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Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee

Gestern war ich zu einer Führung auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee. Ich denke, es ist eher nicht so bekannt, daß er zugänglich ist – neben dem großen Bruder in Weißensee. Im Jüdisches-Berlin-Weblog stand neulich sehr lesenswert ein Artikel über den Friedhof in der Großen Hamburger Strasse.
Die Führung wurde durch einen jungen Historiker vorgenommen. Ich persönlich fand die drei Stunden (jawohl, drei Stunden) sehr spannend. Zwar schwirrte mir bald der Kopf vor Namen und Zahlen, dennoch überwiegt der positive Eindruck. Man sieht vielerorts, daß etwas getan wurde. Wie z.B. am Grabmahl der Familie Mendelssohn, das anläßlich des Familientreffens im vergangenen Jahr restauriert wurde.
Sonst aber sieht es eher traurig aus. Nicht nur die Monumentalgrabmale sind vielerorts vom Einsturz bedroht, die Schriften verblassen immer mehr, die Namen geraden in Vergessenheit. Ich denke, es ist an der Zeit, daß man sich „den Luxus“ leistet, alle noch lesbaren Steine aufzunehmen und die Daten zu sichern. Ja, ich weiß, man plant das in Weißensee – zumindest schwirren diese Pläne in der Medienlandschaft herum.

Ach übrigens, momentan kann man neben dem Hostel noch in den Judengang schlüpfen. Es wird gerade ein Tor gebaut – also, wenn man schnell ist….

Sehr interessant fand ich auch zu erfahren, daß der Friedhof auch in einen Park wie in der Großen Hamburger umgewandelt werden sollte. Verhindert wurde das durch die Auslegung des Friedhofs als Mahnmal gegen den Faschismus. So seien etliche (vornehmlich) religiöse Ruinen, wie auch die Klosterkirche in Berlin oder aber die Frauenkirche in Dresden gerettet worden.

3 Kommentare

  1. Anonym Anonym

    „Ach übrigens, momentan kann man neben dem Hostel noch in den Judengang schlüpfen.“

    Da kann man doch eigentlich nicht viel sehen. Das Wissen um den Gang bzw. das Wissen um seine Entstehung sind interessanter als der grüne Streifen zwischen hoher Rückmauer des Friedhofes und Häuserzeile, meinst Du nicht?

  2. Dennoch möchte manch einer diesen doch schon fast geheimnisvoll anmutenden Gang sehen. Die Ernüchterung kommt dann schon. Allerdings wage ich die Geschichten um die Entstehen (von wegen, keine Störung durch Trauerzüge) eher zu bezweifeln.

  3. Anonym Anonym

    Vielleicht könnten ja sogar aus der jüdischen Gemeinde ehrenamtlich Leute sich diesem Friedhof widmen – die Namen und Daten aufnehmen etc. Wenn man darauf wartet, daß Gelder bereit gestellt werden, ist es vielleicht noch mehr zu spät als jetzt. Das wäre vielleicht auch eine Aufgabe, bei der sich Juden, die in Berlin leben, kennenlernen könnten, indem sie etwas zusammen tun, was über enge Gruppen hinausweist.

    Schabbat Schalom!

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