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Expertengremium Antisemitismus

Nun, da liest man nichtsahnend die Nachrichten und stolpert dabei über einen Bericht, dass nun ein Expertengremium aus zehn Personen zusammengebracht wurde, das nun regelmäßig berichten soll. Das Ganze wurde wohl im letzten Jahr anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht beschlossen und nun (endlich?) umgesetzt.
Alles ganz gut, aber! Ja, meine Aber kommen immer etwas später…in diesem Fall mit Sicherheit auch sehr ungerecht. Aber letztlich ist es doch so, dass diese Experten mit ihrem profunden Wissen quasi betriebsblind sind. Wenn ich z.B. in einer einschlägigen Einrichtung arbeite, dann bin ich quasi automatisch „Opfer“ von antisemitischen Pamphleten. Mir ist das nicht nur durch meine ehemalige Arbeit klar geworden, sondern vielmehr durch eine kleine Ausstellung vor etlichen Jahren im Jüdischen Museum. Anlass war hier glaube ich die Möllemann Geschichte. Ausgestellt waren Briefe an den Zentralrat und ich glaube von an eine Zeitung… es war fürchterlich… und dann in meiner Arbeit…Briefe, Reaktionen, wenn man sagte, wo man arbeitet…man wird sofort in eine Schublade gesteckt und klar, in Jüdischen Museen arbeiten ja auch nur Juden, wer auch sonst? Bei so vielen jüdischen Museen in Deutschland dürfte es daher gar keine Arbeitslosigkeit unter den Juden geben ;-)…aber ich schweife ab.
Mein Gedanke war dahingehend, dass ich Antisemitismus persönlich bis eben zu der Arbeit an einschlägigem Ort nicht erlebt habe. Nun hänge ich mein Judentum auch nicht mit Schild an mich heran… ich weiß auch, dass ich wohl Glück gehabt habe… aber wie steht es denn in der realen Welt? Einfach mal nur ganz normale Juden? Wird das gefragt? Ist jemand schon mal von „Experten“ befragt worden? Oder wird einfach quasi über unsere Köpfe hinaus entschieden, bestimmt, vermutet, wie groß der Antisemitismus wirklich ist? Wer geht inkognito an die Stammtische und lauscht dort?
Wie wird die „normale“ nichtjüdische Bevölkerung überhaupt betrachtet? Gibt es dann Umfragen?

Ich bin mal sehr gespannt, was bei diesen Berichten herauskommen wird, wie sie erstellt werden…oder ob doch alles im Sande verläuft. Vielleicht weiß ja jemand im Netz mehr darüber? Ich hoffe sehr, etwas mehr zu erfahren. Momentan bin ich noch sehr skeptisch. Denn Berichte allein ändern nichts.

2 Comments

  1. Anonym Anonym

    Ich hatte in der Schule ziemlich mit Antisemitismus zu tun. Ich hab in der Oberstufe Religion anstatt Philosophie gewählt und da mussten wir in der ersten Stunde sagen welcher Religion wir angehören. Ich sagte, ehrlich wie ich bin, dass ich rein technisch Jüdin bin, aber nicht speziell religiös erzogen worden bin, ich deshalb auch Religionsunterricht wählte, um generell mal was über Religionen zu lernen. Danach war aber die Hölle los. Ich hielt Gymnasiasten, egal welcher Religion, für tolerant und einigermaßen intelligent. Ich lag aber falsch. Die, die sich im Unterricht als katholisch bezeichneten ließen mich größtenteils in Ruhe. Das Problem waren die, die Muslime waren. Für die war ich dann nur noch "Die Jüdin". Meinen Namen schienen sie komplett vergessen zu haben. Mein Religionslehrer hat das mitbekommen, aber nichts unternommen, obwohl sich die Schule öffentlich sehr stark für die Aufarbeitung der Geschichte engagierte, inkl. Stolperstein vor der Schule.
    Ich weiß nicht ob die Lehrer Angst hatten, denn der größte Teil der Schüler hatte einen muslimischen Hintergrund oder obs die Lehrer nicht weiter interessiert hat. Ich hab versucht es weitestgehend zu ignorieren und hab die Stunden im Politikunterricht bei denen es um den Israel/Palästina Konflikt ging einfach mal geschwänzt. Ich hatte zu wenig Lust als "die Jüdin" im Hexenkessel zu sitzen.
    Ob ein "Expertengremium" sowas allerdings mitbekommt, wage ich zu bezweifeln.

  2. Na, da offensichtlich der Lehrer das schon nicht mitbekommen wollte… aber sowas kenne ich auch, zwar politisch und aus anderer Zeit. Ich denke, dass Lehrer einfach nicht gut genug geschult sind für diese Situationen und ihnen lieber aus dem Weg gehen, als selbst Probleme zu bekommen. Aber es wäre ja auch mal Eigeninitiative gefragt, es gibt Weiterbildungsangebote, auch Programme für Klassen mit gerade dieser Problematik…das alles aber kostet eben Initiative…

    Danke Dir, dass Du Deine Erfahrung geteilt hast.

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