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Arbeitswertschätzung

Man stelle sich vor, jemand hat über eine studentische Hilfskraftstelle eine Vollzeitstelle bekommen. Übt die Arbeit seit etwa fünf Jahren erfolgreich aus. Es gibt keine Klagen, der Laden läuft. Derjenige zeigt überdurchschnittlichen Einsatz – bekommt aber immer nur befristete Verträge. Der letzte Vertrag soll dieser Tage auslaufen. Ein wirkliches Gespräch fand nie statt, nur Reaktionen auf die Nachfrage, was denn nun sei. Seit Monaten drückt sich die Geschäftsführung. Der Mitarbeiter ist, wie man sich vorstellen kann, nicht in der besten Verfassung. Eine Kollegin muß aus bestimmten Umständen eine Pause einlegen, der Mitarbeiter übernimmt daher ihre Arbeit noch zusätzlich. So geschehen seit sechs Monaten. Nach der Rückkehr der Mitarbeiterin bekommt diese eine andere Aufgabe, ihre eigentliche wird auf Bitten weiter vom Mitarbeiter übernommen. Schön für die Kollegin, sie ist schwanger. Eine Vertretung wird gesucht. Der Mitarbeiter bewirbt sich nach Aufforderung der Direktion darauf. Der Mitarbeiter wird nicht einmal zum Gespräch geladen…. Mit der Begründung, er hätte keinen Hochschulabschluß – für eine Arbeit, die er seit fünf Jahren macht. Gibt’s nicht? Doch gibt es sehr wohl! So geschehen meiner Freundin, so geschehen im Jüdischen Museum Berlin.

Sie hat ihren Abschluß nicht gemacht, da sie mit teilweise 60/ 70 Arbeitsstunden die Woche auch an der Fernuni nichts machen konnte. Jetzt wird ihr ihr Einsatz zum Nachteil gereicht? Da kann doch etwas nicht stimmen. Aber es geht noch weiter. Mit ihr verläßt auch eine der wenigen Juden das Haus, eine der wenigen, die sich überhaupt auskennen, die ein Wissen haben über das Thema, um das es dort doch geht. Meine Erfahrung im Kontakt und aus Erzählungen ist, daß es sonst dort nicht allzuweit hergeht. Sie hat das Haus immer verteidigt. Hatte damals mit mir als Host gearbeitet. Sie hat an das Projekt JMB geglaubt und dafür gekämpft. Hat versucht, ein Profil zu halten, das das Haus für beide Seiten jüdisch und nichtjüdisch interessant macht….

Ich finde es schlimm und verachtend, wie man mit ihr umgeht. Aber sie ist zu müde inzwischen…Sie will nichts tun. Daher wenigstens dieser kleine Aufschrei hier. Auch, wenn er verpuffen wird.

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2 Kommentare

  1. Ich bin gerade etwas sprachlos… und hoffe deine Kollegin findet bald einen Arbeitgeber der ihre Arbeitskraft zu schätzen weiß.

  2. Das JMB ist ein Trauerspiel in vielerlei Hinsicht. Und jemand wie Ihre Freundin hat bzw. hatte da nur eine Alibi-Funktion. Ich kann mir denken, wer gemeiont ist, denn so viele Juden und Jüdinnen gibt es dort wirklich nicht. Es tut mir sehr leid.

    Aber es ist eben auch die amerikanische hire-und-fire-Mentalität des Hauses. Abgesehen davon dürfen Arbeitsverträge nur einmal befristet vergeben werden.

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