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Sinkende Gemeindezahlen

Irgendwo habe ich neulich gelesen, dass die Zahl der Juden in Deutschland wieder im Sinkflug ist. Nun, neu ist das nicht. Daher war ich etwas überrascht, dass das so erstaunt aufgenommen wurde. Es war doch klar, dass die hohe Zahl der älteren Zuwanderer, die ja m.E. den Großteil ausmachte, irgendwann wieder abnehmen wird. Daher ja auch mein Erstaunen, von immer wieder neuen Bauten von riesigen Synagogen, die letztlich leer bleiben, vielleicht gerade mal zu den Feiertagen einen Minjan zusammen bekommen. Aber klar, die Stadt/ Gemeinde kann sich schmücken, der Architekt kann auch eine Synagoge in ihr Portfolio übernehmen und die Bürgermeister können man wieder sagen: „Wer baut, bleibt…“.

Vielleich nähern wir uns nun einfach mal nur der Normalität an. Vielleicht bringt das Überlegungen in den Gemeinden ein, wie man Mitglieder halten kann, vielleicht werden die kleinen Gemeinden wieder schließen müssen. Und auch, wie glaube ich Julius Schoeps gesagt hat (bitte korrigieren, wenn es jemand anderes war), dass letztendlich eine Konzentration auf größere Gemeinden folge wird. Ja, was heißt dann das? Wenn die kleinen Gemeinden aussterben werden die Häuser bestimmt auch wieder zu „Begegnungsstätten“ und Jüdischen Museen umgebaut. Irgendwie fühle ich mich in ländlichen Gebieten ja auch schon wie ein Museumsobjekt. Die Tendenz von Juden in der Vergangenheit zu sprechen ist ja schon groß, ich vermute, sie wird noch größer werden. Sind wir doch mal ehrlich, wer rechnet schon damit außerhalb von jüdischen Netzwerken, auf Juden zu treffen? Womöglich sogar noch auf einen, den man (noch) nicht kennt? Ich bin selbst überrascht. Neulich z.B. war ich auf einem Ausflug. Wir waren eine recht große Gruppe, zusammengesetzt aus diversen Freundeskreisen, so dass man sich nicht viel kannte. Und währenddessen stellt sich heraus, daß ungefähr 1/4 von uns Juden waren. Und ja, ich war erstaunt. Habe mich nicht „geoutet“, aber etwas schmunzeln mußte ich auch über meine eigene Reaktion. Überraschung.

Ja, und hier in Pankow habe ich neulich beim örtlichen Buchladen noch mehr Bücher, neue Publikationen zum Jüdischen Pankow entdeckt…aber eben alles Vergangenheit. Herrje…es gibt uns doch hier auch. Macht doch mal einen Kabbalat Schabbat in der Synagoge im Waisenhaus und ladet alle nordberliner Juden ein. Da kommt bestimmt was zusammen. Ja, ich weiß, unabänderliche Optimistin. Da fällt mir ein, ich mache mich schon mal auf den Weg dahin, wer kommt noch? Wir treffen uns in der Bibliothek darunter.

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4 Comments

  1. Westberliner Westberliner

    Hallo Juna,
    Danke erstmal für die vielen interessanten Artikel, die ich bei dir schon lesen durfte. Nur aus Neugier heute eine Frage. Warum hast du dich in der Gruppe nicht geoutet, wenn es doch 1/4 der anderen auch getan hat? Oder habe ich dich da falsch verstanden?
    Viele Grüße und immer weiter so! Ich freue mich schon, mehr von dir zu lesen!

  2. Hallo Westberliner,

    danke für das Kompliment. Judentum war kein Thema in dem Gespräch, oder wer jüdisch sei. Es war eher nur in Nebensätzen gefallen…. wenn die Frage gewesen wäre, wer und wer nicht, hätte ich mich schon "geoutet".

  3. Westberliner Westberliner

    Verstehe. Danke dir für die Aufklärung. Ich wollte dir auch gar nicht zu nahe treten, versteh mich nicht falsch. Hatte mich nur interessiert, warum es selbst unter gleichen vielleicht besser ist, sich nicht zu outen. Aber wenn es sowieso kein Thema war, warum dann herausposaunen. Klar.

  4. Naja, manchmal möchte man sich auch nicht outen. Vielleicht vergleichbar mit der Erkennensfreude im Ausland gegenüber Landsleuten. Mit manchen möchte man einfach nicht in Kontakt kommen.
    Das war aber diesmal wirklich nicht der Fall 😉

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