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Alle sind schlecht, aber wir sind anders…

..oder so ähnlich. Nun, ich schleppe jetzt schon eine Weile etwas mit mir herum, was mich beschäftigt. Die endgültig auslösende Episode: 27. Januar, Veranstaltung Holocaustgedenktag. Offensichtlich auch Juden nicht inkognito anwesend. Es ist keine Veranstaltung der Gemeinde. Ja, dieser Mann scheint das Gedenken gut zu finden, es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, wohin die Diskriminierung führen kann, wohin Vorurteile, Rassismus letztendlich führen kann. Das Zauberwort, der aufgerichtete Finger heißt Auschwitz. In den Tagen um den 27. Januar wird mehr erinnert, mehr geprochen…ich halte nichts von aufgesetztem Erinnern, aber wie dem auch sei. Letztlich geht es darum, dass wir uns alle erinnern, wie es begann und wohin es führen kann. Ist dem nicht so.
Nun ja, Veranstaltung zu ende, Plaudereien. Ich höre, wie eben dieser Mann von seinem Leid erzählt, seiner Familie, seinen Erinnerungen damals und auch in der Zeit nach ’45. Ein Grundzug geht durch die Erzählung: Opfer, Mahner, Erinnerer… die Traube um den Zeitzeugen löst sich auf. Er spricht offensichtlich privat unter Freunden…wie die Türken alles schlechter machen, was es für eine Schande sei, ausweisen müsse man sie. Nur Kriminelle, berauben einen….ich höre es im Hinausgehen – und ärgere mich, dass ich nicht umgekehrt bin.

Was ist hier passiert? Wir sind nicht perfekt, nur, weil wir Juden sind. Wir haben genau die selben Vorurteile, Ängste, Gedanken, wie jeder andere auch. Wahrscheinlich noch mehr Ängste, wieder Opfer zu werden, als der Durchschnittsbürger. Aber wenn wir mahnen, wenn wir uns als lebende Mahnung hinstellen gegen Diskriminierung, gegen Verallgemeinerung, gegen all das, was am Anfang stand, dann sollten wir auch selbst nachdenken, was wir sagen. Gab es ein konkretes Ereignis für seine offensichtlich Abscheu Türken gegenüber oder ist er schlicht irgendwelchen Meinungen unterlegen. Hat nicht reflektiert. Ich vermute, wie es immer ist, ein einzelnes unangenehmes Erlebnis, vielleicht auch nur Hörensagen…um es gleich über alle zu brechen. Genau das sollen doch Menschen aber nicht tun, genau hier soll das Denken beginnen. Nein, wir sind keine besseren Menschen, aber manchmal erwarte ich zumindest von unsereins, aus der Geschichte gelernt zu haben. Es gibt nicht DIE Türken, DIE Deutschen, genauso wenig wie DIE Juden. Wenn ich ein Problem mit jemandem habe, dann doch nur mit der konkreten Person. Und wenn der zufällig Italiener ist, dann ist er ein Idiot, aber doch andere Italiener nicht. Wie dusselig ist das denn? Ja, ich schreibe mich schon wieder in Rage. Und ärge mich, mich nicht umgedreht und hinterfragt zu haben. Das nächste Mal werde ich es tun…

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