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Ein Appell an das Leben

Kurz nachdem ich vergangene Woche über den TAZ Artikel schrieb, der mir ganz gut gefiel und wie ich jetzt feststelle, offensichtlich zu größeren Diskussionen führt, merke ich wieder mal sehr deutlich, dass man auch ein Leben außerhalb haben muss. Ein Leben außerhalb von Gemeinde, Freunde, die nichts damit zu tun haben und die einen nehmen, wie man ist. Man braucht ein Leben, in dem man schlicht Mensch und nicht „nur“ Jude ist. Man ist es immer, man kommt nie hinaus, es prägt den Menschen und beeinflust ihn auch. Dennoch, man darf das Leben nicht vergessen. Es gibt tatsächlich ein Leben da draußen, ein Leben, in dem man nicht nur Antisemiten suchen muss, ein Leben, in dem nicht gefragt wird, warum man nicht so oder so observant ist, nicht in Israel lebt, oder dort lebt, ein Leben in dem der eigene Glauben, die Herkunft nicht hinterfragt oder prioritär ist. Ein Leben eben, in dem man einfach nur Mensch sein kann.

Ich stelle wieder fest, wie dankbar ich für meine (nichtjüdischen) Freunde bin und meine jüdischen Freunde, die mich auch so nehmen wie ich bin. Ich bin froh, in einer Welt aufgewachsen zu sein, in der nicht die Religion die erste Rolle spielte, in der nicht nach Religion die Freunde bestimmt wurden. Ich bin dankbar, dass ich so erzogen wurde, die Menschen unvoreingenommen anzunehmen, kein Misstrauen per se zu haben und auch bei verschiedenen Ansichten noch Respekt zu haben, zu diskutieren, sich nicht zu einigen aber dennoch nicht die Freundschaft zu gefährden. Ich bin dankbar für die Freunde, die aussprechen, was sie denken und keine Angst haben, sie könnten etwas falsches sagen. Sie wissen, selbst, wenn ich anderer Meinung bin, ziehe ich mich nicht beleidigt hinter den Religionsvorhang zurück. Ich hoffe, sie wissen es.

Also, einfach nur danke an Euch da draußen, und danke trotz allem für meine Kindheit und die Unkonventionalität, mit der ich aufwuchs, die ich auch heute noch erstaunt betrachte. Sie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Sicher in mir selbst, in meinem Glauben und mit meinem Umfeld.

Und so, mit diesem dankbaren Gefühl gehe ich heute in den Schabbat und man staune, ich habe den Schabbat tatsächlich frei. Was für ein Monat!

1 kommentar

  1. Das ist höchst interessant zu lesen für mich. Die Unterscheidung der Religiösität (/Spiritualität) "drinnen" und dem Leben "da draußen" ist mir selbst fremd. Vielleicht gilt es für mich, die Möglichkeit einer solchen unterscheidenden Wahrnehmung in Begegnungen künftig stärker zu berücksichtigen.

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