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Gewalt in der Schule…

Gerade schalte ich den Fernseher ein und lande auf arte auf einer Sendung genannt „Der Blogger“ Eine Woche lang, kann man sich diese Sendung dort auch ansehen. Thema, Gewalt in der Schule.

Es hat mich zum Denken angeregt. Jeden Tag sehe ich die Schule, in die ich einst eingeschult wurde und nein, ich habe alles andere als gute Erinnerungen an Schule, an Lehrer. Diese Schule hier ist noch harmlos im Vergleich zu dem, was später kam. Daher bin ich versöhnt. Und dennoch frage ich mich gerade, wenn ich solche Sendungen entdecke und über mich selbst nachdenke, wann denn die Gewalt für mich begann.

Ich war immer irgendwie Außenseiter, auch in Krippe und Kindergarten. Gestört hat es mich nicht. Ich weiß noch immer, dass ich sehr froh war, wenn ich irgendwo in einer Ecke vor mich hinbasteln konnte und ich wurde auch nicht bloß gestellt wegen dieser Eigenarten. Offensichtlich war „meine“ Erzieherin damals doch schon etwas anders… Dann kam die Schule. Da ich nicht in den Kindergarten ging, der eigentlich für mich zuständig war, ging ich mit nur wenigen bekannten Gesichtern auf den Schulweg…bzw. sah sie in der Schule wieder. Mein Einschulungsfoto zeigt, dass ich Hand in Hand mit einem anderen Jugen stand. Alexander. Und auch dort war ich wieder Außenseiter. Individualität in einer DDR-Schule war nicht möglich. Da saß also dieses seltsame Kind, das sich wunderte, was es dort sollte und dem alles nicht schnell genug ging und die Lehrerin damals schon relativ kurz vor der Rente konnte damit nichts anfangen. Es passte nicht ins Bild, dass ich die letzten Seiten der Fibel las…anstatt mich mit einzelnen Buchstaben rumzuquälen, die ich doch längst schon konnte. Nun ja, sie fand auch bald mein „Manko“: ich schrieb viel, aber links. Immer wieder kam sie, nahm mir den Stift aus der Hand und steckte ihn in meine rechte. Sobald sie weg war, nahm ich ihn wieder in die linke. Nicht aus Trotz, einfach nur, weil es doch einfacher war. Ich versuche noch immer zu verstehen, warum und weiß, nun, sie war aus einer anderen Zeit, sie konnte nicht wissen, was daraus werden wird. Aber auch sie konnte wissen, dass es nicht gut ist, mir den linken Arm an den Stuhl zu binden, so dass ich ihn nicht mehr nutzen konnte. Sie hat es geschafft, ich schreibe mit rechts… und ich weiß heute, nach sovielen Jahren, dass diese Umprogrammierung Einiges bei mir zerstört hat. Ich mache ihr keine Vorwürfe (mehr), aber sehe es doch inzwischen als den Anfang der Gewalt in meinem Schulleben. Nach zwei Jahren verließ ich die Schule, auf eine, auf der ich mehr gefordert sein würde. Ich wurde es, aber anders… Es folgten Jahre von Demütigung, Schlägen, Vertrauensverlust. Habe ich mich je davon erholt? Nein, nicht wirklich. Habe ich etwas daraus mitgenommen? Ja, ich bin ein Kämpfer und ich vertraue niemandem sehr schnell.

Meine Geschichte ist keine besondere. Es gibt genug Kinder, denen es so ging, geht und gehen wird. Aber etwas hat sich geändert. Die Gewalt gegen die Lehrer hat zugenommen. In der besagten Sendung sprach jemand davon, dass die Kinder heute sehr wohl über ihre Rechte bescheid wüßten und diese vehement einforderten, aber dabei vergessen, dass sie auch Pflichten hätten.

Die Situation der Lehrer heute kann ich nicht mehr mit meiner Schulzeit vergleichen. Bei mir war es ein bewusstes Hinwegsehen und heute, heute werden Lehrer selbst angegriffen, wenn sie versuchen, einzugreifen. Ich bin zwiespältig. Versuche zu verstehen, woher die Sprachlosigkeit kommt, versuche zu ergründen, warum Gewalt sein muss. Ich weiß, es ist ein unsinniges Unterfangen. Ich werde die Antwort nicht finden. 

Dennoch, als Resümee: ich hätte mir eine andere Kindheit gewünscht, eine andere Schulzeit, aber diese war im falschen Land in einer falschen Zeit. Dennoch bin ich überzeugt, dass Menschen wie wir keine Opfer sind, nicht bleiben müssen und vor allem haben wir mehr in uns als die Täter. Ich weiß gar nicht, woher ich diese Gewissheit nehme, aber irgendwie weiß ich einfach, dass es traurige Gestalten sind, ärmliche Kreaturen und irgendwann wird all das zurückfallen…

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