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Seit fast drei Jahren arbeite ich quasi außerhalb jüdischen Bezugs. Und erst jetzt erscheint es mir, dass ich mich wirkich wieder normal nähern kann. Acht Jahre prägte Judentum in jeglicher Form mein tägliches Leben, so dass ich alles, was darüber hinausging, als zuviel empfand. Die Feiertage waren die angenehme Ausnahme – da sie für mich mit Leben zu tun hatten. Das „tägliche Geschäft“ jedoch war letztendlich immer die Shoa, auf die allen hinauslief.Gestern bei einem Spaziergang in neuer heimatlicher Umgebund merkte ich, dass ich Abstand gewonnen habe. Aber gleichzeitig fragte ich mich, was eigentlich mein Judentum heute noch ausmacht. Hatte ich mich doch so lang durch die Arbeit identifizieren können. Durch sie fand ich, so merkwürdig es klingen mag, jüdische Freunde außerhalb der Gemeinde in die ich mich einzufinden noch immer schwer tue.

Vor einiger Zeit also zog ich um…die Bücher waren ausgepackt, die Bilder hingen, die Mesosot wurden befestigt. Und irgendwie schien auch das in einem Fluß zu sein. War es bisher immer ein besonderer Moment, so ist es jetzt irgendwie ganz normal zu sein. Eine Wohnung ohne Mesusa? Geht das? Ja, es klingt absurd, aber so fühlte es sich an. Bein Auspacken wurde das Netilat Jadaim bewundert, das mangels Gästen wenig im Gebrauch ist, aber es ist da…das Pessachgeschirr wurde auch noch in eine Ecke gequetscht.Macht sich die Jüdischkeit eines jüdischen Singles an den Objekten im Haushalt fest? Irgendwie bin ich etwas ins Grübeln gekommen. Nach nun mehr über zehn Jahren „jüdischen Lebens“ ist vielleicht doch etwas wie Normalität angekommen. Vielleicht ist aber auch einfach nur endlich so oder so etwas Normalität und Ruhe bei mir gelandet.? Ich denke darüber nach, wie ich die Feiertage verbringen werde. Sollte es tatsächlich mal wieder der Weg in die Synagoge sein? Ich denke fast ja. Ich sehne mich etwas danach. Das schöne an diesen großen G’ttesdiensten ist, dass die Menschen wirklich damit beschäftigt zu sein scheinen. Ich könnte dort die Ruhe in mir finden, die ich suche, auch die Isolation in der Gruppe. Allein der Aufwand, an eine Synagogenkarte zu kommen ist mir schon wieder zuwider. Wir werden sehen.
Oft denke ich an die Gemeinde, zu der ich in Florida gelegentlich ging. Alles erschien soviel leichter, aber ich erinnere mich auch, dass ich die Tiefe dort vermisste. Nun, vermutlich kann ich eben nicht lange irgendwo zuhause sein. Immer suchend. Und im Moment suche ich wieder – irgendwas. Ich weiß nur noch nicht, was.

2 Kommentare

  1. Anonym Anonym

    Ich habe auch oft dieses Gefühl – es wäre einfacher jüd. Leben in den USA zu führen. Ich war da vor einigen Jahren, in der Zeit kurz vor Purim. "Normale" Kaufhallen (also, die Kaiser/Rewe/Reichelt der Amerikaner) waren schon mit Mazzot, Gefilte Fisch Dosen, usw. gefühlt.

    Multikulti ist "echt" in Orte wie LA oder New York: gegen Channukah sprechen sie von "Holidays", nicht nur von Weihnachten. Sie haben so gar ein erfundenes afrikanisches Fests für diese Zeit…

  2. Das Fest wird Kwanza genannt 😉 Eine merkwürdige Mischung aus allerlei Festen.
    Meine Erfahrung allerdings war, dass man inzwischen von den "Happy Holidays" weg kommt und bewusst wieder zu "Merry Christmas" resp. "Happy Hanukkah" überging. Das kann natürlich auch an der damaligen Regierung gelegen haben, die mit einem wiedergeborenen Christen an der Spitze andere Wählerschaften zu bedienen hatte.
    Aber Du hast recht, einkaufen etc. ist einfacher. Allerdings erschien mir eben auch die religiöse Bildung als sehr oberflächlich. Eine Mitgliedschaft in einer Gemeinde war für mich rein finanziell nicht möglich. Die Offenheit allerdings, mit der Besucher in der Synagoge begrüßt wurden steht im starken Kontrast zu den meisten Orten hier. Aber es gibt hüben wie drüben Ausnahmen.

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