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Bashert is bashert (?)

Vor ein paar Jahren nahm ich an einem Gespräch mit einem (liberalen) Rabbiner zum Thema Beziehungen teil. Tenor war, daß man tunlichst einen jüdischen Partner finden solle, da man sonst davon ausgehen könne, daß die Sprößlinge letztlich die eigene Religion verlassen würden – und man selbst auch, da man nicht mehr den Aufwand betriebe… Nicht nur ich war etwas irritiert, dennoch, es war die Erfahrung dieses Rabbiners. Im vergangenen Jahr nahm ich an einem anderen Treffen mit einem anderen Rabbiner zum Thema gemischte Beziehungen teil – dort wurde einfach nur die Tatsache angenommen, daß dies die Realität sei. Es sei erstrebenswert, einen jüdischen Partner zu finden, aber manchmal (oder doch oft) schlicht nicht möglich. Man müsse also gemeindeseitig Wege finden, diesen Menschen weiterhin ein religiöses zuhause zu bieten. Etwas, was nicht nur hier in Deutschland selten der Realität entspricht. Und es wurde ausgesprochen, was mich schon länger rumtrieb. Reicht es wirklich, daß die Religion die Gemeinsamkeit ist, soll nicht viel mehr da sein? Ich sehe die Theorie, ich sehe die Praxis. Ich sehe, die Qual, der Partnersuche, da man sich von vornherein einschränkt. Für Männer ist es oft unvermeindlich und ich selbst habe leicht reden… wir Frauen wissen ja, daß unsere Kinder Juden sein werden…Ich denke dennoch, daß sich Kinder so oder so selbst entscheiden werden. Ob sie nun in einem traditionellen oder säkulären Elternhaus aufwachsen. Daher gilt für mich nicht als Argument, allein wegen der möglichen Kinder nach einem jüdischen Gegenstück zu suchen.

Was aber tut man, so man sich entschließt nur innerjüdisch auf Partnersuche zu gehen? Man schaut sich in der Gemeinde um, man schaut sich in anderen Gemeinden um – und wird bald feststellen, daß man immer wieder die selben Gesichter sieht, die selben Empfehlungen bekommt. Man entschließt sich, weltweit zu suchen – und muß dann irgendwann entscheiden, wer seine Heimat verläßt…Für die bequeme Suche und erste Kontaktanbahnung gibt es diverse Seiten wie das lang bekannte JDate, Angebote für fromme Juden, Angebote für allerlei Varianten… und sogar eine deutsche Seite. Letztere habe ich auf meiner Seite verlinkt, da sie mir so wunderbar entspannt erscheint…. Es scheint so, daß der Markt auch hier in Deutschland wächst.

Ich sehe meine Freunde, geradezu verzweifelt auf der Suche, sehe seltsame Dates – alles vor dem Hintergrund, den passenden jüdischen Partner und wenn schon nicht passend, doch zumindest jüdisch, zu finden und wundere mich. Ist dieses Ideal wirklich so ideal? Natürlich kann der Hintergrund, daß man sich nun schon einmal gefunden hat und ganz gut miteinander auskommt, über manche Krise hinweghelfen – es kann aber auch Auslöser für Krisen sein. Gefangen in einer Beziehung, die eigentlich nur existiert, weil man (letztlich zufällig) von bestimmten Eltern geboren wurde.
Ist nicht anderes viel wichtiger? Ist es wirklich so entscheidend, ob der Partner beschnitten ist? Ist es nicht viel wichtiger, jemanden zu finden, den man liebt, der einen selbst liebt, einen nimmt, wie man ist und damit auch man vielleicht von außen seltsam anmutende Tradition. Ja, es kann nerven, wenn man alles quasi vom Urschleim an erklären muß, aber das ist erklären, nicht rechtfertigen. Und letzteres kann man in gemischten Beziehungen nicht weniger als in jüdischen finden. Wenn ich in mir selbst bin, mit mir im reinen, dann kann ein nicht jüdischer Partner keine Gefahr welcher Art auch immer sein. Ja, die K-Frage sollte geklärt sein, aber zunächst mit einem selbst. Was will ich? Wie will ich es?

