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Pessachflucht

Ich mußte gestern bei Annas Beitrag etwas schmunzeln. Und tatsächlich, die Flucht hat eingesetzt. Es sind deutlich mehr Israelis in der Stadt unterwegs, wie übrigens jedes Jahr zu Pessach und den Hohen Feiertagen. Flucht vor der koscheren Umgebung? Flucht vor dem „Mazzezwang“? In der Tag ist Berlin wirklich alles andere als koscher, wie es sein sollte. Aber wir wissen doch, was sich hinter den Wanden abspielt. Ich lese von Putzerei, von geradezu wunden Händen… und kann nicht behaupten, daß es bei mir auch der Fall wäre. Mein letztes Chametz wird morgen mit dem Frühstück verzehrt sein. Frühjahrsputz ist auch schon längst gemacht…. und eine Kochorgie steht mir (glücklicherweise) nicht bevor. Es wird ruhig werden, entspannt…

Die Flucht allerdings besteht doch in zwei Seiten. Die einen fliehen, da sie offensichtlich nichts mit Pessach zu tun haben wollen. Warum sie es dann nicht einfach nur so verweigern, sondern außer Landes gehen verstehe ich noch nicht ganz… und die anderen fliehen vor der Putzerei und mieten sich schlicht für die Tage in ein Hotel ein, das den entspechenden Service bietet. So gleicht sich alles irgendwie aus, oder?

Und ich in meiner Bredouille, ja, ich habe noch Mazzoth bekommen und freue mich seltsamerweise auf meinen Mazzeauflauf. Na, es gab ihn ja schon ein Jahr nicht mehr. Das Carepaket aus den Staaten steht noch aus. Man ist besorgt, daß ich hier verhungern könnte. Es erwartet mich vor allem eines: Kuchenmischungen… die werden eh erst wieder nach Pessach vertilgt. Lecker sind sie allemal. Für mich ist diese Zeit aber letztlich nur eines, Erinnerung daran, wie gut es uns geht. Zu oft vergessen wir das. Und ich sage immer wieder. Der erste Biss in ein gutes Brot nach dieser Woche ist das schönste, was man sich wünschen kann…hach ja…

4 Comments

  1. PESSACH CHAG SAMEACH und viele gute wuensche. leider bin ich hier im moment nicht so oft zu gast. aber das wird sich bestimmt wieder aendern.

    herzliche gruesse,
    der grenzgaenger

  2. Darf ich ganz unhöflich fragen, was ein „Mazzezwang“ ist? Ich bin mit jüdischen Sitten und Gebräuchen nich sehr vertrauet. Aber das is ja auch kein Wunder, bin ich doch weder Jude noch Christ.
    Für einen kurzen Hinweis -irgendwie- wäre ich Dir sehr dankbar.
    Es grüßt herzlich, zu welchem hohen Feste auch immer, Thialfi

  3. Unhöflich ist die Frage keineswegs. Daher der Versuch einer Kurzerklärung und gleich noch Relativierung zum Thema Zwang. Während Pessach darf weder gesäuertes Brot noch anderes, was gehen könnte (Mehl, Hülsenfrüchte, Reis) bei den mitteleuropäischen Juden gegessen werden. Mazzen zu essen allerdings ist nur für die ersten beiden Abende vorgeschrieben. Da man aber schon was brotähnliches zwischen die Zähne bekommen möchte, wird es meist die ganze Woche gegessen – in allen möglichen Varianten…

    Ich hoffe, das beantwortet kurz Deine Frage.

    Herzlich, Juna

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