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Kriegsende 8.Mai

Etwas verspätete, aber dennoch wollte ich berichten. Am vergangenen Samstag, 8. Mai 2010 war ich zum Museumsfest im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst. Es war das erste Mal seit meiner Kindheit und auch ein bewusster Schritt, endlich mit diesem Kapitel abschließen zu können. Nein, ich bin nicht unvoreingenommen. Ein Thema, dass mit Menschen in meinem Umfeld schwer zu diskutieren ist. Ich sehe nur zwei Fronten, die, die die „Befreiung“ durch die sowjetische Armee absolut kritiklos sehen und denen, die sie ganz und gar verdammen. Ich stehe dazwischen. Wieder im Grau, wo es offensichtlich nur schwarz – weiß zu geben hat.

Aber ersteinmal zum Museum selbst. Wie gesagt, war ich als Kind des öfteren dort. Natürlich gehörte es zum „Bildungsprogramm“ – gerade an der Schule, an der ich am längsten sein musste. So fühlte ich mich auch, als ich die Halle betrat. Untergebracht im ehemaligen Offizierskasino der Wehrmacht nun alles dekoriert, wie ich es auch noch aus Schultagen kannte. Die Bilder vom Museum selbst damals habe ich wohl verdrängt. Nicht aber die Panzer und Geschütze, die noch umherstehen. Einen habe ich aufs Bild verbannt, die anderen ersparte ich mir. Eine Begeisterung für Waffen ist nicht mein eigen.

Inzwischen hat sich aber einiges getan im Museum. Die Devotionalien gehören wohl dazu. Ich ordne sie eben anders ein, bin mir aber sicher, dass sie für den unbelasteten Besucher interessant sind. Alles in allem empfehle ich heute ausdrücklich den Besuch dieses Hauses, am besten wohl mit Führung. Der Eintritt ist frei, Dienstags bis Sonntags ist von 10:00 – 18:00 Uhr geöffenet. Mir ist nämlich dort aufgefallen, wie gering das Wissen um den Krieg in Russland zu sein scheint, wie schockierend die Bilder, das Wissen darum für jemanden ist, der eben nicht so geschult wurde, wie ich (und die es so sehr im Gedächtnis behilt). Für mich hatte es nichts schockierendes, denn die Bilder dort gehören zu meiner Kinheit. Die Begleitung aber, obwohl historisch gebildet, sah ganz und gar Neues. Das gab mir zu denken. Und wenn ich die zweite oben erwähnte Kategorie sehe, dann sollte man unbedingt hineingehen und sich mit eigenen Augen ansehen, was die Sowjetunion (damals noch) erleiden musste – aber auch, wie sehr sie ihre Menschen verheizte.

Und warum setzte ich die „Befreiung“ in Anführungszeichen? Nun, ich sehe es nur als Befreiung vom Nationalsozialismus. Und das ist mit Sicherheit DAS (Anm. u.g. Kommentators) große Verdienst der Roten Armee. Was allerdings in den folgenden Jahren kam, ist für mich nicht mehr zu erklären mit kurzfristigen Rachegefühlen, oder überbordenen Siegesgefühlen. Die Befreiung kritiklos zu sehen, wie es gern die ehemaligen Genossen tun, können wir uns nicht erlauben. Der Weg hätte auch im russisch besetzten Teil ein anderer sein können. Aber Menschen sind Menschen und der Mensch ist eben nicht gut.

Wie ich persönlich damit verbunden bin? Nun, ließt man die Erinnerungen Michael Degens und Marcel Reich-Ranickis, so war unter den Truppen offensichtlich immer ein jüdischer Offizier, der die Versteckten erkannte und sie somit schützte. Bei meiner Familie war es eben nicht so. Sie wurden zunächst von den Amerikanern befreit. Dann kamen dank des Territoriumtausches die Russen. Ihr jüdischer Status hat offensichtlich keine Rolle gespielt. Was sie schützte war der Ort, an dem sie lebten und ja auch untergetaucht waren: ein Bahnhof. Bahnhöfe waren auch für die Alliierten von Bedeutung. So entgingen die Frauen dort der „Sonderbehandlung“ nur dadurch, dass sie gebraucht wurden, für die Wäsche, Essen etc. Ich kann nicht rekonstruieren, ob sie sich überhaupt „geoutet“ haben. Bei meiner Großmutter zweifle ich etwas, da sie es nie gemacht hat – auch später nicht. Ihre Schwester allerdings, die dann in den Monaten nach Kriegsende aus dem Versteck kam hat nie ein Geheimnis gemacht. Es ist aber müßig, darüber nachzudenken. Ich werde es nie erfahren.

Dennoch, ich bin dankbar für diesen Tag. Und dankbar auch für dieses jetzt geänderte Museum. Es ist ein wichtiger Ort, ein zu wenig beachteter Ort. Und meine Gefühle haben sich auch etwas geändert. Ich kann zwar noch immer unvoreingenommen mit diesem Teil der Alliierten umgehen, dennoch ist es meine Geschichte. Und naja, die muss ich wohl akzeptieren.

3 Comments

  1. Peter Zacharias Peter Zacharias

    Es heißt "das Verdienst".

  2. Na, wenn es weiter nichts ist…

  3. Hallo Juna,

    despite of all:
    Wenn ich so RICHTIG mies drauf bin, sehe ich mir die Siegesparade in Moskau (gedreht im Juni 1945) an.

    Danach geht es mir besser.

    Liebe Grüße aus dem grauwolkigen Biosphärenreservat schicken der gesundeten Juna:
    Bommel und der Schammes

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