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Neulich im Museum IV

Gerade hörte ich mal wieder eine Umfrage, warum denn überhaupt Weihnachten gefeiert würde. Spätestens seit Pisa wissen wir, daß es um die Bildung unsereins nicht besonders gut steht. Im Übrigen war das gestern auch Thema über die Schulbildung in der NS-Zeit, da sah es wohl auch schlecht aus – also nichts Neues….

Ich finde es schon traurig, wenn Juden erklären müssen, warum Weihnachten gefeiert wird. Allerdings erklärt dieser Mangen an Wissen auch, warum kaum jemand glaubt, daß wir Weihnachten nicht feiern. Schließlich feiert es doch jeder…. Inzwischen ist in Berlin wohl auch schon der Trend, wie Anfang 1900 in Deutschland bei den Juden, bei türkischen Familien zu sehen: der Weihnachtsbaum steht in der Wohnung. Auch, wenn ich mit dieser Äußerung (virtuelle) Dresche beziehen sollte: so schlimm ist es nicht! Solange man nur weiß, was die Wurzeln sind.

Das nun führt mich zur angekündigtem Erlebnis im Museum, daß mir bei dieser Gelegenheit einfiel. Eine – und ich muß es jetzt leider betoten, da sie es selbst betont haben – bayrische kirchliche Reisegruppe hatte eine Führung. Im Anschluß hatten sie noch ausreichend Zeit bekommen, individuell durchs Museum zu gehen. Ein paar „landeten“ dann bei mir und nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen. So erklärte ich grob die Unterschiede zwischen Christentum, Judentum und Islam. Die Gruppe schien sehr interessiert, aber es war schnell klar, daß keinerlei Wissen über Judentum oder Islam vorhanden war. Das hatten wir ja nun im Schnelldurchgang geändert. Als die Gäste gehen wollten, hatte eine Dame noch eine Frage: „Aber sagen Sie, warum feiern denn Juden nun kein Weihnachten?“ Äh, was hatte ich denn gerade erklärt? Kurz gestutzt, dann geantwortet: „Was feiern Sie denn an Weihnachten?“ „Ja, die Geburts Jesu Christi.“ „Genau, Juden glauben nicht an Jesus als Messias, daher wird der Geburtstag nicht gefeiert.“….

Ich muß betonen, daß diese Leute wirklich mit zu den nettesten gehörte, die ich dort erleben durfte. Allerdings hätte ich bei einer kirchlichen Gruppe mit Durchschnittsalter 60 etwas mehr Wissen erwartet – so kann man sich irren….

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5 Comments

  1. Anonym Anonym

    „der Weihnachtsbaum steht in der Wohnung. „

    Nun ja, dieses Jahr ist es wirklich nicht nötig, denn Chanukka liegt ganz genau in den Weihnachtstagen… Früher war der Weihnachtsbaum ja ein Zeichen dafür, daß man auch „gut deutsch“ war, der Weihnachtsbaum war also ein bewußt assimilatorisches Symbol. Heute dagegen ist der Weihnachtbaum ein unbewußt assimilatorisches Symbol, denn im Grunde stellen nur die einen Weihnachtsbaum auf, die ein ziemlich geringes Maß an jüdischer Identität haben und sehr unreflektiert sind. Oder sie leben in gemischten Familien. Ein Weihnachtsbaum im jüdischen Wohnzimmer – da kann man also ziemlich gut ablesen, was mit den Leuten los ist.

  2. Der Weihnachtsbaum mag sich zwar im Kontext des christlichen Weihnachten etabliert haben (s. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbaum#Geschichte), jedoch ist er an sich kein christliches Symbol.

    Weihnachten ist zudem längst kein ausschließlich religiöses Fest mehr, sondern ein Familienfest, in dem auch die alten Weihnachtsbräuche weiterleben. Warum auch nicht?

    Oder habe ich deinen Kommentar missverstanden, Anonym?

  3. In unserer Tageszeitung ist heute ein Bericht über eine schleswig-holsteinische jüdische Familie, wie sie Chanukka verbringen wird. Am Ende des Berichts wird eine kleine Begebenheit des Familienvaters wiedergegeben: Der Mann erwiderte im Supermarkt den Weihnachtsgruß der Verkäuferin, erklärte ihr aber auch, dass er Weihnachten nicht feiere und andere Feste habe. Die Verkäuferin meinte zu ihm, wenn er schon in Deutschland lebe, könne er sich auch ein wenig anpassen.

    Eine solche Antwort ist erschreckend. Nicht nur wegen der daraus sprechenden Unwissenheit (auf die Wichtigkeit des Wissens hast du, Juna, vor längerer Zeit ja schon mal in einer Kommentarantwort hingewiesen), sondern allgemein bereits wegen des trennenden Denkens: „Ihr“ und „Wir“ – ob es nun religiös trennend (Juden, Muslime, usw.), oder national trennend, oder beides vermengend ist. Aber leider ist das ja noch immer völlig normal…

  4. Ja, das ist in der Tat erschreckend. Allerdings wird ja auch in meinem Fall von der jüdischen Seite gern getrennt.

    Ich durfte einmal eine alte deutsch-jüdische Familie kennen lernen, die als Kinder schon Weihnachtsbäume hatten. Ohne assimilatorische Absichten stand er noch immer in Ihrem Haus – allerdings wurden sie inzwischen tatsächlich von der (zumeist jüdischen) Bekanntschaft regelrecht diskriminiert. Einladungen wurden nicht angenommen, weil dieser Baum da stand… nun ja, sie verlegten daraufhin ihre Wintermonate in die USA.

    Ich hoffe, daß Angst vor Ausgrenzung jetzt nicht der Grund ist, warum unsere (türkischen) Nachbarn inzwischen den Baum in ihrem Garten weihnachtlich geschmückt haben – den Garten sieht man von der Straße aus nicht. Also ist es wohl eher für die Familie selbst.

    In letzter Zeit habe des öfteren Diskussionen zum Thema. Wie schon gesagt, man muss wissen, was die Ursprünge der Feste sind. Wie Du schon erwähntest, ist Weihnachten ein Familienfest geworden und ich zweifle, dass das Gros der Bevölkerung (zumindest hier) noch weiß, warum und wieso es entstanden ist…. Die Aussage der Dame zeigt ja doch, dass sie das auch als etwas „deutsches“ ansieht – würde ich so interpretieren.

  5. Karl Karl

    Jeder Christ weiß was an Weihnachten gefeiert wird.
    Es gibt Leute, die etwas nachfragen nur um etwas nachgefragt zu haben (obwohl man es vor 5 Minuten groß und breit erklärt hat).
    Menschen, die sich nicht so sehr für andere Länder, Sitten oder Religionen interessieren (wobei das an und für sich nichts Verwerfliches ist!) denken halt nur in ihrem eigenen Umfeld.
    Es gibt bestimmt Juden die nicht verstehen, daß Jom Kippur nicht überall gefeiert wird.
    Und wenn ein Tannenbaum das einzig trennende wäre – wäre für mich alles in Ordnung!

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