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Seltsame Beobachtung

Eine seltsame Beobachtung mache ich an mir. Bin ich doch stets im Hochdeutschen aufgewachsen, umgeben von Menschen, die darauf achteten, dass man nicht hört, woher man kommt. Oft genug musste ich „beweisen“, dass ich wirklich Berlinerin bin. Nur in Wut oder in der Kommunikation mit anderen Dialektsprechern fiel ich selbst dahin, spreche ich auch aufwachsbedingt sächsisch und thüringisch (ja, es gibt Unterschiede, und was für welche!), oft wurde ich auch in den Norden verfrachtet. Nur nach Berlin hat mich niemand verfrachtet.

Was mir nun aber aber auffällt. Als Exot in der eigenen Stadt (Berliner sind ja in Berlin in der Minderheit, heute mehr als vorher) fange ich allmählich an, auch im normalen Umfeld Berlinerisch zu sprechen. Ich ertappe mich regelrecht dabei. Und zwar nicht im üblichen leicht angehauchten Hochdeutsch, sondern in der richtigen Schnauze, die wohl nur der Berliner ganz verstehen kann. Sobald ich es merke, bin ich erschrocken. Noch immer hängt dem Dialekt etwas Verkommenes an, etwas nicht ganz richtiges, es wird diskutiert, ob es überhaupt ein Dialekt sei. Was erinnere ich mich an die Diskussionen im Germanistik Seminar – und der Dozent bestand darauf, es sei kein Dialekt. Nun ja. Aber was ich sagen wollte, ich beobachte mich, erschrecke mich über mich selbst und dann denke ich, warum eigentlich? Nun ja, heute ging es mir mal wieder so. An einer Hotline, die anzurufen genötigt war. Der Mitarbeiter dort fing sofort an zu Berlinern, als er meinen Wohnort erfuhr und prompt verfiel ich auch hinein. Eigentlich doch ganz schön – aber dennoch seltsam. Früher wäre das nicht passiert. Vielleicht muß sich der Exot eben doch irgendwie behaupten. Und irgendwie ist es ja auch was schönes, ne echte Berliner Pflanze zu sein.

Und am besten geht’s doch immer noch mit Clärchen….denn Berliner können auch ganz zärtlich sein…

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