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Es muss einfach raus…

Ja, irgendwie muss es jetzt mal raus, ich muss es loswerden:

Berlin ist hip, Berlin ist in, Berlin wird von Stars und Möchtegernen aufgesucht. Alles schön und gut. Ja, ich verstehe das. Es ist meine Stadt, ich bin hier geboren, aufgewachsen, kenne die trüben und schönen Seiten, die Geschichte und liebe meine Stadt. Wem es auch so geht, na klar, es ist verständlich.

ABER: Was Berlin nicht brauchen kann sind Menschen, die so tun als hätte die Stadt nur auf sie gewartet, als müsse man dankbar sein, dass sie hier sind, als würde man nur auf sie gewartet haben. Was ist passiert seit der Wende? Sehr runtergekommene Häuser konnten gerettet werden, sie wurden saniert – inzwischen schon zu oft übersaniert. So wurden aus klassischen Gründerzeithäusern, die eigentlich für Arbeiter, die in der Zeit in die Stadt strömten gebaut wurden, Luxusbehausungen. Hat irgendjemand auch mal überlegt, was mit den eigentlichen Bewohnern passiert ist? Hat irgendjemand mal nachgedacht, dass sie ihren Kiez vielleicht genauso geliebt haben, wie er war. Auch ohne Shishirestaurantcaféeinrichtungsantiquitätenassessoiregeschäfte? Dass das Flair, das eben jene Bezirke einmal geprägt hatte tot ist?

Berlin ist auch schön, wenn wieder neue Texter, Mediengestalter, Verwalter, Möchtegerndesigner, Immobilienbetreiber wegblieben. Denen aber, die Berlin auch lieben, wenn es nicht mehr hip ist, die auch die schmutzigen Ecken, die alteingesessenen Geschäften und die gelegentlich recht seltsame Nachbarschaft gern haben, WILLKOMMEN! Fühlt Euch wohl hier und helft, eben diese kleinen echten Orte zu retten, auf das nicht noch ein steriler Kaffeebrüher einzieht, sondern vielleicht dieser alte Bäcker, der eben keine Filiale ist überleben kann – dafür gibt es auch echt gebackene Sachen!

Den anderen aber: bitte geht nach München, Düsseldorf, Hamburg, London, New York oder was weiß ich. Aber verschont uns bitte mit Eurer Arroganz, Geringschätzung und Ignoranz. Was ist denn das auch, wenn man tönen kann, man wohne in Berlin, aber letztlich ist die gesamte Nachbarschaft nicht von hier. DAS IST DANN NICHT BERLIN!

Puh, das mußte jetzt mal raus. Das nächste Mal, wenn ich in meine Lieblingslokalität gehe, weiß ich, dass die Auslöser dieses Posts nicht mehr da sein werden. So, wie sie sich dort aufgeführt haben, möchte man ihnen nicht mehr begegnen. Ich sage nur: „Für einen Berliner ist das ja eine ganz gute Geschäftsidee!“ Wie bitte? Geht es noch?

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4 Kommentare

  1. Hallo,

    ich bin über vorablesen zu Dir gekommen und auch selbst Berlinerin. Dieser kurze Gedankengang gefällt mir wirklich gut, da auch ich schon ähnliche Gedanken hatte. Die Meinungen darüber, was „hip“ ist und was nicht (sein sollte?)gehen leider doch stark auseinander. Mir gefällt mein (Außen-)Bezirk genauso wie er ist. Da würde ich gar keine „Shishirestaurantcaféeinrichtungsantiquitätenassessoiregeschäfte“ und Leute, die da reingehen wollen.
    Nicht sehr konstruktiv, aber das musste ich einfach mal loswerden *g

    LG
    Soleil
    http://verlorene-werke.blogspot.com/

  2. Hihi, das kommt mir sehr bekannt vor. Bin ich doch auch erst aus einem Außenbezirk umgezogen – eigentlich in einen anderen Außenbezirk – dacht ich zumindest. Aber schön, daß ich nicht allein bin. *g*

  3. Karl Karl

    Berlin ist auch schön, wenn wieder neue Texter, Mediengestalter, Verwalter, Möchtegerndesigner, Immobilienbetreiber wegblieben.
    ……………………………..
    Jeder Ort ist schön, wenn oben Erwähnte wegbleiben;-)
    Gruß
    Karl

  4. Anonym Anonym

    naja, ich muß mal in die bresche springen für die ganzen „mediengestalter, designer etc. (das möchtegern lasse ich gerne weg).
    ich wohne selbst in einem der hippsten bezirke der stadt, und das gerne. die medienmenschen, künstler, designer, die flippigen mütter und fahrradfahrenden väter stören mich nicht im geringsten, im gegenteil: sie sorgen für lebendigkeit, für eine angenehme „strasse“, für den nachwuchs, für schönes und einiges mehr. man sollte nicht vergessen, was in so manchem viertel gewesen ist, bevor die künstler und die „möchtegerns“ gekommen sind… sicher, es war nicht leicht, hier eine wohnung zu finden, die für den geldbeutel einer familie gemacht ist (aber auch nicht schwieriger als in steglitz, wilmersdorf oder anderen bürgerlichen vierteln). aber es gab und gibt sie. und sicher, nicht wenige hausbesitzer versuchen, mehr geld rauszuholen. privatwirtschaftlich dürfen sie das auch, so funktioniert nämlich unser system.
    die lebensqualität in meinem viertel aber geniesse ich. in vollen zügen.
    und immobilienhaie finden sich überall, und leider ist es auch schon immer so gewesen, daß künstler die vorarbeit für schönere wohnviertel geleistet haben- frei nach dem modell greenwich village. lästiger finde ich – und das wirklich „typisch berlin“ – wenn die stadt sich so wenig für ihre infrastruktur und ihren nachwuchs interessiert, dass sie a) schulen schliesst in gebieten, wo es einen kinderboom gibt b) die wenigen räume und plätze für kinder des lieben geldes wegen just an die haie verkaufen will, die wir alle so schätzen. es gibt also immer 2 seiten. und: es sind nicht die „möchtegerns“, die schuld sind an gewissen miseren, sondern durchaus die stadt selbst, die es nicht zulassen kann, dass gewisse freiräume bestehen bleiben.

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