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Wohin mit dem Geld?

Heute gibt es Schlagzeilen, die auf den ersten Blick positiv sind. „Reichste deutsche Frau gibt jungen Firmen Geld“…so und so ähnlich titeln die Gazetten. Nun, ein paar Gedanken schießen mir hier durch den Kopf. Zum einen finde ich es traurig, dass so etwas überhaupt Schlagzeilen macht. Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass jene, die die Mittel haben die anderen unterstützen? Ganz besonders, wenn die anderen Ideen haben?

Was mir aber viel mehr durch den Kopf geht ist, dass keine der Zeitungen erwähnt, womit die Familie das Vermögen gemacht hat. Die Familie war vielleicht sogar mehr als andere Industrielle mit den Machenschaften der Nazis verstrickt. Ihr Vermögen beruht auf der Ausbeutung von Zwangsarbeitern, die im ganzen ehemaligen Deutschen Reich für sie arbeiten mussten. Die Familie verweigert bis heute Entschädigungen oder gar Aufarbeitung. Zwar hat man jene angekündigt, bisher scheint aber noch nichts geschehen zu sein. Sven Quandt scheint sich etwas zu öffnen…wir werden sehen. Jedem, der die Geschichte nicht kennt, empfehle ich, „Das Schweigen der Quandts“ zu sehen. Den ersten Teil von sieben findet man unten, den Rest kann man dort finden:

Dass es auch anders geht, zeigt Jan-Philipp Reemtsma. Ohne Aufforderung hat er nachforschen lassen, ob und wer Zwangsarbeit für das Unternehmen Reemtsma leisten musste, die ehemaligen Arbeiterinnen haben eine Entschädigung erhalten. Auch, wenn sie nur drei Tage im Werk waren. Ihnen wurde Unrecht getan, sie wurden vertrieben, haben ihr Zuhause verloren. Im Gegensatz zur EVZ, die Zwangsarbeiter erst als solche ansah, wenn man sechs Monate beschäftigt war.

Und ehe hier wieder Kommentare kommen, alles soll endlich vergessen werden. Nein, das soll es nicht. Diese Menschen haben unter unwürdigen Bedingungen Arbeiten verrichtet, um das „Deutsche Reich“ am Leben zu erhalten. Sie haben nichts dafür erhalten außer einer zerstörten Jugend und meist wurden sie auch in ihren Heimatländern diskriminiert. Wenn man sieht, unter welchen Umständen oft die ehemaligen sogenannten „Ostarbeiter“ heute leben, ist jeder Euro mehr als gerechtfertigt – auch, wenn er nichts wiedergutmachen kann. Meine eigenen Erfahrung ist, dass sie oft gar kein Geld wollen, sie wollen nur anerkannt werden, sie wünschen sich, dass sich jemand entschuldigt – selbst dazu ist die Familie Quandt bis heute aber nicht in der Lage.

3 Kommentare

  1. Karl Karl

    Und ehe hier wieder Kommentare kommen, alles soll endlich vergessen werden.
    …………………………………………
    Versteh' es bitte nicht falsch, der Satz ist der Grund warum kein Kommentar kommt.
    Zu diesem Thema kann man sagen oder schreiben was man will, es wird nie richtig sein.
    Dass sich Firmen in gutlaufende Parteisysteme einklinken war damals so und ist heute auch noch so – ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Skrupel. Hauptsache der Geldapparat kommt nicht ins Stocken.
    In dieser Zeit hat wahrscheinlich keiner mehr erhalten als eine "zerstörte Jugend".
    LG
    Charly

  2. Nun, die zerstörte Jugend entwickelte sich dann aber doch sehr viel anders in Deutschland als in den Ursprungsländern, nicht wahr? Der deutsche Rentner, der vielleicht noch zum Volksturm eingezogen wurde am Ende hat heute ein besseres Leben als manch anderer, der nicht das "Glück" hatte, mit dem Ariernachweis aufzuwachsen und in zerstörte Länder zurückzukehren in denen er als Verräter gesehen wurde.

  3. Karl Karl

    Stimmt:-(

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