Sucht doch einfach einen Menschen, der Euch wirklich liebt, wirklich interessiert an EUCH ist und nicht, wer den schönsten Tallit hat. Und so Ihr Euch entscheidet, den Weg zu gehen und nur in unserer (kleinen) Welt Ausschau zu halten, dann ist es Eure Entscheidung. Ihr könnt niemanden dafür verantwortlich machen, wenn Ihr niemanden findet, wenn Ihr unglücklich seid, mit einem Menschen, der eigentlich nicht der Richtige ist. Das ist nich fair – niemandem gegenüber.

Mache ich den Eindruck, ich sei zu romantisiert? Vielleicht. Ich habe inzwischen meine Erfahrungen gesammelt. Ich lasse das Leben auf mich zukommen. Seltsam ist letztlich nur, daß die Beziehungen mit jüdischen Männern problematischer waren als die mit Nichtjuden. In dem eingangs erwähnten Termin mit dem zweiten Rabbiner war das überraschenderweise (für mich) Konsenz bei allen Teilnehmern.

Also, ein Hoch auf die Liebe. Möge sie Glück bringen, traurig machen, verzweifeln, schweben, all diese kleinen großen Gefühle, die es wert machen – das Leben. Aber laßt sie zu… und vor allem liebt Euch selbst bevor Ihr andere lieben wollt.

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8 Comments

  1. Hi,

    ich lese ja inzwischen regelmäßig mit, weil ich mich als Produkt einer „Mischehe“ mal nicht abgelehnt fühle … 🙂

    Gibt es von dem zweiten erwähnten Treffen zufällig einen offiziellen Bericht, den ich lesen könnte? Das wäre toll!

    Lg aus Frankfurt,

    Sarah

  2. Hallo Sarah,

    nein, leider gibt es davon keinen offiziellen Bericht. Aber es gibt auch Rabbiner, die die Realität erkennen – und verstehen, daß man daraus das Beste machen muß.
    Also: bloß nicht unterkriegen lassen!

    Liebe Grüße,
    Juna

  3. Anonym Anonym

    Ich verstehe die Bestärkung nicht ganz. Die Frage ist doch, warum jemand, der halachisch nicht jüdisch ist, und vom Judentum nicht mehr will als ein paar kulturelle Bereicherungen (die kann man nämlich auch sehr gut ohne Anerkennung genießen), unbedingt von einer jüdischen Instanz als sozusagen jüdisch anerkannt werden will… was ist das psychologischen Muster dahinter?
    Die Frage ist auch, inwieweit die Strömungen durch immer mehr driften an die Ränder – und damit meine ich sowohl die Orthodoxie als auch die liberalen Strömungen – jemals einen gemeinsamen Nenner finden möchte. Ich habe das Gefühl, es wird eigentlich überhaupt nicht richtig reflektiert, was es bedeutet, jüdisch zu sein. Hauptsache jemand gibt einem den Stempel und dann steht auf der Packung „jüdisch“. Ist das cooler? Ist es das?
    Auch hier gilt die Frage: warum nicht das sein, was man ist: Nichtjude mit jüdischem Vater/ Herkunft. Warum so erpicht darauf, als Jude zu gelten – was wollt ihr denn FÜR das Judentum tun (nämlich euch unter die Prämissen des Judentums einzuordnen), oder wollt ihr nur etwas VOM Judentum (nämlich daß es euch nach EUREN Vorstellungen anerkennt?)

    Ganz einfach mal – vielleicht etwas provokativ – als erstgemeinte Frage in den virtuellen Raum geworfen.

    Trotzdem nichts für ungut!

  4. Ich verstehe den letzten Beitrag nicht ganz, warum gehen Sie davon aus, daß es sich grundsätzlich um einen jüdischen Vater handeln muß? Nichtanerkennung erfolgt auch zur Genüge bei einer nur jüdischen Mutter. Ja, nicht halachisch, aber emotional. Ich weiß nicht, wie es bei Sarah aussieht, aber diese Geschichten kenne ich genügend. Man ist eben kein ganzer Jude, obwohl man es doch ist… Und selbst wenn man nur den jüdischen Vater hat – man wird von keiner Seite mehr anerkannt. Für die einen ist man Jude für die anderen nicht…irgendwann meint man dann vielleicht, sich entscheiden zu müssen. Welchen Weg man geht, ist jedem selbst überlassen. Und ich denke nicht, daß es darum geht, cool zu sein. Ein Gijur erfolgt m.E. sehr viel Ausdauer, Selbstreflektion, Energie…ein Weg, den nur wenige bis zum Ende gehen.

