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Begegnung der dritten Art

Ein paar Tage vor dem 9. November auf dem Alexanderplatz. Ich schaute mir dort (endlich) die Ausstellung zum Mauerfall an. Immer scheue ich mich doch etwas an solche Orte zu gehen. Eine Mischung aus Gefühlen stürmt dort auf mich ein, die ich oft nicht bewältigen kann. Das Erinnern, anders erinnern als die Ausstellungsmacher, die bekannten Gesichter dieser meiner Kindheitszeit und das Wiederentdecken der Fähigkeiten, zwischen den Zeilen zu lesen. Der Galgenhumor dieser Zeit. All das lang vergraben, nicht mehr gebraucht.

Ich streunte also etwas über den Platz und sah ein paar Aufkleber auf Säulen. Aufkleber, wie man sie immer mal sieht und die ich oft, so sie gewissen Inhalt bergen, versuche abzureißen. Diese Aufkleber aber verschlugen mir die Sprache. Sie riefen zum Ende des gemeinsamen Deutschlands auf. 20 Jahre seien genug. Nun möge man denken, naja, lass sie reden. Die Gruppe aber, die diese Aufkleber verbreitet ist noch immer bekannt und was mich doch überraschte: aktiv. Die Gruppe heißt FDJ – Freie Deutsche Jugend. Nein, ich werde jetzt nicht auf deren Seite verlinken. Man möge selbst suchen.

Dann sah ich ein Transparent aufgestellt, zwei Jugendliche, der eine noch ein Kind davor.

Auf Nachfrage, was dieses bedeuten soll. Wurde mitgeteilt, dass das vereinte Deutschland eine Gefahr für die Welt sei, da der Militarismus in ihm gefährlich sei. Die Mauer wurde errichtet, um das „gute“ Deutschland vor dem „bösen“ zu schützen. Man habe zwei Zeitungsausschnitte ausmachen können, in denen selbst der US-Außenminister zum Bau einer Mauer aufgerufen hätte. Diese Artikel allerdings konnte man nicht vorweisen. Kurz und gut. Da stehen also zwei Kinder und plappern etwas nach, sie denken nicht nach. Wissen nicht wie gut es ihnen heute geht und glauben allen ernstes, was sie dort von sich geben. Die Mauer wurde zum Schutz der Menschen in ihr gebaut. Warum dann aber soviel flüchten wollten, konnten sie auch nicht sagen. Vermutung: Beeinflussung durch den Westen.
Ich bin einiges gewöhnt. Habe genügend Sitzungen der Altkader erleben dürfen. Applaus für die Grenzsoldaten, die heldisch Menschen erschossen, die doch nur in Freiheit leben wollten. Ich habe erlebt, wie die alten Seilschaften selbstverständlich weiterfunktionieren. Heute noch besser, da die Ex-SED gesellschaftsfähig geworden ist. Ich habe junge Linke erlebt, denen die SPD nicht mehr links genug war…aber das, das kannte ich noch nicht. Ich hoffe sehr, dass diese Kinder erwachen. Anfangen selbst zu denken, zu hinterfragen, helfen, diesen Staat hier besser zu machen anstatt sich nach etwas zu sehnen, was sie (glücklicherweise) nicht mehr kennenlernen mussten.

Achja, eine Frage hat mich eigentlich schon damals in der Schule beschäftigt. Ich hatte sie etwas anders gefragt und bin beinahe von der Schule geflogen. Dass Konzept der DDR Jugendorganisationen geht sehr parralel zu dem der HJ. Das ist nicht wiederlegbar. Aber warum bitte, hat die FDJ quasi das Emblem der HJ nur mit anderen Farben übernommen: Die aufsteigende strahlende Sonne?

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