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Acht Jahre

Vor acht Jahren war ich am morgen noch zuhause. Vor acht Jahren bereitete ich mich auf die Öffnung des Jüdischen Museums für die Öffentlichkeit vor. Vor acht Jahren sollte es am Nachmittag geöffnet werden. Vor acht Jahren brach unsere Welt zusammen, alles änderte sich. Das Museum wurde nicht eröffnet. Anrufe gingen ein, ob man gesund sei. Angst griff um sich, denn schon am ersten Tage wurden Verschwörungstheorien laut. Vor acht Jahren verlor das Leben irgendwie seine Unschuld. Die Freiheit, die gerade einmal zwölf Jahre alt war (zumindest im Osten), die Freiheit wurde erstickt und ich begann wieder diese Beklemmung zu spüren. Diese Beklemmung, die uns als Kinder schon eingetrichtert wurde. Diese Beklemmung von Atombomben, Welten, die sich hassen, Menschen, die sich nicht trauen…All die Hoffnung, diese doch irgendwie plötzlich vorhandenen unbekannten Weiter, diese Welt, die so unbegrenzt schien, war plötzlich wieder eingegrenzt, umzingelt. Panzer standen vor dem Museum, vor den Synagogen. Die Sicherheit wurde hochgefahren… vor acht Jahren änderte sich alles.
Ja, man gewöhnt sich daran, man geht damit um…ich habe mir nicht verbieten lassen, in die USA zu fliegen. Ich habe damit gelebt, verurteilt zu werden, nur, weil der Mann, den ich damals liebte Amerikaner war. Gesagt habe ich es aber sehr selten. Ich konnte es nicht ertragen… wegen eines Passes in eine Kategorie geworfen zu werden, werde ich nie verstehen.
Die Jahre gingen vorbei, alles schien Alltag zu werden. Dennoch, eine gewisse Paranoia empfinde ich heute noch….Vielleicht liegt es daran, dass ich hier im „Zentrum der deutschen Macht“ lebe… ich weiß es nicht. Eine heile Welt war die meine nie. Ich erwarte es auch nicht mehr. Aber dennoch, vor acht Jahren ist die, die vor 20 Jahren aufging, untergegangen und ich musste mich wieder an eine neue Welt gewöhnen. Wir alle mussten es.

Und nun kommt dieser Schabbat, der vor Rosch Haschana, Noa hat heute so schön darüber geschrieben… so richtig fröhlich kann ich nicht sein. Die Kerzen heute Abend werden wohl nicht ganz so froh flackern. Sie sind aber dennoch ein Zeichen, ein Zeichen für mich, an was ich glaube: Frieden.

Schabbat Schalom.

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