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Anna Marie Wittschekowski

Bei meinem kurzen Ausflug jüngst auf Rügen bin ich mal wieder gestolpert. In den Großstädten (außer München) gehören die Stolpersteine ja schon zum allgemeinen Stadtbild. Doch hier ganz im Norden in Sassnitz war ich schon erstaunt. Ein Foto des Steins war gemacht und der Hinweis auf den Tod in der Heilanstalt lies mich zunächst an Euthanasie denken.
Ich machte mir nicht viel Hoffnung viel über Anna Marie Wittschekowski herausfinden zu können. Doch weit gefehlt. Ein wirklich vorbildliches Projekt eines Internetportals weist alle verlegten Stolpersteine in Mecklenburg Vorpommern auf und erzählt die Geschichten der Menschen für die bisher die Steine verlegt werden konnten.
Anna Maries Geschichte ist ausführlichst recherchiert und lässt mich nach dem Lesen ihrer ebenfalls hinterlegten Krankenakte zu einem anderen Schluss kommen. Anna Marie war ein Dorn im Auge ihrer Nachbarn. Sie scheint ein Mensch gewesen zu sein, der sagte, was er dachte. Nur wenige Wochen vor ihrer Einweisung wurde ihr Mann zum Wehrdienst eingezogen. Die Trennung war offensichtlich sehr emotional. Und sind wir ehrlich, würde ein geliebter Mensch eingezogen werden, mit nur wenig Aussicht zu überleben, wer wäre nicht verzweifelt? Wer würde den Haushalt noch 1A pikobello sauber halten? Anna Marie konnte es nicht. Grund genug, sie für nicht zurechnungsfähig zu erklären. Sie kümmerte sich nicht mehr um Verdunklung, sie sprach aus, was sich niemand traute und wurde denunziert und für verrückt erklärt. Ganz offensichtlich misshandelt konnte sie ihre Mutter noch besuchen und ihre Entlassung bewirken. Nur sollte sie diese nicht mehr erleben. Die berühmt berüchtigte Kreislaufkollaps in Folge einer Pneumonie wurde wieder zur Hilfe genommen. Eine Autopsie war nicht mehr möglich, ihr Körper sei angeblich schon verbrannt gewesen.
Anna Marie soll ein lebenslustiger Mensch gewesen sein. Wie hätte sie es auch in dieser Zeit bleiben sollen? Ich bin überzeugt, dass sie eines nicht war: geisteskrank. Und dennoch fiel sie diesem wahnsinnigen Gesetz zum Opfer, dass Menschen über andere Menschen stellte und sie als „unwert“ betrachteten – genug, das Leben zu nehmen.

3 Kommentare

  1. Anonym Anonym

    Meine Oma habe sie ich nie kennengelernt. Aus ihrer Angst wurde eine
    psychische Erkrankung gemacht.Der Totenschein wurde gefälscht.

  2. Anonym Anonym

    Anna M. Wittschekowski ist keine Jüdin gewesen, sondern war in d. katholischen Kirche. Fraglich bleibt warum klinkt es Jüdisch?
    Aus diesen Text beginnend mit dieser Frage klinkt wie ein Vorurteil.
    In stiller Trauer ihre Enkelin

  3. Ich verstehe jetzt den Punkt nicht. Stolpersteine werden nicht nur für Juden gelegt, sonder für alle Opfer. Anna war ein solches Opfer der Nazis.

    Was hier als Vorurteil klingen soll, ist mir schleierhaft.

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