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Neulich im Museum

…wurde ich angerufen. Diese kurze Episode soll beispielhaft sein für ähnliche Erlebnisse, die doch immer wieder auftauchen.

Also, ich wurde angerufen. Ein Herr wollte unbedingt etwas loswerden. Serviceorientiert wie ich bin, hörte ich ihm gern zu. Oft habe ich sehr interessante Gespräche so gehabt, viel gelernt und mit sehr spannenden Menschen reden dürfen. Auch diesemal hatte ich die Hoffnung. Der Herr berichtete also von seinem Besuch mit seiner Frau neulich und wie interessant doch alles war….naja, so werden viele Gespräche eröffnet. Er wollte dann gern noch wissen, ob ich Jüdin sei. Da ich kein Geheimnis daraus mache, bejahte ich die Frage. Viele Menschen meinen, manche Dinge nur Juden mitteilen zu können, oder was weiß ich. Jedenfalls bot er dem Museum dann letztlich eine Lesung von selbst geschriebenen Texten seiner Frau an. Thema: Holocaust. Als ich mich nicht begeistert äußerte, war er sehr verstimmt und brach das Gespräch bald ab.
Nun denke ich darüber nach, daß dies wieder ein Beispiel dafür war, daß wir wohl offensichtlich dankbar sein müssen, wenn sich Menschen Texte, Lieder, Bilder, Skulpturen oder was weiß ich zum Thema ausdenken. Wir sollen dankbar sein, daß sie sich damit auseinandersetzen. Warum? Ich will einfach wissen, warum? Ich finde es gut, wenn man sich mit Dingen auseinandersetzt, die einen bewegen. Es ist eine Art der Verarbeitung, ganz klassisch. Gut. Aber verlange ich von Greenpeace, daß sie mir dankbar sind, weil ich einen stromsparenderen Kühlschrank kaufe?
Liebe Menschen: macht diese Dinge für Euch! Nur für Euch. Wenn Ihr Öffentlichkeit sucht, dann wünsche ich, daß Ihr sie auch findet. Aber bitte, bitte verlangt nicht, daß man dankbar ist. Ich habe kein Verlangen danach, daß sich irgendwer bei mir entschuldigt, für irgendwas, was er nicht mir angetan hat. Ich kann niemandem Absolution erteilen….

4 Comments

  1. Nanu! Seit wann gibt es denn diesen Blog? Ganz verpasst! Gratulation zum neuesten Leser 😉

  2. Danke, Chajm! So lang gibt es mich auch noch nicht online…Aber irgendwann kann man die Gedankengaenge doch nicht alle für sich behalten. Du kennst das doch 😉

  3. Anonym Anonym

    Irgendwie….klasse!
    Elisabeth

  4. Karl Karl

    Ich habe kein Verlangen danach, daß sich irgendwer bei mir entschuldigt, für irgendwas, was er nicht mir angetan hat.
    …………………………….

    Diese Meinung hat aber leider nicht jeder Jude.
    Mit dem Thema Holcaust ist es nicht einfach umzugehen.
    Geht micht nichts an = falsch
    Setze ich mich sehr für ein = falsch
    Behalte ich für mich = falsch
    Gehe ich an die Öffentlichkeit = falsch.
    Diese Verbrechen an der Menschlichkeit sind passiert – aber leider versuchen immer noch Profilierungssüchtige (egal aus welcher Ecke!) sich damit in den Vordergrund zu rücken.
    Wir müssen mit unserer Vergangenheit leben (die ja nicht rückgängig zu machen ist), ohne mit erhobenem Finger auf den Anderen zu zeigen.

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