    Es gibt auch halachische Juden, die kritisch sind, die hinterfragen…vielleicht gibt es hier noch zu wenige…. Mal so ganz provokativ in den Raum gestellt 😉

  5. Anonym Anonym

    Ich versuche mal, mich peu a peu durch Deinen Beitrag zu lesen (er spricht sehr viele Sachen an und ist nicht so klar verständlich:
    Auf Sarah’s Blog ist ersichtlich, daß es dort die Problematik der Kinder, die „nur“ einen jüdischen Vater haben handelt. Wenn man in dieser Situation ist, ist man halachisch nicht jüdisch, das ist eine ganz klare Angelegenheit. Hier hilft nur ein Giur (der nicht immer so lange dauern muß, aber die Entscheidung dazu muß konsequent sein und als erstes muß man sich eingestehen, daß man eben nicht jüdisch ist und man von anderen eine Anerkennung nicht verlangen kann).

    Wer eine jüdische Mutter hat, ist jüdisch, mit oder ohne Emotionen.

    Bei Kindern mit einer nichtjüdischen Mutter und einem nichtjüdischen Vater verweisen, kann – trotz halachisch einwandfreiem Status – ein Identitätsproblem auftreten. Das hat dann weniger damit zu tun, wie man von der Umwelt betrachtet wird, als damit, wie sehr man sich selbst tatsächlich als jüdisch (oder nichtjüdisch) versteht.

  6. Anonym Anonym

    „Bei Kindern mit einer nichtjüdischen Mutter und einem nichtjüdischen Vater verweisen, kann – trotz halachisch einwandfreiem Status – ein Identitätsproblem auftreten.“

    Entschuldigung – es muß natürlich „Bei Kindern mit einer jüdischen Mutter“ heißen. Maiverwirrung?

  7. Noa Noa

    Also, das habe ich mich selbst schon gefragt, : was habe ICH denn dem Judentum zu geben, was hat das Judentum von MIR?
    Ich bekomme ganz ganz viel und fuehle mich heimisch und wohl, daher habe ich auch giur gemacht. es war nicht einfach und hat ca. 2 1/2 jahre gedauert, vom antrag bis zur Mikwe, Und da ich schon 50 bin, habe ich mir immer eine frage gestellt: WARUM JETZT? und eben: Was kann ich dem Judentum bieten? denn eins steht fest: ich habe 2 Toechter und die sind christinnen und erwachsen. ich werde keine Kinder mehr bekommen, als werde ich auch nichts weiter geben koennen. Ich kann keine Kinder „anleiten“ und erziehen im juedischen glauben und ihn so auch nicht weiter geben. wenn ich sterbe ist es so, dass ploetzlich das judentum mit mir auftrat, und dann – nach meinem Tod genauso schnell wieder fort ist.
    was also ist der SINN dass ich Giur gemacht habe?
    Ein Rabbi sagte mir mal dazu: Du weisst nie, WARUM dich g-tt dorthin gefuehrt hat, und WEM du vielleicht doch noch was geben kannst… es muessen keine Kinder sein, vielleicht sind es Bekannte, denen du mit deinem Juedischen leben etwas gibst, die durch dich etwas sehen und lernen.. wer weiss? Aber sei gewiss, dass es einen Sinn hat!
    Nun, cool finde ich es nicht, und doch bin ich dankbar, dass ich Juedin bin, dankbar, dass ich diesen Weg gefuehrt wurde, weil er fuer mich der einzig „wahre“ und „richtige“ Weg ist.
    Noa

  8. Noa Noa

    Ach ja noch zum Verstaendnis: ich habe Giur gemacht OHNE juedischen Vater und OHNE juedische Mutter. Es gab keine – jedenfalls nicht dass ich wuesste – Verbindungen zum Judentum in der Familie.
    Noa

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