dokumentationzentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin durchgeführt. Da die Räumlichkeiten dort wohl zu klein waren, wich man in den Martin-Gropius-Bau aus (schöner Kinosaal übrigens!) aus.
Nun, der Film. Ich habe noch nichts von Frau Herrmann gelesen und habe nur durch Recherche gesehen, dass sie Krimis schreibt. Und auch dieser Film ist ein Krimi. Allerdings ein Krimi mit ernstem Hintergrund und intensiven Recherchen, wie Frau Herrmann im Anschluss berichtete.
Es geht letztlich um die Entschädigung einer Ukrainerin, die als Kindermädchen Zwangsarbeit in einer berliner Familie versah. Die benötigste Unterschrift wird ihr versagt. Dank der unermüdlichen Nachhakerei des zukünftigen Familienmitglieds (dessen Namen ich im Film schon wieder vergaß, ich glaube Herr Wernau) wird nun aber die Geschichte aufgedeckt. Ja, der Film bleibt ein Krimi. Wie ich aber finde, in der Tat ein wichtiger Krimi, denn er regt zum Denken an. Und wie ich hoffe, auch die Zuschauer. Selbst Jan-Josef Liefers, der diesen Wernau spielt, sagte in der folgenden Podiumsdiskussion, dass es für ihn ein neues Thema war, ganz besonders, dass es den ukrainischen/ russischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern nach dem Krieg und ihrer Heimkehr nicht besser ging. Knut Elstermann fragte die anwesende Leiterin des Dokumentationszentrums Dr. Christine Glauning, warum denn nicht alle Zwangsarbeitergruppen entschädigt wurden. Sie entgegnete, dass man u.a. nachweisen musste, unter Lagerbedingungen gelebt haben zu müssen. Das genau traf bei „Hausangestellten“ nicht zu. Die Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter, mit der sich Deutschland doch gelegentlich schmückt, ist für mich nicht unbedingt ein rühmliches Kapitel, denn zuviele wurden ausgeschlossen. So wohl auch jene, die in ihrem eigenen Land arbeiteten.

Wie dem auch sei, ich war vor allem überrascht, dass es in der Podiumsdiskussion doch ziemlich viel um das Thema Zwangsarbeit ging. Frau Herrmann hatte sich in Vorbereitung mit fünf ehemaligen ukrainischen Zwangsarbeiterinnen getroffen, die in deutschen Familien im Haus angestellt waren. Wie sie berichtete, ein Querschnitt durch alle Geschichten, so entstand ihre Natalia als Vertreterin all der Kindermädchen, Küchenhilfen, Putzfrauen, die in deutsche Haushalte gezwungen wurden.
Ich denke, der Film lohnt sich, wenn man kommenden Montag abend, 20:15 Uhr nicht andere Pläne hat – im ZDF übrigens. Der Krimiplot (der es ja eigentlich ist), ist auch nicht schlecht.

3 Comments

  1. NOA NOA

    Oh, der Vorspann ist schonmal vielversprechend. Danke für den Tipp
    Shavua tov
    Umaermel
    Noa

  2. IWe IWe

    Vor längerer Zeit habe ich das Buch gelesen. Ich kannte nichts von der Autorin. Ich war sehr beeindruckt von dem Buch. Ich denke über die Krimischiene kommen Leute an dieses Thema heran, die sich sonst nicht damit beschäftigen wurden. Danke für den Hinweis auf den Film.

  3. Oh, das ist ja gut zu wissen. Vielleicht sollte ich das Buch auch nochmal lesen. Frau Herrmann sagte, dass das Thema Raubkunst bzw. "entartete" Kunst eine größere Rolle im Buch spielt.

    Ich bin gespannt, wie der Film ankommt. Das Drehbuch hat sie ja selbst geschrieben.

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