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Erinnerung…

Heute fiel mir plötzlich etwas ein. Manchmal passiert sowas ja an ungewöhnlichen Orten oder Momentan. So ging es auch mir heute. Ich packte gerade meine Sachen zusammen, packte noch ein paar Dinge von der Reise aus, mein Minisiddur fiel mit in die Hände. So selbstverständlich ist er bei mir auf Reisen, erweckt manchmal Erstaunen bei Mitreisenden. Erscheine ich doch gar nicht so, dass ich beten würde. Ich frage mich, wie man denn erscheinen müsste, wenn man das tut.

Und dabei fiel mir ein, dass ich jetzt seit zehn Jahren bewusst jüdisch lebe. Ein Drittel meines Lebens. Vor zehn Jahren entschloss ich mich, mein Leben auch wirklich so zu leben. Nicht nur in der Erinnerung an die Familie, nicht nur mit dem Wissen über ihre und damit auch meine Geschichte. Ich weiß gar nicht mehr, was mich letztlich dazu bewegte. Irgendwie erschien es logisch, völlig normal. Nachgedacht hatte ich nicht viel darüber. Ich ging schon eine Weile sporadisch in die Synagoge, dann regelmäßig. Mein Leben und Lernen kreiste nur noch um das Thema, ich war unersättlich. Wollte tiefer tauchen. Bücher reichten nicht mehr. Ich wollte das Leben leben, dass doch eigentlich so normal sein sollte für mich – wenn ich so hätte aufwachsen können, wie es andere im anderen Teil der Stadt haben konnten. Die Änderung des Lebens ging wohl ganz klassisch mit der Küchenänderung einher. Im Essen selbst musste ich mich nicht umstellen, Fleisch war noch nie meins gewesen. Und alles, alles war so normal plötzlich, so in der richtigen Folge, fühlte sich einfach richtig an. Mein äußerliches Leben hatte plötzlich eine Ordnung, die mir nur logisch erschien. Ich suchte mir einen Lehrer, wollte mehr, wollte hinterfragen können….ich fand diesen Lehrer. Ein umstrittener Mann, der mich aber zu dem machte, was ich bin, mir das gab, was ich brauchte. Nicht nur reines Wissen, sondern die Hinterfragung der Dinge, die Diskussion, des wirklichen Lernens, der Nutzung meines Gehirns. Er war nicht zufrieden, wenn man ein Gesetzt hinnahm, man musste hinterfragen, anzweifeln….und damit wurde ich sicher. Wahrscheinlich braucht man solche Lehrer…die einen dahin mitnehmen, wohin und wie man gehen muss.

Ich ging durch Phasen…wie sie wohl jeder durch macht, der sich mit seiner Spiritualität beschäftigt. Und ich weiß, ich werde nicht immer so leben, wie ich jetzt lebe. Schließlich gab es schon andere Zeiten. Aber eines weiß ich, ich bin zuhause. Und noch immer habe ich das einfache „Das ist gut.“ meiner Großmutter und das Lächeln meiner Großtante in meinem Gedächtnis…, als ich erzählte, dass ich dahin gegangen bin, woher sie kamen und damit war es gut – und ist es. 

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