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Frust

Gerade schiebe ich (wiedermal) etwas Frust. Ich rette mich ja durch mehrere Jobs durchs Leben. In verschiedenen Bereichen. Hauptsächlich im sozialen Bereich, in der Arbeit mit Behinderten. Und jetzt suche ich mal wieder einen, nur einen Minijob, nicht so schwer (sollte man meinen) und in der Tat ist viel im Angebot. Nur, da, wo ich arbeiten möchte, in Behindertenwohnheimen u.ä. stoße ich immer wieder auf die selben Probleme. Ich bin nicht in Besitz der Alibikirchenmitgliedschaft. Und ich bin nicht bereit, mir eine solche anzuschaffen. Allein beim Gedanken an diese Scheinheiligkeit wird mir übel. Ich bin mir sicher, dass ich mir in der christlichen Religion besser auskenne als das Gros der Mitarbeiter dort und ich kann es auch vermitteln. Ich habe kein Problem damit, auch, wenn ich nicht selbst daran glaube. Das kann ich im professionellen Umfeld unterdrücken. Tja…und nun stehe ich da und sehe mich wieder vor dem Dilemma, dass die größten Arbeitgeber auf diesem Gebiet für mich quasi per se gesperrt sind. Frust macht sich gerade breit ob dieser Scheinheiligkeit. Ich wäre sogar bereit, einen Test über meine Kenntnisse zu machen und irgendwas zu unterschreiben, dass ich mich zurückhalten werde…die Gefahr der Missionierung besteht ja bei unsereins nicht. Aber naja…Also sollte irgendwer was hören über Minijobs in der Behindertenhilfe oder ähnliches ohne, dass ich mir Wasser über den Kopf schütten lassen muss, bitte bescheid geben.

9 Kommentare

  1. Noa Noa

    ich hatte mal interessehalber bei der diakonie nachgefragt, ob es auch als jude moeglich ist, bei denen zu arbeiten, und sie meinten ja.
    Ich habe bei anderen kirchlichen Traegern argumentiert, dass wir – juden und christen – ja fast die selben Werte teilen, und auf Wertevermittlung sollte es doch ankommen und nicht auf die Kleinigkeit, dass wir jedem Menschen mitteilen, dass wir alle doch durch Jesus gerettet werden…. so sehe ich das jedenfalls. 10 Gebote, menschliche werte, keine Vielgo-tterei… all das teilen wir doch. Wo ist also das problem???
    Noa

  2. Ja, hast Du recht, fragen kann ich ja mal. Nur wenn ich schon lese: "Mietgliedschaft in der … Kirche" vorausgesetzt, kapitulier ich schon aus Erfahrung. "Sie können sich doch da und da taufen lassen und treten eben in die Kirche an"…Missionierung auf Umwegen?
    Mal sehen, was kommt, es eilt ja nicht.

  3. In Berlin gibt es immer wieder Stellenangebote im Bereich der Diakonie, wo es heißt "Mitgliedschaft in einer Kirche der ACK erwünscht" und die Caritas gibt damit an, daß sie auch Muslime in ihren Pflegediensten beschäftigen – interkulturelle Kompetenz und so … Deshalb habe ich es mir nicht so schwer vorgestellt, in diesem Bereich einen Minijob zu bekommen.

  4. Noa Noa

    Sag bloss, das haben die so schon gesagt? "Sie können sich doch…"??????
    Das, was ich gelesen hatte, war: Mitglied in einer kirchenähnlichen Gemeinschaft. Ich würde nochmal diskutieren, oder angeben, dass ich als Jude die Werte der Kirche (Menschlichkeit, G-ttvertrauen, Nächstenliebe) ja durchaus teile. eigentlich dürfen sie dich ja nicht diskriminieren wegen deiner Religion, oder? Oder gilt das nur fuer staatliche Einrichtungen? Steht doch im GG. (Religion, Geschlecht, ….)wenn es um einen Arbeitsplatz geht…
    Noa

  5. Naja…nur kann man mit Muslimen eben auch die Muslime pflegen und angeben, ja, das ist das richitge Wort. Nur sieht es offentsichtlich in Behindertenheimen etwas anders aus. Na, was soll's. Ich probiere es weiter/ wieder. Nur, wenn wieder das Angebot zur Schnelltaufe kommt, werde ich mich nicht beherrschen können. 😉

  6. Ja, liebe Noa, das haben sie schon gesagt und nicht nur einmal. Daher ja die Schwelle bei mir. Und nein, das GG, gilt in kircheneigenen Einrichtungen nicht. Sie dürfen das. Es gab schon öfter Protest dagegen, aber konfessionell geführte Einrichtungen dürfen darauf bestehen.

  7. Warburg Warburg

    Also ich würde nicht unbedingt für eine christliche Einrichtung arbeiten wollen, die noch dazu Mitgliedschaft bei ihrer Gemeinde verlangt… Für mich ginge das gegen meine religiösen Werte. Vielleicht könnte ich das für mich noch irgendwie rechtfertigen, indem ich sage: mein job besteht darin, Menschen zu helfen, ist doch wurscht wo die zufällig sind.

    Aber mich bei denen einschleimen und ihnen erzählen dass Judentum fast dasselbe wie Christentum ist könnte ich nicht, schon alleine wegen der vielen Juden, die gestorben sind, weil sie die Auffassung "es macht ja fast keinen Unterschied" eben nicht teilten.

    Wenn das jetzt in Eurem Bereich so ist, dass die Kirche oder whoever der grösste Arbeitgeber ist und vom Staat Geld bekommt, um Institutionen zu führen, deren Mitarbeiter christlich sein müssen, dann würde ich mal was bei den Subventionen machen.

    Ich finde es OK, das die Kirchen ihre eigenen Regeln anwenden, wenn sie zahlen. Aber wenn sie quasi im öffentlichen Auftrag Aufgaben unternehmen, dann ist das meiner Meinung nach was anderes, und da sollte man halt dafür sorgen, dass entweder das GG respektiert wird oder dass die Subventionen auf Institutionen umgeleitet werden, die das tun…

  8. @Warburg: Heilige Einfalt! Unser Sozialsystem lebt in Deutschland davon, daß die Kirchen der größte Arbeitgeber in dem Bereich ist und weniger bezahlt als die gleiche Tätigkeit unter staatlicher Trägerschaft kosten würde. Da wäscht eine Hand die andere. Betriebsrat gibt es bei den Kirchen nicht – und sie dürfen ihre eigenen Regeln haben. Die katholische Kindergärtnerin, die sich scheiden läßt und wieder heiratet, darf entlassen werden …

    Und der Löwenanteil der Kosten von kirchlicher Sozial- und Pflegearbeit wird nicht von kirchens bezahlt, sondern vom Steuerzahler, weil das, was sie tun, im öffentlichen Interesse ist.

  9. Um das Ganze zu Ergänzen, die Ehrenamtliche, die seit Jahren Kommunions- und Firmungsunterricht gibt, im Gottesdienst tätig ist und im Kindergarten arbeitet und das alles ohne Geld, bekommt die Stelle als Kindergärtnerin in ebenjenem Kindergarten nicht, weil ihr Mann, mit dem sie seit über 20 Jahren verheiratet ist, geschieden ist….

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